Titel Olaf Schulz
Bild: Elke A. Jung-Wolff
Anlegerfrage

„Was bedeutet ein schwacher Euro für Sparer und Anleger?“

Die Antwort gibt Olaf Schulz, Direktor Private Kunden der Berliner Sparkasse.

E

rinnern Sie sich noch daran? Im Jahr 2009 war ein Euro zeitweise mehr als 1,50 US-Dollar wert. Solche Größenordnungen sind Geschichte – derzeit bekommt man für einen Euro selten mehr als 1,06 US-Dollar. Auch gegenüber dem japanischen Yen und dem Schweizer Franken hat der Euro an Wert verloren.

Vertrauensverlust in der Eurozone

Eine Ursache dafür sind die unterschiedlichen konjunkturellen Entwicklungen dieser Länder. Bereits vor einem Jahr haben die USA zudem im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank ihre Zinspolitik geändert. Und nicht zuletzt ringen Europa und die Eurozone mit einem Vertrauensverlust: Seit Langem bereiten die hohen Verschuldungsquoten einzelner Länder Sorge. Nun werden zudem etwa in Frankreich und den Niederlanden populistische Austrittsforderungen lauter und in Großbritannien Ausstiegspläne konkreter.

Schwacher Euro verursacht Inflation

Für Sparer und Anleger kann das negative Folgen haben. Ein Beispiel: Die Schwäche des Euro führt über den Wechselkurs-Effekt zu einer Verteuerung amerikanischer Waren. Steigt deren Preis, kann es bei uns zu einer erhöhten Inflation kommen. Sparer sind davon betroffen, sobald der Sparzins die Inflationsrate nicht mehr ausgleichen kann. Dann verliert das Vermögen des Sparers an Kaufkraft, obwohl es sich durch die Zinszahlungen nominal weiter vermehrt. Die Folge: Der Sparer kann sich morgen weniger für sein Geld kaufen als heute. Auch Aktionären deutscher Unternehmen können auf diese Weise Verluste entstehen: Denken Sie zum Beispiel an die Aktienkurse von Luftfahrtunternehmen, bei denen der Kerosinpreis in US-Dollar berechnet wird, wodurch sich der Einkaufspreis verteuert.

Der Export profitiert

Doch der schwache Euro hat auch seine Gewinner: Die exportlastige deutsche Wirtschaft etwa profitiert von der Schwäche der eigenen Währung, da sie ihre Produkte im Ausland günstiger anbieten kann. Das macht sie für Anleger interessant. Auch wer sein Vermögen über die Grenzen des Euroraumes hinaus in die derzeit starken Währungen investiert hat, profitiert von den Wechselkursverschiebungen. Überhaupt lohnt sich der Blick über den Tellerrand: Mit Aktien können Anleger an den zum Teil besseren Wachstumschancen anderer Länder direkt teilhaben. Mit lokalen Anleihen wiederum lassen sich mitunter höhere Zinsen sichern als hierzulande. Aktien und Anleihen unterliegen allerdings wie andere Wertpapiere auch Wertschwankungen sowie Ertrags- und Kapitalverlustrisiken.

Es lohnt sich also, näher hinzuschauen. Anleger, die mit einer breiten, sprich über mehrere Anlageklassen, Regionen und Währungen gestreuten Vermögensaufteilung neue Renditechancen und reduzierte Risiken kombinieren wollen, sollten sich dabei von einem Anlageprofi unterstützen lassen.

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