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Titel Interview Reisemaengel
Bild: ADAC
Interview

ADAC-Experte über Reisemängel: „Schriftlich und detailliert beschweren“

Wenn einer eine Reise tut und nicht alles klappt, wie es sollte: ADAC-Jurist Dr. Markus Schäpe gibt Tipps für enttäuschte Urlauber.

Seit dem 1. Juli 2018 gilt das neue Pauschalreiserecht. Was hat sich geändert?

Eine wichtige Änderung ist, dass nach dem alten Recht eine Beschwerde spätestens einen Monat nach Rückkehr aus dem Urlaub schriftlich an den Reiseveranstalter gerichtet werden musste. Nach dem neuen Pauschalreiserecht können geprellte Urlauber ihren Anspruch auf Reisepreisminderung bis zu zwei Jahre nach dem Urlaub geltend machen. Manche Urlauber planen ihre Reisen aber sehr lange im Voraus, das gilt insbesondere bei Kreuzfahrten. Daher ist es gar nicht so selten, dass Erholungsuchende erst jetzt eine Reise antreten, die sie vor dem 30. Juni 2018 gebucht haben – und dann gilt die alte Rechtslage.

Wie sieht es bei Individualreisen aus?

Bei Individualreisen muss im Einzelfall geprüft werden, welche Vorschriften Anwendung finden. So sind beispielsweise Beherbergungsverträge sogenannte gemischttypische Verträge, die sich unter anderem nach miet-, kauf- oder dienstvertraglichen Regelungen beurteilen. Rechtsansprüche können sich unter Umständen sogar nach dem Recht des jeweiligen Ferienlandes richten, wenn die Unterkunft oder der Flug direkt beim ausländischen Anbieter gebucht wurden.

Woher weiß ich eigentlich, wer mein Vertragspartner ist?

Bislang war manchmal nicht erkennbar, wer der Veranstalter ist. Ob beispielsweise das Internetportal, bei dem ich buche, nur Vermittler ist oder zugleich Veranstalter. Da hat der Gesetzgeber eine neue Regelung geschaffen: Jeder Reisende bekommt ein Merkblatt, das darüber klar informiert.

Reisemaengel Beispiele

In welcher Form sollten Forderungen nach Reisepreisminderung geltend gemacht werden?

Auf jeden Fall schriftlich und mit möglichst detaillierten Beschreibungen der jeweiligen Reisemängel. Am besten sollte man das Schreiben per Einschreiben/Rückschein an den Veranstalter schicken und ihm eine Frist setzen.

Zahlt der Reiseveranstalter trotz Zahlungsfrist und Mahnung nicht – muss ich dann einen Rechtsanwalt einschalten?

Nicht unbedingt. Bei kleineren Geldforderungen bietet es sich an, mit einem gerichtlichen Mahnbescheid gegen den Reiseveranstalter vorzugehen. Das geht schnell und ist kostengünstig.

Was heißt „kostengünstig“?

Für das Mahnverfahren wird eine „halbe Gerichtsgebühr“ erhoben, die Mindestgebühr liegt bei 32 Euro. Welche Kosten im Einzelnen anfallen können, lässt sich über den Kostenrechner der Mahngerichte ermitteln.

Wenn der Veranstalter den Reisemangel anerkennt, gibt es dann Bares?

In der Regel schickt er einen Verrechnungsscheck. Oder einen Reisegutschein – aber darauf müssen sich Urlauber nicht einlassen. Es besteht ein Rechtsanspruch auf Auszahlung der Preisminderung.

Und wenn ich mit der Summe auf dem Verrechnungsscheck nicht einverstanden bin?

Dann lösen Sie ihn nicht ein und machen weiter Ihre Rechtsansprüche geltend. Lösen Sie den Scheck widerspruchslos ein, gilt das Angebot des Reiseveranstalters als angenommen.

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