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Studium-Finanzierung

Investition in die Zukunft

Rund 180.000 junge Leute lernen an Berliner Unis und Fachhochschulen fürs Leben und für eine hoffentlich einträgliche Karriere. Doch die Lehrjahre müssen finanziert werden. Wir vergleichen die fünf häufigsten Geldquellen von Studentinnen und Studenten.

Variante 1: Eltern

Beatrice will Lehrerin werden, Mathe und Physik. In den beiden Fächern hat sie super Punktzahlen im Abitur. Rechnen kann sie also. Das wird sie auch müssen, denn bei den Eltern will sie nicht wohnen bleiben. Die leben im Speckgürtel, zu weit für die täglichen Fahrten an die Technische Universität. Beatrice hat eine Wohngemeinschaft in Moabit gefunden, 300 Euro plus Strom. Erst haben die Eltern geschluckt, dann noch einen Schein aufs monatliche Budget draufgelegt. 900 Euro wollen sie jeden Monat an ihre Tochter überweisen – fast die Summe, die Berliner Studenten im Schnitt zur Verfügung haben. Neun von zehn Studenten werden von ihren Eltern unterstützt, nicht alle sind allerdings so spendabel wie Beatrices Eltern. Durchschnittlich zahlen sie laut der letzten Erhebung des Deutschen Studentenwerks 476 Euro im Monat.

Mutter Tochter
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Rechtlich sind Eltern verpflichtet, ihre Kinder bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss zu unterstützen. Wie hoch der Anspruch ist, richtet sich nach dem Einkommen der Eltern. Errechnen lässt sich der nach der „Düsseldorfer Tabelle”, die für Unterhaltsansprüche herangezogen wird. Die Oberlandesgerichte würden sich an einem monatlichen Bedarf von 735 Euro orientieren, heißt es beim Studentenwerk, plus Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung. Es komme allerdings auch vor, dass unterhaltspflichtige Eltern nicht zahlen wollen oder können, sagt Jürgen Morgenstern von der Sozialberatung des Berliner Studentenwerks. Dann können Studierende den Rechtsweg beschreiten, doch „meist wollen sie das vermeiden, um das familiäre Klima nicht zu zerstören”. Oft helfe schon ein Gespräch bei der Sozial- oder der Konfliktberatung.

Variante 2: BAföG

„Angehende Studenten sollten erst einmal einen BAföG-Antrag stellen”, rät Jürgen Morgenstern. Für den Berliner Studenten Paul ist dabei nicht viel herausgekommen, weil sein Vater recht gut verdiene. Aber immerhin: Ein wenig würde es die Eltern schon entlasten. Dominic dagegen bekommt den Höchstsatz: 735 Euro. Der Vater ist Bautischler, die Mutter Hausfrau. Dominics älterer Bruder studiert ebenfalls – und bekommt 537 Euro vom Staat. Auch das ist BAföG-Höchstsatz, denn der Bruder wohnt noch bei den Eltern.

Grundsätzlich wird BAföG während der Regelstudienzeit gewährt. Vorausgesetzt, der Student büffelt auch brav. Ab dem fünften Fachsemester gibt’s die Förderung nur noch nach einer Leistungsüberprüfung. „Die erfolgt spätestens im vierten Semester”, erklärt Jürgen Morgenstern. Zu 50 Prozent ist BAföG ein Zuschuss, zur anderen Hälfte ein zinsloses Darlehen. Dennoch wird Dominic sein Darlehen nicht voll zurückzahlen müssen. „Für die sechs Semester bis zum Bachelor kriege ich 26.460 Euro, bis zum Master noch mal 17.640 Euro, sind zusammen 44.100 Euro”, rechnet der 21-jährige Berliner vor. Theoretisch müsste er 22.050 Euro zurückzahlen. Aber: „Die Höchstverschuldung ist begrenzt auf maximal 10.000 Euro”, erklärt Studienberater Morgenstern. Zurückgezahlt wird fünf Jahre nach Ende der Regelstudienzeit, entweder in Raten oder in einem Schwung. Wer das schafft, bekommt Rabatt.

Ein Vorteil beim BAföG: Stellt ein Student bis zum dritten Semester fest, dass er sich fürs falsche Fach entschieden hat, kann er wechseln – ohne negative Auswirkungen aufs BAföG. Ab dem vierten Semester ist das nur noch mit einem „unabweisbaren Grund” möglich. Zum Beispiel, wenn ein Sportstudent nach einem Unfall körperlich eingeschränkt ist und deshalb das Studium abbrechen muss.

Ist die Regelstudienzeit überschritten, muss das nicht sofort das BAföG-Aus bedeuten: Eine Verlängerung ist zum Beispiel möglich, wenn eine Studentin schwanger geworden ist, Zeit für die Kindererziehung braucht. Oder bei längerer Krankheit. Auch wenn jemand durch eine Prüfung gerauscht ist. Und selbst wenn ein Studi ein bisschen geschludert und sein Pensum in der Regelstudienzeit nicht geschafft hat, ist das kein Grund zum Verzweifeln: „Damit das Studium dann nicht aus finanziellen Gründen scheitert, kann man das BAföG-Bankdarlehen beantragen”, erklärt Jürgen Morgenstern. Das gibt es in der Höhe des eigentlichen BAföGs für maximal zwölf Monate – allerdings muss es komplett zurückgezahlt werden, 18 Monate nach der letzten Rate. Broschüre mit allen Infos als Download:

www.bafög.de

  • Studienfinanzierungs-facts 1

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Variante 3: Stipendium

Schade, dass für ihn kein Stipendium infrage gekommen sei, bedauert Dominic. Das hätte sich als Referenz in seinem Lebenslauf gut gemacht. „Aber dafür hätte ich mich in der Schulzeit etwas mehr auf den Hosenboden setzen müssen”, sagt er, „oder mich stärker für etwas engagieren”. Zwar gibt es deutschlandweit um die 2.500 Stiftungen, die Studienstipendien vergeben. Aber: Stipendiat zu werden, ist nicht einfach.

Bei den 13 Begabtenförderungswerken sind gute Noten und ehrenamtliches Engagement – konfessionell oder wirtschaftlich, politisch oder gewerkschaftlich – ein Muss. Bei anderen Stiftungen variieren die Bedingungen. Da ist es ein Plus, über Jahre in einem Chor zu singen oder als Jugendtrainer im Fußballclub aktiv zu sein. Wichtig: „Sich wegen der langen Bewerbungszeiträume rechtzeitig zu informieren und sich genau mit Zielen und Werten der einzelnen Stiftungen zu beschäftigen”, rät das Berliner Studentenwerk. Nur so könne ein Student feststellen, welche Stiftung zu ihm passt.

Übersichtliches Portal des Bundesbildungsministeriums: www.stipendienlotse.de

Variante 4: Nebenjob

Letztendlich sind es aber nur 4 Prozent der Studierenden, die das Pauken mittels Stipendium finanzieren können. Zwei Drittel der Studenten finanzieren ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise durch eigene Arbeit – mit einem Minijob, als Selbstständige, durch Arbeit auf Honorarbasis oder als studentische Hilfskräfte. Wer BAföG bekommt, darf im Jahr 5.400 Euro brutto dazuverdienen.

Studentenjob Kellner
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Fürs studentische Jobben sei wichtig, „dass das Studium hauptberuflich und der Job nebenberuflich ausgeübt wird”, informiert Ulrike Hartmann vom Münchener Beratungsportal Studieren.de. Nur dann sei der Student von den Arbeitnehmerbeiträgen in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit. Wer die monatliche 450-Euro-Grenze überschreitet, muss sich auch selbst versichern. Ansonsten sind Studierende, die noch nicht 25 Jahre alt sind, familienversichert. Und: Nur wer unterm Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro im Jahr bleibt, muss seinen Verdienst nicht versteuern.

Denkbar sei beispielsweise, nur in den Semesterferien zu arbeiten, sagt Hartmann. Als nebenberuflich gelte ein Job auch, wenn die regelmäßige Wochenarbeitszeit von 20 Stunden nicht überschritten werde. Oder wenn ein Student ein Arbeitsverhältnis habe, bei dem nicht mehr als drei Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr gearbeitet werde. „Mehrere Jobs werden hierfür zusammengezählt”, so Hartmann. Diese Regelung gelte vorerst bis Ende 2018.

Variante 5: Studienkredit

Wenn die Zeit zum Jobben fehlt, kann ein Studienkredit der Ausweg sein. Da gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Angeboten, die sich speziell an Studierende richten. Neben dem BAföG-Bankdarlehen, dem Bildungskredit und dem Studienkredit der KfW – der auch bei der Berliner Sparkasse beantragt werden kann – oder dem Darlehen der Studentischen Darlehenskasse greift auch das Berliner Studentenwerk Studierenden unter die Arme.

Beim Studienkredit verzichten die Geldinstitute auf die üblichen Sicherheiten. „Unter herkömmlichen Bedingungen würden Studenten als nicht kreditwürdig eingestuft”, erklärt Expertin Ulrike Hartmann. Außerdem bewegten sich die Zinsen „am unteren Rand der üblichen Konditionen”. Was aber nicht heiße, „dass sich da im Laufe der Jahre keine große Summe anhäufen kann”. Denn die monatlichen Kreditbeträge können von 100 bis maximal 650 Euro pro Monat reichen.

Eine Zeit für große Sprünge ist das Studentenleben so meist keineswegs: Schließlich summieren sich auch in jungen Jahren Miete, Krankenversicherung, Lebensmittel, Bücher, Telefon, die neue Jeans, der Sportverein, Auto oder Nahverkehr schnell auf Summen, die manche Monate deutlich zu lang erscheinen lassen.

Informationen zum KfW-Studienkredit finden Sie auf der Website der Berliner Sparkasse und in unserem Artikel “Studieren statt jobben”.

Angebote für Studenten

Vollzeit oder berufsbegleitend studieren? Und wie ist es mit Umzug, Bafög, Praktikum, Ferienjob oder Konto? Bei der Berliner Sparkasse erhalten Sie hilfreiche Hinweise und Checklisten rund ums Studium:

www.berliner-sparkasse.de/studenten

„Den Königsweg gibt es nicht“

Jürgen Morgenstern gehört zum Team der Sozialberatung des Berliner Studentenwerks, das bei persönlichen, sozialen und finanziellen Fragen von Studierenden hilft. Wir sprachen mit ihm über Details zur Studienfinanzierung.

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Bild: Studentenwerk Berlin | Sandra Neumann

Zu welchem Zeitpunkt sollten sich angehende Studenten mit der Studienfinanzierung befassen?
Am besten schon, wenn sie mit den Recherchen für eine Studienrichtung beginnen. Denn das nötige Finanzbudget hängt ja auch davon ab, ob für das gewählte Fach Studiengebühren anfallen. Jeder angehende Student sollte sich genau überlegen, ob es wirklich ein kostenpflichtiges Studium sein muss.

Welche Infos brauchen Sie von denjenigen, die sich bei Ihnen beraten lassen?
Am wichtigsten sind die Angaben über die individuelle Situation – ob jemand schon mal studiert oder eine Ausbildung gemacht hat, noch bei den Eltern wohnt, einen Nebenjob hat, ob ein Kind zu versorgen ist.

Wie hoch ist derzeit der Finanzbedarf eines Berliner Studenten?
In der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2012 ist man von knapp 800 Euro ausgegangen – im Bundesdurchschnitt, nicht auf Berlin bezogen. 298 Euro für Miete samt Nebenkosten. Das ist jetzt gute vier Jahre her, die 2016er Sozialerhebung erscheint erst demnächst. Vieles ist seither teurer geworden, die Mieten sind kräftig gestiegen. Ich gehe aktuell von 850 Euro aus – Minimum.

Unterscheiden sich die gewählten Finanzierungsformen je nach Studienfach?
Das hängt eher von den persönlichen Umständen ab als vom Fach. Und davon, was jemand sich zumutet. Da gibt es den Studenten mit Kind, der trotz intensiven Studiums jobbt, während das für einen anderen bei dem Lernpensum unmöglich ist.

Angenommen, während des Studiums ändert sich die finanzielle Situation der Eltern und sie können keinen Unterhalt mehr zahlen…
…dann müssen andere Möglichkeiten geprüft werden, zum Beispiel Jobben oder Stipendien. Eventuell gibt es dann auch einen vorher nicht vorhandenen BAföG-Anspruch. Unter Umständen gibt es auch Darlehen, um eine unvorhergesehene Krisensituation zu meistern.

Wird eine Studentin schwanger und pausiert für ein oder zwei Semester: Verlängert sich dann die Laufzeit von Studienkredit oder Stipendium?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei Fragen zu Urlaubssemestern verweisen wir immer direkt auf das Kreditinstitut, bei dem der Kreditvertrag abgeschlossen wurde, oder auf die Stiftung, die das Stipendium gewährt hat.

Und wenn jemand sein Studium abbricht? Wie schnell müssen Stipendien oder Kredite zurückgezahlt werden?
Das ist sehr unterschiedlich. Generell empfiehlt es sich, das vorher zu klären – auch wenn zu Beginn des Studiums niemand daran denken möchte, dass er es womöglich nicht abschließt.

Jede Form der Studienfinanzierung hat Vor- und Nachteile. Gibt es so etwas wie den Königsweg?
(lacht) Nein, den haben wir noch nicht entdeckt. Jeder muss da für sich den richtigen Weg finden – und auch der kann sich im Laufe des Studiums ja ändern. Grundsätzlich ist es so, dass der überwiegende Teil der Studierenden mehr als eine Finanzierungsquelle hat, Studienfinanzierung ist Mischfinanzierung.

Infos zur Studienfinanzierung:

Das Berliner Studentenwerk berät Studierende und Studieninteressierte von 20 Berliner Unis und Hochschulen an drei Standorten:

  • Hardenbergstraße 34, Charlottenburg (u. a. für Technische Universität, Universität der Künste, Beuth-Hochschule),
  • Thielallee 38, Dahlem (u. a. für Freie Universität, Charité),
  • Franz-Mehring-Platz 2–3, Friedrichshain (u. a. für Humboldt-Universität, Hochschule für Technik und Wirtschaft).

www.studentenwerk-berlin.de

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