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Bild: Shutterstock
Experteninterview

Stromkosten senken: „Vertrauenswürdige Vergleichsportale“

Christina Wallraf, Energiemarkt-Referentin bei der Verbraucherzentrale
NRW, über Vergleichsportale und Hintergründe zum Anbieterwechsel.

Wie kommt es überhaupt zu solch gravierenden preislichen Unterschieden zwischen den Energieversorgern und ihren jeweiligen Tarifen?

Das hat verschiedene Gründe. So gibt es beispielsweise Anbieter, die mit sehr günstigen Angeboten in den Markt gehen, dann aber oft die Preise erhöhen und hoffen, dass Verbraucher trotzdem Kunden bleiben.

Was passiert, wenn mein Versorger pleitegeht? Sitze ich dann im Dunkeln?

Nein, dann springt der Grundversorger ein. Ebenso, falls der Wechsel nicht reibungslos funktionieren sollte.

Christina Wallraf
Bild: Verbraucherzentrale NRW

Aber ich könnte im Fall einer Insolvenz Geld verlieren – wenn ich zum Beispiel einen Vorkasse-Tarif gewählt habe …

Deshalb sollten Verbraucher auf Vorkasse verzichten. Solche Angebote sind aber zum Glück auch selten geworden. Ein hoher Bonus, der erst nach einem Jahr ausgezahlt werden soll, kann natürlich ebenfalls weg sein, wenn ein Anbieter Insolvenz anmeldet. Zudem sollten die Abschläge, die man monatlich zahlt, in etwa stimmen. Sind diese zu großzügig bemessen, kann es auch hier schwierig sein, das Geld zurückzubekommen.

Ist es für Sie nachvollziehbar, warum die Stromkunden in Deutschland nur so zögerlich von der Möglichkeit eines Anbieterwechsels Gebrauch machen?

Ein Grund kann sein, dass die Produkte Strom und Gas gleich sind, egal von welchem Anbieter ich sie beziehe. Allein Preis und Vertragslaufzeiten unterscheiden sich. Bei einem Handyvertrag zum Beispiel, bei dem ich zwischen verschiedenen Modellen wählen kann, ist das anders – und daher für Verbraucherinnen und Verbraucher attraktiver, zu wechseln. Der Anreiz des Wechselns geht im Energiebereich also hauptsächlich vom Preis aus. Auf der anderen Seite ist die Ersparnis hoch – vor allem, wenn ich noch nie gewechselt habe. Es gibt ja mittlerweile auch viele Verbraucherinnen und Verbraucher, die jedes Jahr wechseln und den hohen Bonus mitnehmen – und die profitieren richtig vom Wettbewerb. Immerhin sind fast Dreiviertel aller Kunden nicht mehr im Grundversorgungstarif. Diese Entwicklung sehe ich positiv.

Wie kann ich am besten ermitteln, wie viel ich überhaupt durch einen Tarif- oder Anbieterwechsel sparen kann?

Sie benötigen Ihre Postleitzahl und Ihren letzten Jahresverbrauch. Am besten lässt sich der Vergleich über ein Portal wie Check24 oder Verivox durchführen.

Sind die Vergleichsrechner im Netz wirklich seriös?

Die Portale können bedenkenlos genutzt werden, allerdings sind die voreingestellten Bedingungen nicht verbraucherfreundlich. Die sogenannte automatische Vertragsverlängerung sollte maximal einen Monat betragen, bei beiden Portalen sind hier aber zum Beispiel zwölf Monate vorgesehen. Einfach ist, alle Filter mit einem Klick zu ändern, indem man die Stiftung-Warentest-Einstellungen auswählt. Das geht bei beiden Portalen.

Und benennen die Portale alle potenziell infrage kommenden Lieferanten und Tarife?

Die Portale bilden viele Tarife ab, aber nicht alle. Check24 veröffentlicht dies beispielsweise auf seiner Seite. Aktuell sind 1.077 Anbieter gelistet und nur 19 nicht. Die Marktabdeckung ist also sehr gut.

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