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Freiwilligenarbeit

Ehrenamt: 6 Tipps rund um Steuervorteile und Nebentätigkeit

Wer sich ehrenamtlich engagiert, tut nicht nur etwas Gutes für sein Umfeld, er kann auch seine Arbeit von der Steuer absetzen. Worauf es dabei zu achten gilt, erklären wir hier >>

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portvereine und Kirchengemeinden, Freiwillige Feuerwehren und Seniorenheime, gemeinnützige Organisationen und Umweltverbände: Das Spektrum ist enorm – und der Grad an Motivation beachtlich. Mehr als 40 Prozent der Bundesbürger über 14 Jahren engagieren sich mittlerweile in einem Ehrenamt, Tendenz steigend. Die Freiwilligen sind eine wichtige Stütze der Gesellschaft – und übernehmen Aufgaben, die die öffentliche Hand aus Geld- oder Personalmangel nicht oder nicht mehr leisten kann oder will. Wer sich freiwillig engagiert und dabei Einnahmen erzielt, genießt steuerliche Privilegien – und muss einiges beachten.

1. Übungsleiterpauschale

Begünstig wird man nur, wenn die Tätigkeit – wie bei Übungsleitern, Dozenten oder Erziehern – eine pädagogische Ausrichtung hat, man künstlerisch arbeitet oder alte, kranke oder behinderte Menschen pflegt. Steuerfrei sind Einnahmen aus dem nebenberuflichen Ehrenamt von maximal 2400 Euro pro Jahr. Als nebenberuflich ausgeübt gilt das Ehrenamt, wenn die Tätigkeit bezogen auf das Kalenderjahr nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs beträgt. Diese Ein-Drittel-Grenze ist pauschalierend bei einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von 14 Stunden erfüllt. Weitere Bedingung: Das Ehrenamt muss bei einer öffentlich-rechtlichen oder gemeinnützigen Organisation stattfinden.

2. Ehrenamtspauschale

Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und keine Tätigkeit ausüben, deren Einnahmen nach §3 Nr. 26 EStG (Einkommensteuergesetz) bis zu 2400 Euro steuerfrei sind, können einen Ehrenamtsfreibetrag in Höhe von jährlich 720 Euro steuerlich geltend machen. Diese Pauschale kann für jede Art von Tätigkeit in gemeinnützigen Vereinen, kirchlichen oder öffentlichen Einrichtungen in Anspruch genommen werden. Wichtig: Der Freibetrag in Höhe von 2400 Euro und der Ehrenamtsfreibetrag sind für ein und dieselbe Tätigkeit nicht kombinierbar. Wenn man aber unterschiedliche Tätigkeiten ausübt – beispielsweise in einem Sportverein als Trainer tätig ist und außerdem die Kasse verwaltet –, kann man von beiden Pauschalen profitieren.

Übrigens:

Momentan prüft die Bundesregierung einen von den Länder-Finanzministern in den Bundesrat eingebrachten Vorschlag zur Besserstellung von Menschen im Ehrenamt. Der Bundesrat möchte die zuletzt 2013 gesetzlich angehobene Übungsleiterpauschale von 2400 auf jährlich 3000 Euro und die Ehrenamtspauschale von 720 auf 840 Euro erhöhen.

3. Info an den Arbeitgeber

Es ist ratsam, den eigenen Arbeitgeber über das Ehrenamt zu informieren. Viele Arbeitsverträge enthalten einen Passus, wonach ein Mitarbeiter seinem Vorgesetzten seine Nebentätigkeit anzeigen muss. Der Chef muss zwar nicht zustimmen, darf aber eine Nebentätigkeit untersagen, wenn sie dem Ruf des Unternehmens vermeintlich schadet oder dem betrieblichen Interesse entgegensteht.

4. Nebenberuflichkeit

Diese setzt nicht voraus, dass Menschen, die ein Ehrenamt ausüben, einen Hauptberuf haben. Heißt: Steuerfrei ehrenamtlich können sich also auch Studenten, Rentner, Arbeitslose oder Hausfrauen und -männer engagieren. Auch bei ihnen gilt die Nebenberuflichkeitsvermutung, wenn die wöchentliche Stundenzahl im Ehrenamt 14 Stunden nicht überschreitet.

Stuererklaerung
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5. Werbungskostenabzug

Fallen im Zusammenhang mit den steuerfreien Einnahmen aus dem Ehrenamt Ausgaben an, kann man diese als Werbungskosten abziehen, wenn sowohl die Einnahmen als auch die Werbungskosten über dem Freibetrag von 2400 Euro liegen. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem Dezember 2017, mit dem die Absage des Finanzamts an einen Übungsleiter, der Einnahmen von 1200 Euro erzielte und Werbungskosten von über 4000 Euro geltend machte, revidiert wurde, zeigt, dass dieser Aspekt rechtlich aktuell umstritten ist. Selbst wenn die Einnahmen aus dem Ehrenamt unter 2400 Euro liegen, sollte ein Steuerzahler dem Finanzamt seine übersteigenden Werbungskosten präsentieren. Auf jeden Fall kann ein aus dem Ehrenamt resultierender Verlust mit dem Gehalt aus dem Hauptberuf verrechenbar sein. Wenn die Werbungkostenpauschale von 1000 Euro ausgeschöpft ist, reduziert jeder Euro an zusätzlichen Werbungskosten die insgesamt zu zahlende Einkommensteuer. Wenn es für die Tätigkeit nur Kosten gibt (z.B. Fahrtkosten für Versammlungen von 0,30€/km), können diese als Sonderausgaben/Spenden angesetzt werden. Voraussetzung ist natürlich, dass es eine Körperschaft ist, für die man auch “normal” spenden kann.

Tipp: Falls jemand die Zusage für ein Ehrenamt bekommen hat, die ehrenamtliche Tätigkeit aber letztlich doch nicht zustandekommt, können dem Finanzamt die Ausgaben aufgelistet werden, die im Zusammenhang mit der geplanten Tätigkeit bereits entstanden sind. Dieser Verlust darf mit anderen Einkünften steuersparend verrechnet werden.

6. Versicherungsschutz

Die meisten Vereine, Wohlfahrtsverbände und Organisationen versichern ihre freiwilligen Helfer gegen Unfall- und Haftpflichtschäden. Dennoch gilt: Wollen Sie sich ehrenamtlich engagieren, sollten Sie im Vorfeld mit dem betreffenden Verein oder der Organisation unbedingt abklären, welcher Versicherungsschutz besteht und welche Haftpflichtversicherung einspringt, wenn Sie einen Schaden verursachen, auch wenn Sie Ihren eigenen Pkw benutzen.

Sie wollen sich ehrenamlich engagieren? Hier finden Sie 50 Projekte, die Unterstützung suchen >>

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