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Titel Interview Sparen
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Experteninterview

Realistische Sparbeträge und Notfallreserve – so klappt es mit den Sparvorsätzen in 2020

Der bevorstehende Jahresbeginn ist ein guter Moment, um den eigenen Umgang mit den Finanzen auf den Prüfstand zu stellen. Wie kann es gelingen, die Vorsätze umzusetzen und für die Altersvorsorge, den Traumurlaub oder das beruhigende Geldpolster für schlechtere Zeiten zu sparen? Korina Dörr, Leiterin Geld und Haushalt – Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe, hat uns hilfreiche Tipps und Tricks verraten.

Frau Dörr, was kann jeder tun, um besser zu sparen oder überhaupt zu sparen?

Wir empfehlen als Erstes einen Kassensturz. Die Einnahmenseite ist meistens noch relativ schnell zu überschauen, wenn es nur ein oder zwei Einkommen gibt und dazu eventuell noch das Kindergeld. Die schwierigere Aufgabe ist der Überblick auf der Ausgabenseite, denn viele unterschätzen ihre Ausgaben. Deshalb ist es sinnvoll, in einem ersten Schritt die Ausgaben klassisch in einem Haushaltsbuch oder online zu erfassen. Der große Aha-Effekt kommt spätestens dann, wenn man im zweiten Schritt die Zahlen auch mal genauer anschaut und man die unbekannten „Geldfresser“ aufdeckt.

Korina-doerr
Bild: Peter Himsel

Welche „Geldfresser” sind das und wie kann ich besser mit meinem Einkommen kalkulieren?

Da werden zum Beispiel noch Mitgliedschaften in Vereinen oder im teuren Fitnessstudio bezahlt, in denen man schon längst nicht mehr aktiv ist. Die kann man gleich kündigen oder sich günstigere Alternativen suchen. Das gilt auch für deutlich größere Posten im Haushaltsbudget wie Strom- und Gaskosten oder Versicherungen. Wir empfehlen deshalb, einmal im Jahr sämtliche Verträge auf den Prüfstand zu stellen und sich zu fragen, ob der Vertrag noch die Bedürfnisse abdeckt. Wenn ja, kriegt man das eigentlich auch zu günstigeren Konditionen? Es ist ein gutes Recht von Verbrauchern, Vergleiche heranzuziehen und sich schlauzumachen. Und wenn man meint, es lohnt nicht, wegen 100 Euro zu wechseln, ist das natürlich auch in Ordnung. Wichtig ist es, sich Gedanken über die eigenen Präferenzen zu machen und dies mit dem vorhandenen Budget in Einklang zu bringen.

Ist Sparen auch Familiensache?

Man kann das Thema Sparen gut zu einer Familiensache machen, indem man mit den Kindern manche Gewohnheiten kritisch auf den Prüfstand stellt und gemeinsam nach Lösungen sucht. Ressourcensparen ist ja heute auch ein breites gesellschaftliches Thema, da kann man Kinder gut dafür gewinnen. Wie zum Beispiel, ob es das Mineralwasser aus dem Supermarkt sein muss oder man sich nicht auch mit Leitungswasser begnügen könnte. Bleibt das Licht ständig unnötig an, hilft schon mal eine Energiekasse, in die dann eingezahlt werden muss. Kinder sind da durchaus kritisch und kreativ, das sollten Eltern unterstützen und selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

Etwa zwei bis drei Monatseinkommen sollte man als Notfallreserve zurücklegen. Korina Dörr

Gerade Haushalten mit kleinerem Einkommen fällt es schwer, Geld zurückzulegen. Wie kann man im Alltag achtsamer mit seinem Geld umgehen?

Ist der monatliche finanzielle Spielraum eng, ist es umso wichtiger, eine kleine Notfallreserve aufzubauen. Damit lassen sich notwendige Reparaturen oder ungeplante Ausgaben abfedern. Als Faustregel gelten zwei bis drei Monatseinkommen. Diese Sparbeträge müssen oft mühsam abgezweigt werden. Leichter geht es, wenn man sich realistische Sparbeträge vornimmt und diese dann aber konsequent zur Seite legt. Um mögliche Einsparungen zu identifizieren, kann es hilfreich sein, die Ausgaben für eine gewisse Zeit streng in notwendig, angenehm und überflüssig zu unterteilen und auf Spontaneinkäufe und sogenannte Schnäppchen zu verzichten. Denn günstig heißt nicht gleich notwendig.

Welche Hilfsmittel können beim Sparen unterstützen?

Sparen fällt leichter, wenn man zum einen ein Ziel vor Augen hat und zum anderen sein Budget genau im Auge behält. Wir bieten beispielsweise die Finanzchecker-App an, die den Vorteil hat, dass man schon direkt unterwegs seine Ausgaben eingeben kann. In der App lassen sich nicht nur die Ausgaben bequem erfassen, sie zeigt auch, wie viel freies Budget noch zur Verfügung steht. Auch weist sie die größten Ausgabenposten aus. Man sollte sich zudem bewusst mit seinen eigenen Sparzielen befassen und dabei auch langfristige Ziele in den Blick nehmen. Wenn ich mehr sparen will, muss eben am Ende des Monats auch ein gewisser Puffer übrig bleiben. Da braucht es einen klaren Vorsatz und dementsprechend sollte man auch beim geplanten Kauf noch mal zurücktreten und sagen: „Ich überlege mir das bis morgen“. Sparen für die Zukunft bedeutet nun mal Verzicht im Heute.

Die Angebote von Geld und Haushalt stehen allen Personen zur Verfügung – sie müssen kein Kunde bei der Berliner Sparkasse sein. Korina Dörr, Leiterin Geld und Haushalt.

Gibt es eine Sparformel?

Sinnvoll ist es, auch langfristige Sparziele wie die eigene Altersabsicherung frühzeitig anzugehen. Wir empfehlen als Faustregel zehn Prozent vom Netto-Einkommen anzusparen. Dies sollte man aber entsprechend den eigenen Möglichkeiten festlegen. Und dann muss der Betrag als fester Posten monatlich vom Konto runter wie die Miete.

Letztes Jahr hat der Beratungsdienst Geld und Haushalt sein 60-jähriges Jubiläum gefeiert. Hat sich das Thema Sparen über die Jahrzehnte verändert?

Als die Sparkassen-Finanzgruppe 1958 den Beratungsdienst gründete, sollte den Verlockungen des Wirtschaftswunders mit guter Haushaltsplanung begegnet werden. Private Haushalte erhielten konkrete Unterstützung, um die vorhandene Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Gleichzeitig galt es, den Sparsinn wie es damals hieß, zu fördern und damit Möglichkeiten für eine sichere Zukunft zu schaffen. Auch heute, 60 Jahre später, arbeiten wir für ähnliche Ziele: Wir unterstützen private Haushalte dabei, ihre Finanzkompetenz zu stärken, ihre finanziellen Gestaltungsspielräume zu verbessern und Überschuldung zu vermeiden. Unser Angebot steht allen Verbrauchern offen, dazu muss man nicht Kunde der Sparkasse sein. Denn finanzielle Bildung zu fördern ist ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Engagements, das die Sparkassen im Rahmen ihres öffentlichen Auftrags ausfüllen.

Worin besteht das Engagement konkret?

Wir bieten ein breites Spektrum an kostenfreien Ratgebern, die viele Themen rund um Finanzen und Geld verständlich und informativ aufbereiten. Zudem unterhalten wir einen Vortragsservice, mit dem wir in die Republik hinaus zu den Menschen gehen und jährlich circa 1.000 Vorträge in der Stadt, auf dem Land, für Jung und Alt halten. Und die dritte Angebotssäule sind die vielen digitalen Angebote zur Budgetplanung, die wir für Verbraucher entwickelt haben und kostenfrei zur Verfügung stellen. Alle Angebote und Bestellmöglichkeiten finden sich auf unserer Webseite.

www.geld-und-haushalt.de

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