Titel Spar-ausstellung
Bild: Berliner Sparkasse
Ausstellung

„Arbeit, Ordnung, Sparsamkeit”

Zum 200. Geburtstag der Berliner Sparkasse: Das Deutsche Historische Museum zeigt in einer großen Sonderausstellung, wie das Sparen zur
deutschen Tugend wurde.

Rund sechs Billionen Euro, also 6.000 Milliarden Euro, haben die Privathaushalte hierzulande auf der hohen Kante. Die Rücklagen sind im letzten Quartal um 1,2 Prozent auf diesen Rekordwert geklettert, obwohl es derzeit so gut wie keine Zinsen auf die Ersparnisse gibt.

Das ist allzu typisch, denn die Deutschen lassen sich das Sparen nicht so leicht vermiesen. Egal ob Niedrigzinsen, Inflation, Währungsumstellung oder gar Krieg: Unsere Sparsamkeit ist legendär und international einzigartig.

Diese deutsche Tugend wird im Deutschen Historischen Museum (DHM) anlässlich des 200. Geburtstags der Berliner Sparkasse nun etwas genauer unter die Lupe genommen. In Zusammenarbeit mit den Archiven der Hauptstadtsparkasse und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes wurde eine spannende Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte des Sparens zusammengetragen.

Alte Sparbuecher-der-sparkasse-der-stadt-berlin
Sparbücher: Jahrzehntelang wurde das Vermögen handschriftlich dokumentiert. Bild: Berliner Sparkasse

Verzinste Rücklagen eröffneten Wege aus der Armut

Dabei geht es nicht nur um die privaten Sparer im Spiegel der jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse. Auch die deutsche Spardoktrin der öffentlichen Haushalte und in der Finanz- und Außenpolitik, die von außen zunehmend Kritik erfährt, wird beleuchtet.

»Wir wollen mit der Ausstellung das recht spezifische deutsche Sparverhalten ergründen«, sagt DHM-Kurator Robert Muschalla. »Die frühen Sparkassen waren sowohl Institutionen der Armenfürsorge, als auch Erziehungseinrichtungen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand auch durch die bald auf die Kinder ausgedehnte Sparerziehung eine spezifisch deutsche Perspektive auf die Sparsamkeit«, so der Berliner Historiker.

Im zunächst chronologischen Rundgang erschließt sich schnell der Doppelcharakter, den das Sparen von Anfang an hatte. Zwar wurde auch die Berliner Sparkasse 1818 gegründet, um breiten Bevölkerungsschichten durch verzinste Rücklagen Wege aus der Armut zu eröffnen. Auf der anderen Seite entlastete dies auch bald die sozialen Sicherungssysteme, disziplinierte die Sparer und half, Wirtschaftsaufschwung, Kriege und anschließend den Wiederaufbau zu finanzieren.

Die Ausstellung lädt ein, das eigene Sparverhalten zu hinterfragen

Doch die Schau bietet viel mehr als diesen umfassenden historischen Abriss. In ergänzenden Themenräumen werden Aspekte wie eben die Sparerziehung, die Geschlechterrollen in der Sparwerbung oder die soziale Dimension des Sparens epochenübergreifend betrachtet. Dabei wird auch die Sozialstruktur der sparenden Haushalte in Deutschland und anderen Ländern verglichen.

Spardose-der-sparkasse-der-stadt-berlin-um-1936
Sparbüchse: Eine Berliner Porzellan-Büchse illustriert 1936 deutsche Tugenden. Bild: Berliner Sparkasse

Zudem laden multimediale und interaktive Stationen, ein Audioguide, regelmäßige Führungen und ein umfassendes Kinderprogramm alle Berlinerinnen und Berliner aktiv zum Hinterfragen ihres eigenen Sparverhaltens ein. Auch für Menschen mit Behinderung eignet sich die Ausstellung: Sie bietet ein „taktiles Bodenleitsystem“, überträgt Texte in Deutsche Gebärdensprache und leichte Sprache und offeriert überdies Führungen für Blinde, Sehbehinderte, Gehörlose und Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Eine Spardose aus dem Dritten Reich, die das Archiv der Berliner Sparkasse zur Verfügung gestellt hat, fungiert übrigens als ein zentrales Objekt der Ausstellung. Das schön bemalte Porzellan-Gefäß wurde auf einem Drehteller positioniert. So lässt sich die umlaufende Beschriftung lesen, die den Kern der deutschen Spardoktrin wunderbar zusammenfasst: „Arbeit, Ordnung, Sparsamkeit.“

Ausstellung für alle – inklusive Führungen

Die Ausstellung spricht mehrere Sinne an und lädt zum Sehen, Hören und Tasten ein. Die Gestaltung ist in weiten Teilen barrierefrei. Alle Ausstellungstexte sind in Deutsch und Englisch. Die Haupttexte stehen zusätzlich in Braille, Großschrift, Leichter Sprache und in Deutscher Gebärdensprache zur Verfügung. Die Ausstellungsstücke werden auf unterschiedlichen Höhen präsentiert, die meisten Vitrinen sind für Rollstühle unterfahrbar. Die Farbgestaltung ist kontrastreich.

Inklusive Führungen am Donnerstag
Die öffentliche Führung am Donnerstag lädt alle Besucherinnen und Besucher zu einem Austausch untereinander ein. Dabei gibt es auch inklusive Angebote:

Führungen für Blinde und Sehbehinderte: Jeden 1. Donnerstag im Monat, 16 Uhr
Führungen in Deutscher Gebärdensprache: Jeden 2. Donnerstag im Monat, 16 Uhr
Führungen in Einfacher Sprache: Jeden 3. Donnerstag im Monat, 16 Uhr

Sparkassengründungen: Eine Kartenanimation des DHM

Formate: video/mp4

Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend, 23.3.– 4.11.2018
Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2, Mitte,
tägl. 10–18 Uhr,
Eintritt 8 Euro, erm. 4 Euro, bis 18 Jahre frei
www.dhm.de

Wie die Deutschen das Sparen lernten

Der Kurator der Ausstellung, Robert Muschalla, beschreibt in einem Essay seine Sichtweise auf das Thema der Ausstellung “Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend”.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren