Titel Sing Along
Bild: Christoph Schieder
Sing-Along-Projekt

„Jeder Mensch hat eine Stimme“

Berlin entdeckt überraschende Töne: Mit einem bisher einzigartigen Sing-Along-Projekt wollen Berliner Sparkasse und Komische Oper Berlin junge Menschen für die Vielfalt des Musiktheaters begeistern.

Reportage vom Proben-Besuch

„Berliner Akzente” hat die Proben der Kinder im Märkischen Viertel begleitet. Lesen Sie hier unsere Reportage.

Von Wittenau bis zur Friedrichstraße sind es nur neun S-Bahn-Stationen. Doch wenn 900 Mädchen und Jungen am 26. Juni diese Strecke fahren, wird es für sie eine Reise in eine neue Welt. Denn das Ziel ist die Komische Oper Berlin, für die allermeisten der Kinder aus dem Märkischen Viertel ein noch nie gehörtes Fremdwort. Gemeinsam werden sie im prunkvollen Opernsaal klassische Lieder singen. Unterstützung erfahren sie dabei von Ensemblemitgliedern des Opernhauses und sangesfreudigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Berliner Sparkasse.

Das Thema „Vielfalt” in die Stadt tragen

Die Idee dieses großen „Sing Along”-Konzerts für rund 1.200 Teilnehmer ist aus einer gemeinsamen Initiative der Komischen Oper Berlin und der Berliner Sparkasse entstanden. Das experimentierfreudige Opernhaus kooperiert seit Oktober 2016 mit der Hauptstadtsparkasse. Gemeinsam wollen sie junge Menschen, die bisher wenig Berührungspunkte mit klassischer Musik hatten, an die Schönheit des Musiktheaters heranführen und mit der universellen Sprache der Musik Themen wie Vielfalt oder Gleichberechtigung in die Stadt tragen. „Wir versuchen, unsere Türen möglichst weit zu öffnen, sodass keine sichtbaren oder unsichtbaren Schwellen bestimmen, wer rein darf oder nicht”, erläutert Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky die Ausrichtung seines Hauses.

Kob Theaterpädagogik
Klassik auch für Knirpse: Anne-Kathrin Ostrop, Musiktheaterpädagogin an der Komischen Oper. Bild: Jan Windszus

Die Komische Oper Berlin ist bekannt dafür, dass sie Schwellen abbaut und dabei gern unkonventionelle Wege geht. „Für uns ist das Herausforderung und Chance zugleich”, sagt Kerstin Winz. Die Musiklehrerin der Grundschule an der Peckwisch betreut eine der teilnehmenden Klassen. Die 13 Jungen und 11 Mädchen haben Wurzeln in Deutschland, Russland, Polen, Tschetschenien, Afghanistan, Libanon, Kroatien und der Türkei. Oft aus Familien, die gerne als „bildungsfern” bezeichnet werden. Nur zwei Kinder erlernen ein Instrument, eins davon hat schon mal ein Opernhaus von innen gesehen.

Das ist eine Aufgabe nach dem Geschmack von Anne-Kathrin Ostrop. Die erfahrene Musiktheaterpädagogin der Komischen Oper Berlin lässt Bedenken erst gar nicht zu: „Jeder Mensch hat eine Stimme! Dieses gilt nicht nur politisch, sondern auch musikalisch-künstlerisch. Unser Haus versteht sich seit jeher als Opernhaus für alle. Wir gestalten unsere Projekte so, dass weder Vorwissen noch Erfahrungen nötig sind.”

Kultur für das vielfältige Berlin

Die Initiative von Komischer Oper Berlin, Berliner Senat und Berliner Sparkasse unterstützt Projekte, die das Thema „Vielfalt” in den Fokus rücken. Sie will benachteiligten Kindern und Jugendlichen kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Schirmherrin ist Senatorin Dilek Kolat.

Mehr zum Engagement der Berliner Sparkasse und der Komischen Oper Berlin finden Sie auch in unserem Artikel „Oper für alle“.

Kinder aus über 100 Nationen

Eingängige Lieder aus den Heimatländern der Kinder sollten ursprünglich auf dem Programm stehen. „Doch dann haben wir festgestellt, dass Kinder aus über 100 Nationen am Projekt beteiligt sind”, berichtet Ostrop. Also wurden ganz pragmatisch universelle Stücke rausgesucht, „Lieder, die ihre ganze Schönheit erst in dem Moment entfalten, wenn alle mitsingen, beispielsweise weil sie mehrstimmig sind.”

Kob Kinder Saal Eroeffnung
Bild: Gunnar Geller

Anne-Kathrin Ostrop weiß genau, wie sie ihre ganz junge Zielgruppe begeistert. „Kinder brauchen musikalische Anker, etwas, das sie wiedererkennen können. Das können eine Melodie, eine Tonfolge oder ein eingängiger Rhythmus sein.” Besonders wichtig: „Die Kinder sollen der klassischen Musik nicht mit dem Impetus begegnen, herauszufinden, was der Meister ihnen sagen wollte. Sie sollen sich vielmehr die Musik zu eigen machen, die Musik mit ihren eigenen Lebenserfahrungen in Zusammenhang bringen können.”

Dem Ergebnis der liebevoll konzipierten Proben fiebern Ostrop und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter gespannt entgegen: Hunderte staunende Kinder auf den Theaterstühlen aus rotem Samt, unter dem ausladenden Kristallleuchter im mit goldenem Stuck verzierten Saal. Dann erklingt der riesige Chor und jeder Einzelne erlebt, wie schön eigenes musikalisches Können als Gemeinschaftserlebnis klingt.

„Berliner Akzente” hat die Proben der Kinder im Märkischen Viertel begleitet. Lesen Sie hier unsere Reportage.

Die Herausforderung für die Großen: Im Rahmen der Initiative „Kultur für das vielfältige Berlin” präsentiert die Berliner Sparkasse auch die Berliner Erstaufführung der modernen Oper „Medea” von Aribert Reimann ab 21. Mai in der Komischen Oper.

Sparkassenkunden erhalten 10 Euro Rabatt (bei Vorlage ihrer Sparkassencard) für die Medea-Vorstellungen am 5., 20. und 25. Juni sowie am 2. Juli 2017.

Mehr Infos zu diesem Projekt finden Sie hier.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren