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Titel Richtig Vererben
Bild: Getty Images / Hinterhaus Productions
Der letzte Wille

Richtig vererben: So sichern Sie Ihr Lebenswerk

Ein Testament hilft, Streit unter den Erben zu vermeiden. Trotzdem setzt die Mehrheit auf die gesetzliche Erbfolge. Wie auch immer Sie es handhaben wollen: Regeln Sie rechtzeitig, was nach Ihrem Tod mit Ihrem Erbe geschehen soll.

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ehören Sie zu den rund 20 Prozent der Berliner, die über 65 Jahre alt sind? Wenn Sie gerade erst in die Rente starten, haben Sie statistisch noch rund zwei Jahrzehnte verdienten Lebensabend vor sich. Doch eines Tages versammeln sich Verwandte und Freunde trauernd an Ihrem Grab – und die Erben beginnen Ihren Nachlass zu sichten. Allen ist dann sehr geholfen, wenn Sie rechtzeitig das Wichtigste geregelt haben.
Natürlich ist es keine Altersfrage, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Auch junge Leute können frühzeitig aus dem Leben gerissen werden.

Drei Wege den Nachlass zu regeln

Sie können vollkommen frei bestimmen, wem Sie später Ihr Lebenswerk anvertrauen wollen. Aus Ihrer Entscheidung, wer Sie beerben soll, ergibt sich schließlich, ob Sie ein Testament aufsetzen, einen Erbvertrag schließen oder sich einfach auf die Erbfolge verlassen sollten.
Treffen Sie zu Lebzeiten keine Regelung, tritt nämlich die im Bürgerlichen Gesetzbuch vorgesehene gesetzliche Erbfolge ein. Dann erben in erster Linie Kinder und der Ehepartner. Haben Sie keine Nachkommen, schließen sich je nach Verwandtschaftsgrad die übrigen Angehörigen an. Das kann zu einigen Überraschungen führen. Hätten Sie gedacht, dass bei einem kinderlosen Paar die Ehefrau beim Tod ihres Mannes nur drei Viertel des Nachlasses erbt, wenn beispielsweise seine Nichte noch lebt?

Vererben mit Testament: So vermeiden Sie Ärger

Allein schon, um Ihren Angehörigen später Streit und Ärger zu ersparen, ist ein Testament meist zu empfehlen. Zudem können Sie nur so Menschen absichern, die Ihnen besonders am Herzen liegen.

Infografik Vererben

Gerade in einer Stadt wie Berlin sind die Lebenswirklichkeiten sowieso oft zu bunt für eine standardisierte Erbfolge. Viele leben allein, viele unverheiratet zusammen, Partner kommen aus verschiedenen Ländern, manchmal werden Freunde zur Familie. In Patchwork-
Konstellationen beschäftigen sich die Erblasser mit der Frage: Was erben meine Kinder, was die Kinder meines Partners, was der gemeinsame Nachwuchs?
Trotzdem zeigen Studien, dass nur rund ein Drittel der zukünftigen Erblasser bereits ein Testament aufgesetzt hat.

Wie Sie ein Testament aufsetzen

Für ein gültiges Testament haben Sie zwei Möglichkeiten: Kostenlos und vollkommen flexibel ist es, wenn Sie es selbst komplett eigenhändig mit der Hand schreiben, an einem Ort verwahren, an dem es gefunden wird, oder es beim Amtsgericht hinterlegen lassen. Oder Sie lassen sich von einem Notar beraten, der gegen Gebühr ein notarielles oder sogenanntes öffentliches Testament aufsetzt und amtlich verwahren lässt.

Berliner Testament: Gemeinsam alles regeln

“Wir setzen uns gegenseitig als Alleinerben ein. Nach dem Tode von uns beiden sollen unsere Kinder zu gleichen Teilen erben.” So lautet eine übliche Formulierung im weitverbreiteten “Berliner Testament”. Ehepartner erklären sich gemeinsam zum gegenseitigen Alleinerben, sichern so den Lebensstandard des länger lebenden Partners und verhindern eine Auseinandersetzung mit anderen Erben. Nach der gesetzlichen Erbfolge würde dem Ehepartner nämlich nur die Hälfte des Nachlasses zustehen.

Das Berliner Testament kann nach dem Tod eines Ehepartners durch den überlebenden Partner nicht mehr angeändert werden. Nachteil: Statt 400.000 Euro pro Elternteil bleibt den Kindern hier mir einmal der Erbschaftssteuerfreibetrag, wenn sie am Ende alles vom länger lebenden Elternteil erben.

Erbvertrag: Eine sichere Alternative

Im Testament bestimmt der Erblasser seinen letzten Willen ganz allein. Anders beim Erbvertrag: Diesem müssen beide Parteien beim Notar zustimmen – diejenige, die gibt, und diejenige, die etwas bekommt, aber dafür eventuell eine Gegenleistung erbringen muss.

Üblich ist das beispielsweise in der Wirtschaft, wenn ein Betrieb später vom Vater auf den Sohn übergehen soll, dieser aber zuvor die vom Vater gewünschte Berufsausbildung absolvieren muss. Aber auch für unverheiratete Paare, die kein gemeinschaftliches Testament ausetzen dürfen, ist ein Erbvertrag eine Option zur gegenseitigen Absicherung. Vorteil: Der Vertrag kann nur von beiden Seiten wieder aufgelöst werden. Ein einseitiges Enterben ist nicht möglich.

Schenkung: Erbschaft zu Lebzeiten

Eine Schenkung zu Lebzeiten hat einen entscheidenden Vorteil: getreu dem Motto “lieber mit der warmen Hand geben” erleben Sie die Freude des Beschenkten mit. Zudem werden bei Schenkungen die gleichen Freibeträge wie bei Erbschaften genau alle zehn Jahre wieder auf null gesetzt. Bei richtig großen Vermögen lassen sich so enorme Steuern sparen. Wichtigster Nachteil: Geschenkt ist geschenkt – und Sie müssen everntuell zu Lebzeiten mit ansehen, wie das Vermögen verprasst wird.

Wenn Sie zu Lebzeiten eins von mehreren Kindern durch Zuwendungen bevorzugen, sollten sie dies bei den anderen Kindern im Testament bedenken. Denn fast alle Schenkungen sind auf das Erbe anzurechnen.

Pflichtteil: Erben trotz Enterbung

Eigentlich können Sie frei entscheiden, wen Sie nach Ihrem Tod als Erben einsetzen und wen Sie enterben wollen. Nur Ihre Kinder, Ehegatten und – falls kinderlos – eigenen Eltern können Sie nicht übergehen. Diesen steht ein Pflichtteil – die Hälfte des gesetzlichen Erbteils – zu. Auch wenn sie ausdrücklich enterbt wurden, können sie ihre Ansprüche innerhalb von drei jahren gegenüber den anderen Erben geltend machen, das Nachlassgericht wird hier automatisch aktiv. Nur in Ausnahmefällen können Sie trotzdem den Pflichtteil entziehen. Dazu zählen eine Gefängnisstraße von mindestens einem Jahr oder der Beweis, dass der Enterbte Ihnen nach dem Leben trachtet.

Generationenmanagement der Berliner Sparkasse

Die Beraterinnen und Berater der Berliner Sparkasse unterstützen Sie bei der Weitergabe des Vermögens an die nächste Generation, kümmern sich um die Organisation des Nachlasses und bieten für die Absicherung der Angehörigen verschiedene Vorsorgelösungen. Vereinbaren Sie eine Beratungstermin: Telefon: 030-869 869 69 oder online: www.berliner-sparkasse.de/kontakt

www.berliner-sparkasse.de/erbe

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