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Titel Rente
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Rente 2021

Leben im (Un-)Ruhestand: Wie man seine Rentenzeit finanziell planen kann

Endlich nicht mehr früh aufstehen müssen. Den Tag nach den eigenen Wünschen gestalten. Nie mehr vom Büro noch kurz vor Ladenschluss zum Supermarkt hetzen. Verreisen, wann immer man mag. Zeit für Hobbys und die Familie. Viele Berliner „Ü60“ malen sich den Ruhestand in schillernden Farben aus. Doch der Eintritt in die Rente bedeutet auch, weniger Geld im Portmonee zu haben.

N

och acht Monate“, sagt Renate und blättert in ihrem Kalender. Dann wird sie mit 65 Jahren ihren Job an den Nagel hängen. Rentnerin. Das Wort hört sich für sie noch fremd an. Doch sie hat sich gründlich auf die Zeit nach dem Berufsleben vorbereitet.

1,3 Millionen Rentner profitieren von der neuen Grundrente ab 2021

„Viel Rente werde ich nicht bekommen“, weiß die gelernte Friseurin. „Richtig gut verdient habe ich nie und wegen der Kinder außerdem eine Zeit lang nur Teilzeit gearbeitet.“ Die Angst vor Altersarmut habe ihr lange Kopfzerbrechen bereitet. Deswegen war sie froh, als Bundestag und Bundesrat Mitte 2020 die Grundrente beschlossen. Das ist eine Art Zusatzrente, die Menschen bekommen können, die mindestens 33 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt, aber dennoch nur ein geringes Einkommen haben. Laut Bundesregierung werden im Startjahr 2021 etwa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland davon profitieren – davon geschätzt zu etwa 70 Prozent Frauen.

Was Frauen schon während des Berufslebens für ihre Rente tun können lesen Sie hier >>

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) nennt ein Beispiel: „Eine alleinstehende Floristin, die 40 Jahre voll gearbeitet hat, hat damit etwa 40 Prozent des Durchschnittslohns verdient, sie konnte nicht viel zurücklegen. Sie kommt derzeit auf eine monatliche Rente von 547,04 Euro, mit der Grundrente bekommt sie künftig eine Monatsrente von 965,87 Euro.“ Der Zuschlag durch die Grundrente beläuft sich also auf 418,83 Euro pro Monat – das ist der Höchstsatz.

Wie wird die Rente berechnet?

Dafür gilt die Formel PEP x RAF x AR = Monatsrente

  • PEP sind die persönlichen Entgeltpunkte. Grundsätzlich gilt, dass ein Versicherter in der gesetzlichen Rentenversicherung einen vollen Entgeltpunkt für jedes Kalenderjahr erhält, in dem für ihn Beiträge entsprechend des Durchschnittsverdienstes in die Rentenversicherung eingezahlt wurde. Verdient er nur die Hälfte oder aber 20 Prozent mehr als das Durchschnittseinkommen, ergeben sich weniger oder mehr Entgeltpunkte (0,5 oder 1,2).
  • RAF ist der Rentenartfaktor. Die Altersrente hat mit 1,0 den höchsten RAF, weil sie der vollständigen Absicherung der Versicherten dient. Andere Rentenarten wie beispielsweise Hinterbliebenenrenten werden mit einem niedrigeren Faktor berechnet.
  • AR ist der aktuelle Rentenwert. Das ist der Betrag, der sich für ein Jahr Beitragszahlung bei einem Durchschnittsverdienst als monatliche Regelaltersrente errechnet.
    (Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

Wer hat Anspruch auf die Grundrente?

Einen Anspruch auf die Grundrente haben Rentner, die eine Altersrente beziehen, die im Jahresdurchschnitt zwischen 0,3 und 0,8 Entgeltpunkten liegt“, informiert die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH). Heißt: dass ihr Verdienst bezogen auf ihr gesamtes Berufsleben im Schnitt zwischen 30 und 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland lag. 2020 betrug dieses Durchschnittsentgelt aller gesetzlich Rentenversicherten 40.551 Euro.
„Eine alleinstehende Rentnerin oder ein alleinstehender Rentner hat dann den vollen Anspruch auf die Grundrente, wenn der steuerfreie Anteil der Altersrente plus weitere Einkommen insgesamt höchstens 1.250 Euro monatlich betragen“, erläutert der Lohnsteuerhilfeverein VLH. „Für mich bedeutet die Grundrente, dass ich als Rentnerin nicht mit Hartz IV aufstocken muss“, sagt Renate. Beantragen muss sie die Grundrente nicht extra, sie wird als Bestandteil der gesetzlichen Rente automatisch berechnet und ausgezahlt.

Finanzielle Vorteile für Rentner: So können Sie sparen

Dennoch wird Renate sparen müssen. Deswegen hat sie sich jetzt schon Gedanken gemacht, wo es Ermäßigungen für Rentner gibt. Zum Beispiel bei der Bahn. Weil Renate demnächst häufiger ihre in Hamburg lebende Tochter besuchen möchte, will sie sich eine BahnCard 50 kaufen, mit der sie auf die Tickets für die Fahrt von Berlin nach Hamburg 50 Prozent Ermäßigung bekommt. Normalerweise kostet die BahnCard 50 für Vielfahrer 224,70 Euro pro Jahr. Weil Renate aber schon über 60 ist, muss sie nur 111,90 Euro dafür zahlen.
Ins Kino geht sie bereits seit ihrem 60. Geburtstag ermäßigt. Manche Kultureinrichtungen verlangen aber die Vorlage des Rentenausweises, bevor sie Rabatt geben. Das kann je nach Einrichtung ein Preisnachlass von 25, aber auch von 50 Prozent sein. Nicht alle Häuser bewerben ihre Rabatte offensiv – also: einfach nachfragen. Auch Vereine, Schwimmbäder sowie Wellness-und Fitness-Einrichtungen bieten Rentnern oft vergünstigte Jahresbeiträge oder Abos. Und: Die Krankenkassen honorieren zudem sportliche Aktivitäten und Mitgliedschaften in Sportvereinen oder Fitness-Studios mit Boni und Prämien.

Im Supermarkt und bei Versicherungen sparen

Im Supermarkt achtet Renate schon jetzt auf Rabatt-Aktionen und Sonderangebote. Wie viel sich da sparen lässt, weiß sie genau – schließlich kommt sie ja aus dem Einzelhandel. Auch kauft sie häufig Eigenmarken von Discountern – die in Verbrauchertests oft erstaunlich gut abschneiden – oder Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft und die daher schon preisreduziert sind.

Rentnerin Zaehlt Geld
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Künftig will sie zudem die Angebotsblätter, die Woche für Woche in ihrem Briefkasten landen, gründlich durchschauen. „Die Zeit habe ich ja dann“, sagt sie. Genau unter die Lupe nehmen will die 65-Jährige auch ihre Versicherungen. Viele Ruheständler haben beispielsweise noch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Auch eine Unfallversicherung ist für Senioren laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen entbehrlich.

80 Prozent des letzten Gehalts für einen sorgenfreien Ruhestand

Eine Faustregel besagt, dass die Rente etwa 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens hergeben müsste, um im Ruhestand den gewohnten Lebensstandard halten zu können. Für Günter wird die Rechnung aufgehen, wird der Diplom-Ingenieur doch zusätzlich zur gesetzlichen Rente noch eine Betriebsrente bekommen. Außerdem hat er frühzeitig in eine private Rentenversicherung eingezahlt. Auch hat er sich überlegt, als Ruheständler vielleicht noch einen kleinen Nebenjob anzutreten. Gern würde er Kinder bei ihren Hausaufgaben betreuen. „Gerade im Corona-Lockdown hat sich ja gezeigt, dass so manche Eltern für jegliche Unterstützung dankbar waren“, sagt Günter. Laut Statistik haben rund 1,5 Millionen Rentner in Deutschland einen Nebenjob. „Neben der Regelaltersgrenze darf unbeschränkt hinzuverdient werden“, informiert das Bundesarbeitsministerium. Anders als bei einer vorgezogenen Altersrente. Dort liegt die Zuverdienstgrenze bei 6.300 Euro pro Jahr*. Wird mehr verdient, wird der Hinzuverdienst zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Und in jedem Fall müssen die Einnahmen natürlich versteuert werden.

*Hinzuverdienstgrenze 2020/2021

Im Zuge der Coronakrise hatte die Bundesregierung die Hinzuverdienstgrenze für 2020 von 6.300 auf 44.590 Euro angehoben. Das sollte den Wiedereinstieg für Menschen in Bereichen erleichtern, die dringend Personal suchen. Begründet war dies vor allem mit einem besonders hohen Bedarf an medizinischem Personal oder auch möglichen Personalengpässen in anderen Wirtschaftsbereichen durch Erkrankungen oder Quarantäneanordnungen. (Quelle: Deutsche Rentenversicherung)

Ab 2021 gilt wieder die alte Grenze von 6.300 Euro.

Im Alter noch einmal Studieren

Wenn es mit dem Leihopa-Job nicht klappt, kann sich Günter vorstellen, noch mal zu studieren. Dabei kommt es ihm nicht auf einen akademischen Abschluss an. Wichtiger ist ihm, sich geistig fit zu halten und weiterhin soziale Kontakte zu pflegen. Dafür wäre auch eine einfache Gasthörerschaft ausreichend – die recht kostengünstig ist. An der Freien Universität beispielsweise schlägt die „Gasthörercard Classic“ mit 160 Euro zu Buche, das Programm berechtigt zur Teilnahme an drei Vorlesungen (mit Ausnahme der medizinischen Fakultäten).

Eine für ihn lästige Pflicht wird Günter aber auch als Ruheständler nicht erspart bleiben: Er wird sich weiterhin mit der Steuererklärung herumschlagen müssen. Denn: Ruheständler mit hohen gesetzlichen Renten oder Zusatzeinkommen wie Mieten, Kapitalerträgen und Betriebsrenten sind steuerpflichtig. Laut Stiftung Warentest mussten von den 21 Millionen Rentnern in Deutschland knapp fünf Millionen für das Jahr 2019 Steuern zahlen. Mittlerweile dürften es noch mehr sein. Denn zum 1. Juli 2020 sind die Renten deutlich gestiegen – in Westdeutschland um 3,45 Prozent, in Ostdeutschland um 4,2 Prozent. Und: Für jüngere Jahrgänge ist immer mehr von der gesetzlichen Rente steuerpflichtig.

Wann müssen Rentner eine Steuererklärung machen?

Rentner müssen Steuern zahlen, wenn ihr steuerpflichtiges Einkommen mehr als 9.408 bzw. 18.816 Euro (Grundfreibetrag für das Kalenderjahr 2020 bei Einzel- bzw. Zusammenveranlagung) beträgt. Jedoch muss im Regelfall nicht die gesamte Rente versteuert werden. Denn je nach dem Jahr des Renteneintritts wird ein sogenannter Rentenfreibetrag abgezogen.
Beispielsweise muss, wer 2005 und früher in Rente gegangen ist, 50 Prozent seiner Rente versteuern. Danach kommen für jedes Jahr zwei Prozentpunkte dazu. Wer also 2020 in Rente gegangen ist, muss 80 Prozent seiner Rente versteuern.
Ob dann tatsächlich Einkommenssteuer zu zahlen ist, hängt von weiteren Faktoren ab wie beispielsweise Krankheitskosten. Generell muss die große Mehrheit der Rentner keine Einkommenssteuer zahlen.
(Quelle: „Steuertipps für Seniorinnen und Senioren“, herausgegeben vom Ministerium der Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg).

Mehr Tipps und Informationen rund um die Vorsorge und Absicherung im Alter finden Sie im Ratgeber Altersvorsorge auf der Website der Berliner Sparkasse.

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