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Handwerker

Hör mal, wer da bohrt und hämmert!

Die Baubranche boomt, doch Handwerker sind Mangelware. Viele Berliner Handwerker sind deshalb über Wochen, in manchen Gewerken über Monate ausgebucht. Was aber tun, wenn in Haushalt oder Garten schnelle Hilfe gebraucht wird?

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n analogen Zeiten gab es zum Fachmann für zu Hause nur zwei Wege: Entweder man kannte einen Handwerker. Oder man durchforstete die Gelben Seiten, schaute unter E wie Elektriker oder K wie Klempner, ob sich da eine Adresse in der Nähe fand, oder rief womöglich bei dem an, dessen Eintrag fett gedruckt war. Bis das Internet das Branchenbuch nahezu ablöste.

Pflaster legen
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Seither lässt sich nach einem Anstreicher googeln oder bei ebay-Kleinanzeigen nach einem Betrieb in der Nähe suchen. Oder man stellt selbst einen Auftrag in einem Handwerkerportal wie MyHammer.de ins Netz. Hört sich einfach an: Kurz beschreiben, welche Arbeiten anstehen – Laminat verlegen, die neue Küche aufbauen, den Garten pflegen – und schon melden sich interessierte Handwerker und man kann vergleichen.

Vorsicht bei Hobby-Heimwerkern

Allerdings tummeln sich in den Portalen nicht nur professionelle Handwerker, sondern auch Hobby-Heimwerker. Möglich, dass sie von Fall zu Fall die Arbeiten genauso gut ausführen wie der Profi und günstiger sind – doch eine Rechnung können sie nicht erstellen. Der Auftrag kann also nicht von der Steuer abgesetzt werden. Und: Es melden sich auch Handwerker, weil sie noch Kapazitäten frei haben. Diese nehmen längere Anfahrtswege in Kauf, stellen diese aber meist entsprechend in Rechnung.

Die Berliner Verbraucherzentrale rät deshalb, sich zunächst im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören, ob jemand einen guten und preiswerten Handwerker kennt. Das sei die beste Quelle. Den persönlichen Erfahrungsbericht gibts gleich dazu. Hat der empfohlene Handwerker keine Termine frei, kann man ihn nach einem Kollegen fragen. Er wird, weil er einen Ruf zu verlieren hat, sicher nicht den schlechtesten Mitbewerber benennen.

Die Handwerkskammer Berlin listet kompetente Handwerker auf. Ebenfalls ein wichtiger Tipp: Handwerker aus der Nachbarschaft wählen. Das senkt die Anfahrtskosten.

Im Netz empfiehlt sich die Suche auf der Seite der Handwerkskammer Berlin. Dort sind kompetente Handwerker gelistet, die in der Handwerksrolle (Register der Handwerksbetriebe) eingetragen sind. „So kann der Kunde sicher sein, dass die Handwerker den Beruf gelernt haben”, sagt Daniel Jander, Sprecher der Berliner Handwerkskammer.

Er rät grundsätzlich, Handwerker aus der Nachbarschaft zu beauftragen: „So sind die Wege kurz und der Handwerker kann einfacher für ein Vorgespräch vorbeikommen.” Empfehlenswert seien zudem Innungsbetriebe. Die hätten einen besonders hohen Qualitätsanspruch, sagt Jander. Zudem kann man bei den Bewertungen auf Google Maps oder den Vergleichsportalen schauen, ob es über den ausgewählten Handwerker bereits Kundenkritiken gibt.

Passt das Muster der Tapete zur jeweiligen Anschlussbahn?

Maler
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Die Handwerkskammer empfiehlt, stets mehrere Kostenvoranschläge einzuholen, insbesondere bei größeren Aufträgen. Wichtig ist, dass darin eine genaue Leistungsbeschreibung mit Art und Umfang der Arbeiten, die veranschlagte Arbeitszeit, Materialbedarf und -kosten, die Preiskalkulation samt Mehrwertsteuer sowie eventuelle Fahrt- und Nebenkosten enthalten sind. Nur so lassen sich Angebote miteinander vergleichen. Und „Unvollständige Leistungsbeschreibungen können eine Preisabsprache aufweichen und die Rechnungssumme in die Höhe treiben”, mahnt die Verbraucherzentrale.

Möglich ist aber, dass ein Handwerker während der Arbeiten feststellt, dass er doch länger braucht und die Rechnung daher höher ausfällt als vorher veranschlagt. Zum Beispiel, wenn er feststellt, dass das Holzkonstrukt unter den Fußbodenfliesen vermodert ist und komplett ausgetauscht werden muss. Werden die Kosten „wesentlich”, das heißt, um mehr als 15 Prozent überschritten, muss der Handwerker dies seinem Auftraggeber unverzüglich mitteilen.

Festpreis bewahrt vor bösen Überraschungen

Der kann dann einen Werkvertrag sofort kündigen, muss die bereits erbrachten Teilleistungen aber natürlich bezahlen. „Wer dies vermeiden möchte, sollte einen Festpreis vereinbaren. Dieser darf nicht überschritten werden”, informiert die Verbraucherzentrale Berlin.

Dorothea Kesberger
Dorothea Kesberger Bild: Verbraucherzentrale

Allerdings sollte sich der Kunde das schwarz auf weiß geben lassen. „Wer sich auf mündliche Absprachen verlässt, kann Probleme bekommen, wenn er auf den Preis besteht, Nachbesserungen fordert oder bei rechtlichen Schritten”, sagt die Sprecherin der Verbraucherzentrale Berlin, Dorothea Kesberger.

Ist der Handwerker mit seiner Arbeit fertig, gilt es für den Auftraggeber, diese kritisch zu begutachten. Sind alle Fugen sauber verspachtelt? Passt das Muster der Tapete zur jeweiligen Anschlussbahn. Den kompletten Preis muss der Kunde erst zahlen, wenn der Handwerker alle Leistungen ordnungsgemäß abgeliefert hat. Hat er geschlampt, kann der Auftraggeber Nachbesserung verlangen und einen Teil des fälligen Rechnungsbetrages zurückhalten, bis der Mangel beseitigt ist. Am besten sei es, den Handwerker dazu schriftlich aufzufordern und ihm eine Frist zu setzen, rät die Verbraucherzentrale. Ein bis zwei Wochen seien angemessen.

Sollte es bei Reklamationen doch mal Unstimmigkeiten geben, böten viele Innungen eine Schlichtung an, sagt Kammer-Sprecher Jander. Für ihn ein weiterer Grund, sich für einen Innungsbetrieb zu entscheiden: „Die meisten Streitigkeiten können so zur Zufriedenheit des Kunden beigelegt werden.” Sollte das nicht klappen, können sich Kunden rechtlichen Rat bei der Verbraucherzentrale holen oder einen Sachverständigen einschalten. Bei der Suche nach dem richtigen Sachverständigen hilft wiederum die Kammer.

Schlüsseldienste dürfen keine Mondpreise verlangen

Recht häufig für Ärger sorgen teure Schlüsseldienste. „Unseriöse Schlüsseldienste verlangen mitunter drei- bis vierstellige Beträge, nachdem sie die Tür aufgesperrt haben”, weiß Oliver Havlat, der den gemeinsamen Online-Auftritt der deutschen Verbraucherzentralen verantwortet. „Um solchen fragwürdigen Angeboten Einhalt zu gebieten, haben wir bundesweit 600 Schlüsseldienste nach den Preisen für eine einfache Türöffnung gefragt.” Wenn also die Tür lediglich ins Schloss gefallen ist. Danach kostet eine Türöffnung in Berlin tagsüber an Werktagen im Schnitt 77,63 Euro, nachts sowie an Sonn- oder Feiertagen sind 140,18 Euro in der Hauptstadt fällig. Erheblich darüber sollte ein seriöses Angebot laut Havlat nicht liegen.

Zuschläge dürfen Schlüsseldienste nur außerhalb der üblichen Arbeitszeiten verlangen. „Sofortzuschläge”, „Bereitstellungszuschläge” oder „Spezialwerkzeugkosten” sind laut Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main (Az 31 C 63/98-44) nicht erlaubt.

Nützliche Internetseiten für die Handwerker-Recherche

Handwerker finden
www.hwk-berlin.de/handwerkersuche
www.ebay-kleinanzeigen.de
www.gelbeseiten.de

Vergleichsangebote einholen
www.myhammer.de
www.handwerker-123.de
www.blauarbeit.de
www.kaeuferportal.de

„Zwei bis drei Monate warten“ Experte Achim Reinhardt im Interview

Formate: video/youtube

„Rechnung erst vollständig bezahlen, wenn Sie zufrieden sind”

Die Rechte der Kunden: Wie Sie böse Überraschungen bei Handwerkeraufträgen vermeiden, weiß Dorothea Kesberger von der Verbraucherzentrale Berlin.

Experten raten, vor Vergabe eines Auftrages zwei bis drei Angebote oder Kostenvoranschläge verschiedener Firmen einzuholen. Was unterscheidet ein Angebot von einem Kostenvoranschlag?
Da gibt es wichtige Unterschiede. An die Preise in Angeboten sind die Unternehmen in aller Regel gebunden. Der Endpreis nach einem Kostenvoranschlag kann etwas teurer werden, jedoch nicht mehr als um 15 bis 20 Prozent. Darauf muss der Handwerker auch vorab hinweisen. Ist der Kunde damit nicht einverstanden, kann er den Vertrag kündigen.

Ist ein Kostenvorschlag kostenlos?
Üblicherweise ja. Eine Vergütung dafür dürfen Handwerker oder Kundendienste nur verlangen, wenn dies vorher ausdrücklich vereinbart worden ist.

Was kann ich tun, wenn Handwerker auf sich warten lassen?
Kommen sie mehr als eine halbe Stunde später als vereinbart, hat der Kunde Anspruch auf einen neuen Termin. Die An- und Abfahrt darf dann kein zweites Mal in Rechnung gestellt werden.

Und wenn Arbeiten nicht zum vereinbarten Termin fertig werden?
Zunächst einmal sollten Sie den Fortschritt der Arbeiten selbst im Blick behalten und bei Verzögerungen schriftlich eine Frist setzen. Ist die Verzögerung auf eine laxe Haltung des Handwerkers zurückzuführen, können Sie Schadensersatzansprüche geltend machen. Kann er jedoch wegen einer schweren Krankheit nicht mit der Arbeit beginnen oder kommt es zur Verzögerung, weil notwendige Vorarbeiten anderer Fachleute unterblieben sind, haben die Auftraggeber in der Regel Pech gehabt.

Sind alle Arbeiten fertig, muss ich als Auftraggeber prüfen, ob alle Arbeiten richtig ausgeführt sind. Aber wenn ich nicht vom Fach bin, erkenne ich vielleicht gar nicht, ob die Leistungen ordnungsgemäß erbracht worden sind…
… im Zweifelsfall sollten Sie zur Beurteilung einen Fachmann hinzuziehen. Bei neuen Fenstern könnte das zum Beispiel ein anderer Tischler oder ein Architekt sein. Hilfe bei der Suche bietet online der Sachverständigen-Navigator der Handwerkskammern.

Wie sollte ich reagieren, wenn ich Mängel feststelle?
Diese möglichst per Foto dokumentieren und dem verantwortlichen Betrieb sofort schriftlich schildern. Die Rechnung sollte erst dann vollständig bezahlt werden, wenn alles zur Zufriedenheit erledigt ist. Wurde geschlampt, können Kunden einen Teil des fälligen Rechnungsbetrages bis zur Beseitigung der Mängel festhalten.

Was heißt hier „einen Teil”?
Zur Sicherheit darf mindestens das Doppelte dessen, was eine Behebung der Mängel voraussichtlich kosten wird, zurückbehalten werden.

Und wenn sich der Pfusch erst nach der Abnahme zeigt?
Dann muss der Handwerker den Mangel kostenlos beseitigen. Gelingt ihm das nicht, kann der Kunde eine andere Firma beauftragen. Deren Rechnung muss dann der Handwerker, der nicht sorgfältig gearbeitet hat, bezahlen.

Mehr Tipps auch im Internet: www.verbraucherzentrale-berlin.de

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