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Titel Fitness
Bild: Shutterstock
Ratgeber

Fitness-Studios Berlin: Richtig schwitzen

Geräte, Kurse und Wellness: Jeder siebte Berliner versucht, im Fitness-Studio den eigenen Schweinehund zu bezwingen – und will dabei Kondition steigern, Muskeln aufbauen oder Pfunde verlieren. Doch worauf kommt es bei der Auswahl des passenden Studios an?

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lena (43) und Paul (45) haben an den Feiertagen richtig über die Stränge geschlagen. Erst die leckere Gans bei Elenas Eltern, dann die üppige Torte. Dazu eher Sitzfleisch als Bewegung. Und nun ist sie da, die Bescherung nach der Bescherung. Elena keucht, wenn sie die Treppen zu ihrer Wohnung im vierten Stock erklimmt. Paul sehnt sich zurück nach den Zeiten, als er im Freibad stolz seinen Waschbrettbauch zur Schau stellte. Während die Silvesterraketen krachten, nahmen sich die beiden fest vor: Jetzt machen wir Fitness.

Aber wo? Fitness First, Superfit, McFit, FitX, Kieser Training – nur einige der großen Ketten.

„Waschbrett“ ist nicht trainierbar

Alle habe sie Sportzentren in der Hauptstadt. Wichtig ist Elena wie auch ihrem Mann der Gesundheitsaspekt. „Wir arbeiten beide im Büro, sitzen jeden Tag stundenlang am Schreibtisch“, sagt der Verwaltungsangestellte Paul. Er weiß: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland noch immer die Todesursache Nummer eins. Er weiß auch: Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation lässt sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei nur einer Stunde mehr Sport pro Woche deutlich reduzieren.

„Wer viel Zeit vor dem Computer verbringt, sitzt oft mit nach vorn hängenden Schultern und muss unbedingt die hinteren Schulterpartien trainieren.“ Gerhart Bayer, Berliner Trainingswissenschaftler

Wer wie Elena und Paul fast den ganzen Tag am Computer verbringt, sitze oft mit nach vorn hängenden Schultern, müsse unbedingt die hinteren Schulterpartien trainieren, erklärt der Berliner Trainingswissenschaftler Gerhart Bayer. Einen Zahn hingegen muss er Paul aber gleich ziehen: „Programme, die ›In sechs Wochen zum Sixpack‹ versprechen, sind total unrealistisch.“ Das „Waschbrett“ sei nicht trainierbar, „sondern ist vorrangig Ergebnis der Reduktion der Fettschicht darüber.“

Frau im Fitnesskurs
Bild: Shutterstock

Auch der Hoffnung von Elena, dass in der „Mucki-Bude“ rasch ein paar Pfunde purzeln, verpasst er einen Dämpfer. „Muskulatur ist schwerer als Fett. Durch Krafttraining wird der Körper gestrafft, man sieht besser aus, ist fitter – aber die Waage zeigt mehr an.“ Das sei gerade bei Frauen dann oft ein Problem. „Da braucht man einen Übungsleiter, der da mit einem Schmunzeln rangeht.“ Außerdem: „Wenn ich abnehmen will, muss ich Sport und Diät machen.“

Kieser: Der Rücken im Fokus

Paul hat für sich schnell zwei Favoriten unter den Berliner Fitness-Studios ausgemacht: Kieser Training oder Fitbox. Kieser sei erst kürzlich als Service-Champion ausgezeichnet worden, hat er gelesen. „Außerdem gehören da medizinische Trainingsberatung und begleitete Trainingseinheiten zum Einstieg dazu“, berichtet er seiner Frau.

Kieser, vor über 50 Jahren vom Schweizer Werner Kieser gegründet, ist der Pionier unter den Fitness-Studios und steht für gesundheitsorientiertes Krafttraining an eigens entwickelten Maschinen. Konzentration auf das Wesentliche, den Aufbau von Muskelmasse und Kraft, lautet die Devise. Auf Trends wird vezichtet. Keine Musik, keine Bar, keine Sauna – nichts soll von der Konzentration aufs Training ablenken. Bei Kieser besonders im Fokus: der Rücken. „Zwei Trainingseinheiten à 30 Minuten die Woche – mehr Zeit braucht es mit dieser Methode nicht“, sagt Kieser-Sprecherin Tania Schneider. Das gefällt Paul.

Fitbox: Muskeln in 20 Minuten

Noch kürzer sind die Trainingssequenzen bei Fitbox, einer der boomenden Elektro-Fitness-Ketten. Der Kunde trägt hautenge Spezialkleidung, ausgestattet mit Elektroden, mit denen die Muskeln zusätzlich zur Bewegung stimuliert werden. EMS – elektronische Muskelstimulation – nennt sich das Verfahren, bei dem 90 Prozent des gesamten Muskelapparates beansprucht werden und „das in gerade mal 20 Minuten pro Einheit das Maximale aus dem Körper rausholt“, sagt Fitbox-Geschäftsführer Björn Schultheiss.

Fitness-hoelle
Zum klassischen Fitness-Studio (Foto) gibt es in Berlin jede Menge Alternativen. Bild: Shutterstock

Was auch zum Konzept gehört: Immer mit Trainer, immer mit Termin. „So stellen wir sicher, dass du richtig und hart genug trainierst“, sagt Schultheiss. „Sollte ein Kunde nicht zum Termin erscheinen, rufen wir an und vereinbaren einen neuen Termin. Ausreden unmöglich.“ So etwas braucht Paul – jemand, der ihm „in den Hintern tritt“. Auf eine Kaffee-Lounge kann er dagegen verzichten.

Elixia: 227 Kurse pro Woche

Anders Elena. Sie will sich nicht nur einen individuellen Plan für ihr Training an den Geräten zusammenstellen lassen, sondern hat auch Lust auf Zumba, Pilates oder Step Dance. So ist sie bei ihrer Suche bei Elixia hängen geblieben. „Allein hier in Wilmersdorf haben wir pro Woche 227 Kurse“, sagt Ingo Mewes vom Management-Team des Elixia-Vitalclubs am Prager Platz. Elena ist begeistert, zumal sie außerdem noch ein paar Bahnen im clubeigenen Schwimmbad ziehen oder in der Sauna schwitzen kann. Mit Sauna und Dampfbad warten allerdings auch die Clubs von Fitness First auf. Dort kann man zudem jeden Freitag kostenlos jemanden zum Training mitbringen. Vielleicht ließe sich ja so ihre Kollegin ködern, überlegt Elena.

„Geh doch zum Urban Sports Club “, hatte ihr Paul geraten. „Da brauchst du nur eine Mitgliedschaft und kannst selbst wählen, nach welcher Sportart dir gerade ist und wo du die trainieren willst.“ Mit der flexiblen Sport-Flatrate könnte Elena mal zum Schwimmen gehen, sich ein anderes Mal massieren lassen – je nach Lust und Laune. Markenübergreifend könnte sie zwischen rund 50 verschiedenen Sportarten wählen. Bei Daytraining zum Beispiel umfasst die Flatrate ein Dutzend Yoga-Studios und mehr als 50 Fitness-Studios in Berlin, bei Urban Sports Club noch erheblich mehr.

Frau In Sauna
Einige Studios verzichten bewusst auf die Sauna und konzentrieren sich beim Angebot aufs Wesentliche. Bild: Shutterstock

Trainingsexperte Bayer ist skeptisch. Seine Sorge: dass sich Leute wie Elena, die bislang sportlich nicht sehr aktiv waren, in der Flut der Angebote verzetteln. „Das Problem ist, dass man oft zu viel will“, sagt Bayer. Ihm ist wichtig, dass die Berliner überhaupt Sport treiben und sich nicht herausreden mit dem Satz, „das mache ich, wenn ich mal Zeit habe“. Der Punkt komme nie. Dabei gebe es niemanden, der nicht genug Zeit für etwas Sport habe. Und: „Je weniger Sport ich treibe, umso weniger Zeit habe ich, wenn ich anspruchsvolle psychische oder körperliche Belastungen ausführe – weil der Mensch, der keinen Sport treibt, längst nicht so erholungsfähig ist wie ein Sportler, also Zeit verliert oder sich nicht vollständig regenerieren kann.“

Interview: „Es kommt darauf an, eine Gewohnheit zu schaffen“

Wie und wo sollte man trainieren? Dr. Gerhart Bayer, Dozent für Trainingswissenschaften an der Humboldt-Universität, gibt Tipps für Anfänger und Profis.

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Gibt Tipps: Dr. Gerhart Bayer, Dozent für Trainingswissenschaften an der Humboldt-Universität. Bild: privat

Viele Berliner wollen im neuen Jahr mehr für ihre Fitness tun. Worauf sollte man achten, damit der gute Vorsatz nicht schon nach wenigen Wochen dem inneren Schweinehund geopfert wird?
Je intensiver ich mich bewege, umso besser ist das für den Energieverbrauch meines Körpers – aber umso größer ist bei Leuten, die bislang kaum Sport getrieben haben, auch die Gefahr, in ihrem Engagement rasch wieder nachzulassen. Deswegen ist es ganz wichtig, langsam zu beginnen und dem Körper eine Chance der Gewöhnung zu geben. Anfangs reicht vielleicht schon eine Viertelstunde Laufen pro Woche. Oder tägliches Radfahren. Es kommt darauf an, eine Gewohnheit zu schaffen, danach kann ich die Intensität steigern. Am besten setzt man sich einen festen Termin, also zum Beispiel Joggen – oder was immer einem Spaß macht – jeden Donnerstag nach Dienstschluss.

Aber dafür brauche ich kein Fitness-Studio…
Das stimmt. Natürlich könnte ich auch im Garten arbeiten, um meine Fitness zu steigern – aber man gräbt seinen Garten ja nicht aus sportlichen Gründen zweimal um. Für die meisten Leute ist das Studio der geeignete Ort zum Sporttreiben. Zum einen, weil man dort Gleichgesinnte antrifft. Vielleicht geht man ja auch gemeinsam mit Freunden zum Training. Das macht es einem leichter, sich immer wieder zu motivieren. Außerdem kann der monatliche Mitgliedsbeitrag dazu beitragen, den inneren Schweinehund zu überwinden. Und man bekommt mehr oder weniger fachliche Anleitung.

Worauf sollte man bei der Auswahl eines Fitness-Studios achten?
Ganz wichtig ist aus meiner Sicht, dass genügend gut ausgebildete Trainer zur Verfügung stehen. Gerade wer sich noch nicht auskennt mit Trainingsmethoden und Geräten, braucht Beratung und Betreuung. Das hat natürlich seinen Preis. Ein Fitness-Center ist auch nichts anderes als ein Wirtschaftsbetrieb, und fachkundige Trainer mit entsprechenden Abschlüssen, die sich individuell um einen kümmern, kosten nun einmal Geld. Wer nur die Geräte braucht, kann auch ein günstiges Studio wählen.

Apropos Geräte: Krafttraining oder Ausdauertraining – welche Trainingsart ist am effektivsten?
Das hängt von meinem Ziel ab, ob ich Krankheiten vorbeugen, Muskeln aufbauen, mir einen knackigen Po antrainieren oder meine Ausdauer verbessern will. Grundsätzlich bietet es sich immer an, mit Ausdauertraining zu beginnen, um belastungsverträglicher zu werden. Dazu sind komplexe Crosstrainer, Ruder-Ergometer oder Stepper am effektivsten. Zur Prävention bietet sich ein Kraftausdauertraining an – also ein Krafttraining mit leichteren Gewichten, aber mehr Wiederholungen und kürzeren Pausen. Das Krafttraining stärkt den Bewegungsapparat ebenso wie den Kreislauf.

Berlins große Fitness-Ketten (Auswahl)

Mrs. Sporty: Das Fitnessstudio nur für Frauen

Mc Fit: Das günstige Fitnessstudio für alle, die auf eine solide Trainingsausrüstung setzten

Fitbox: Das EMS-Studio, für alle, die nicht viel Zeit haben

Kieser-Training: Für alle, die besonders ihren Rücken trainieren wollen

Fitness First: Ein Fitnessstudio mit hochwertiger Ausstattung, Kursen und Wellnessangeboten

Holmes Place: Hochpreisiges Fitnessstudio mit Rundum-sorglos Paket, Wellnessangeboten und exklusiven Fitnessgeräten

Mehr Tipps zum richtigen Training und zu Berliner Studios:
www.gesundheitsberater-berlin.de/praevention

Unser Fitness-Experte: Dr. Bayer befasst sich mit den theoretischen Grundlagen des Krafttrainings, unterrichtet aber auch in der Praxis Kraft- und Kraftausdauertraining – neben Sportschwimmen, Triathlon und Felsklettern.

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