Titel Preisniveau
Bild: Shutterstock
Preisniveau

Wie teuer lebe ich in Berlin?

Gefühlt wird für viele Berliner das Leben in der Hauptstadt immer teurer: Wie sich die realen Zahlen entwickeln, haben die Volkswirtschaftler der Berliner Sparkasse ergründet. Die schlechte Nachricht: Statistisch stimmt das auch. Doch es gibt auch eine gute.

O

b für Lebensmittel und Getränke oder für Freizeit und Kultur: die Preise haben in Berlin in den vergangenen fünf Jahren deutlich angezogen. Das haben die Volkswirtschaftler der Berliner Sparkasse ermittelt. Die Statistiker haben die Ausgaben der Berliner genauer betrachtet – und mit anderen Metropolen sowie dem Bundesdurchschnitt verglichen.

Miete

Bei einem durchschnittlichen Berliner Haushalt macht die Miete den größten Posten der Ausgaben aus. Rechnet man die Kosten für Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe hinzu, ergibt sich folgendes Bild: Die Wohnungsmieten haben sich in Berlin seit 2007 noch stärker als im Bundesdurchschnitt angehoben. Die Preise für Ausgaben rund ums Wohnen sind in Berlin seit 2007 um 3,3 Prozentpunkte stärker gestiegen als im deutschen Durchschnitt.

Trotz der überdurchschnittlichen Steigerung der Mieten im Vergleich zum Bundesdurchschnitt erscheint der Anstieg aber deutlich niedriger als die gefühlte Erhöhung der Mieten. Dies liege daran, so die Volkswirtschaftler, dass die Berliner häufig die eigene Bestandsmiete mit den Angebotsmieten auf zum Beispiel Immobilienscout24 vergleichen. Die Angebotsmieten sind für Berlin in der Tat kräftig gestiegen: um knapp 30 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. In den vergangenen acht Jahren sind es sogar 47,4 Prozent. Einen solch hohen Wert erreicht keine andere deutsche Metropole.

Trotzdem: München, Stuttgart oder Frankfurt am Main toppen weiterhin die Quadratmeterpreise von Berlin:

Berlin: 8,02 Euro Angebotsmiete pro Quadratmeter, zum Vergleich: Stuttgart: 10,65 Euro, Frankfurt am Main: 10,77 Euro, München: 13,70 Euro

Tägliches Leben

Die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke sowie für Freizeit, Unterhaltung und Kultur haben deutlich angezogen. Eine Regionalpreisanalyse hat 2007 gezeigt: Berlin ist nicht unbedingt billig – aber für eine Großstadt doch günstig. Als Anziehungspunkt für Touristen umso mehr. Das sei die Konsequenz der Ost-West-Teilung, erklären die Experten.

Kassenbon Checken
Bild: Shutterstock

Nach 2007 hat sich Berlin etwas teurer als der Bundesdurchschnitt entwickelt. Im Schnitt erhöhten sich die Verbraucherpreise um 11,2 Prozent zwischen 2007 und 2015 – in Berlin waren es 12 Prozent. Bei den Ausgaben für Nahrungsmittel liegt Berlin somit derzeit im Mittelfeld. Die Preise für alkoholische Getränke und Tabakwaren, für Möbel und Haushaltsgeräte, aber auch für Verkehr haben sich in Berlin ähnlich wie im Rest von Deutschland entwickelt. Hier machen sich vor allem bundesweit einheitliche Preise, wie für Porto, Bahnfahrten, Zigaretten, Handy- und Internettarife bemerkbar.

Beim Besuch von Restaurants greift der Berliner hingegen weniger tief in die Tasche als der Bundesbürger im Schnitt. Das überrascht, ist Berlin doch ein beliebtes Touristenziel. Doch hier hat offenbar die erhöhte Angebotskonkurrenz die gestiegene Nachfrage überwogen.

Einkommen

Normalerweise verdienen Menschen auf einem teuren Pflaster auch gut. Das sieht man am Beispiel München. Bei Berlin stellt sich das aufgrund seiner jüngeren Geschichte anders dar; hier hat die Teilung zu einer erheblichen Einbuße in der Wirtschaftsleistung geführt. Noch heute wird in Berlin nicht gut, aber immerhin durchschnittlich verdient. Leider liegen die verfügbaren Einkommen trotzdem weiter unter dem Bundesdurchschnitt. So hat Berlin zum Beispiel viele Selbstständige, die geringere Vermögen haben, eine niedrige Angestelltenquote und viele Pendler, die morgens in die Stadt reinfahren – aber in den Nachbarkommunen leben. Die gute Nachricht: für Unternehmen ist Berlin ein attraktives Pflaster. Neben dem niedrigen Gehaltsniveau locken nämlich auch verhältnismäßig geringe Gewerbesteuern.

Durchschnittliches Netto-Einkommen in Deutschland: 21.100 Euro Durchschnittliches Netto-Einkommen in Berlin: 18.600 Euro Selbstständigen-Einkommen (Betriebsüberschuss) in Deutschland: 47.820 Euro Selbstständigen-Einkommen in Berlin: 32.013 Euro (Zahlen von 2014)

Fazit

Die gute Nachricht: Das Preisniveau in Berlin ist eher durchschnittlich – und sogar niedriger als in Potsdam. Von knapp 400 Regionen belegt Berlin Platz 99 bei den teuersten Kommunen. Potsdam liegt auf Platz 45! Damit ist Berlin übrigens die einzige der sechs großen Städte, die keine Hochpreisregion ist. Noch gleicht das Preisniveau der Hauptstadt eher mittelgroßen Städten wie Nürnberg, Bremen, Hannover oder Essen.

Die schlechte Nachricht: Berliner verdienen im Schnitt 417 Euro weniger als im Bundesdurchschnitt. Überdies haben sie im Schnitt 702 Euro weniger Vermögen. Damit hat Berlin eine unterdurchschnittliche Kaufkraft.

Bleibt das Preisniveau so niedrig? Der Preisanstieg in Berlin ist zwar überdurchschnittlich. Bis aber der Abstand zu den Hochpreisregionen München, Stuttgart, Frankfurt, Köln-Düsseldorf und Hamburg aufgeholt wird, bleiben noch einige Jahre, prognostizieren die Volkswirtschaftler.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren