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Titel Interview Expertin Ines Fasting
Bild: Barbara Dietl
Nachlass regeln

Das Erbe gestalten

Wie Sie Vermögenswerte für die Zukunft erhalten können: Ines Fasting, Leiterin Nachlass- und Stiftungsmanagement der Berliner Sparkasse, über Handlungsoptionen beim Generationenmanagement.

Das liebe Geld: Wie kann man beim Erbe Streit in der Familie vermeiden?

Der einfachste Weg ist die konkrete Aufteilung des Vermögens in einem Testament. Darin kann man sich natürlich an die gesetzliche Erbfolge – zum Beispiel je die Hälfte für die zwei Kinder – halten, kann aber einzelne Wertgegenstände konkret zuordnen. Wenn die Gefahr besteht, dass sich die Kinder nach dem Erbfall um das Erbe streiten, sollte man auf jeden Fall das Einsetzen eines Testamentsvollstreckers erwägen. Damit wird vermieden, dass die Erbengemeinschaft gemeinsam handeln muss, stattdessen kümmert sich eine neutrale Person um die Nachlassabwicklung und hält das Zepter in der Hand.

Was mache ich, wenn die einst gerechte Aufteilung von Sach- und Geldvermögen beispielsweise durch steigende Immobilienpreise hinfällig wird?

Wenn beispielsweise bei zwei Kindern eine gerechte Aufteilung mit dem Elternhaus für den einen und dem Depotvermögen für den anderen durch eine „Teilungsanordnung“ im Testament vorgesehen ist, die Immobilie beim Eintritt des Erbfalls aber wertvoller ist, muss ein finanzieller Ausgleich erfolgen. Dies kann mit einem „Vorausvermächtnis“ umgangen werden. Denn hierbei werden Immobilie und Depot aus dem Nachlass herausgelöst und bestimmten Erben vermacht, nur der Rest wird gerecht aufgeilt. Im Testament muss bei der Formulierung genau darauf geachtet werden, welche von beiden Möglichkeiten gemeint ist.

Kann man auch einfach das Testament korrigieren?

Natürlich, man kann ein notarielles Testament jederzeit auch um ein handschriftliches Testament ergänzen. Ändere ich die Aufteilung beim Notar, fällt natürlich nur die Gebühr für die geänderten Werte und nicht mehr für den kompletten Nachlass an.

Für wen empfehlen sich Schenkungen zu Lebzeiten?

Bei Schenkungen können alle zehn Jahre die Steuerfreibeträge genutzt werden, die auch beim Vererben gelten. Kinder haben einen Freibetrag von 400.000 Euro – pro Elternteil. Wenn man also je Kind deutlich mehr als diese 800.000 Euro weitergeben kann, sollte die Möglichkeit der Schenkung unbedingt nutzen.

Aus steuerlichen Gründen müssen sich vermögende Menschen demnach viel früher mit dem Tabuthema Tod beschäftigen …

… und sollten sinnvollerweise rechtzeitig ein Testament aufsetzen, in dem die Vermögenswerte klar aufgeteilt werden.

Wie kann ich verhindern, dass meine pubertierenden Kinder durch solche Schenkungen größenwahnsinnig werden?

Bei Schenkungen gilt: Die Beschenkten können ab 18 Jahren über alles verfügen, auch über Immobilien. Selbst wenn diese mit Wohnrecht für den Schenkenden übertragen werden, kann der Beschenkte sie veräußern – wobei der neue Eigentümer das Wohnrecht natürlich achten muss.
Damit der Sohn aber nicht schon zu Lebzeiten das Vermögen “auf den Kopf haut” und mit dem neuen Sportwagen zur Uni fährt, gibt es für Private-Banking-Kunden der Berliner Sparkasse Anlageformen, bei denen zwar der Vermögensübertrag erfolgt, eine Verfügung aber nur mit Zustimmung der Eltern möglich ist. Mehr dazu wissen unsere Beraterinnen und Berater.

Wegen der doch recht hohen Freibeträge und der Risiken zu Lebzeiten scheinen Schenkungen nicht allzu populär …

Doch, dieses steuersparende Potenzial wird durchaus genutzt. Typisch sind Großeltern, die für ihre Enkel den Freibetrag von bis zu 200.000 Euro anlegen. Auch dort gibt es Möglichkeiten, dass die Großeltern die Hand auf dem Vermögen behalten.

Ab wann sind Schenkungen eigentlich steuerrelevant? Sind 5.000 Euro zum Geburtstag vom Vater an den Sohn meldepflichtig?

Das kommt darauf an, wie vermögend der Vater ist. Ist er sehr reich, könnte dies vielleicht noch als „Anstandsschenkung“ gelten. Es gibt keine genauen Richtlinien, aber man sollte jede Schenkung beim Finanzamt anzeigen. Nur so kann man ja am Ende auch die Freibeträge nutzen.

Wegen der steigenden Immobilienpreise liegen selbst eher einfache Elternhäuser heute schnell über den 400.000 Euro Freibetrag für das Kind. Wie kann das Haus in der Familie bleiben?

Wenn das Kind wieder in seinem Elternhaus leben will, gibt es kein Problem: Die selbstgenutzte Immobilie, egal wie teuer, egal wie groß, erhält zunächst der Ehepartner erbschaftssteuerfrei, sofern er dort noch zehn Jahre lebt. Wenn er vorher umzieht, wird nachbesteuert, wird er in dieser Zeit Pflegefall oder stirbt, natürlich nicht. Anschließend gilt dies auch für die Kinder, die zeitnah einziehen – allerdings sind für diese nur 200 Quadratmeter Wohnfläche erbschaftssteuerfrei.

Wie ist das mit Auslandsimmobilien, beispielsweise mit dem Ferienhaus an der Costa del Sol?

Wer Auslandsvermögen besitzt, sollte sich in seinem Testament ausdrücklich auf deutsches Erbrecht festlegen – damit beim Ableben während eines Auslandaufenthaltes nicht das dortige Erbrecht angewendet wird. Für das Ferienhaus wird natürlich deutsches Erbschaftssteuer fällig, ggf. muss aber auch noch im Ausland versteuert werden, mit manchen Ländern gelten Doppelbesteuerungsabkommen.

Niemand kennt die finanziellen Verhältnisse besser als die eigene Hausbank. Deshalb sind Sie für die hoch vermögenden Kunden der Berliner Sparkasse auf Wunsch auch als Testamentsvollstreckerin tätig.

Wir kümmern uns bei Kunden im Private Banking auch um die komplette Abwicklung des Nachlasses – von der Organisation der gewünschten Bestattung über die Auflösung des Haushalts inklusive Kündigung aller Verträge bis hin zur Verteilung des Nachlasses an die Erben sowie die Erstellung der Erbschaftssteuererklärung. Der Erblasser legt die Testamentsvollstreckung durch uns im Testament fest, einen Vertrag gibt es nicht. Häufig erfahren wir erst über die Rentenrückbuchung, dass der Kunde verstorben ist.

Wie wird diese Dienstleistung abgerechnet?

Laut Gesetz erhält der Testamentsvollstrecker „eine angemessene Gebühr“. Diese errechnet sich aus der Höhe des Vermögens und dem Umfang und dem Schwierigkeitsgrad der Abwicklungstätigkeit.

Nachlässe sind sicher von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.

Allerdings. Neben der Verwertung des Hausrats oder der Erstellung der letzten Einkommenssteuererklärung erwarten uns jedes Mal ganz individuelle Aufgaben. Die Kündigung der Kundenkarte vom Modehaus gehört genauso dazu wie das Übergeben eines Unternehmens. Manchmal wühle ich mich so richtig durch ein Leben.

Für wen empfiehlt sich ein Testamentsvollstrecker?

Insbesondere verstreuten Erbengemeinschaften ist sehr geholfen, wenn sich ein Profi um den Nachlass kümmert. Für diese oft sehr komplexe Tätigkeit sollte ein erfahrener Experte mit Augenmaß ausgewählt werden.

Kann man eigentlich verfügen, dass die Tochter ihren Erbteil erst nach dem Studienabschluss erhält?

Ja. Bis zur Erfüllung dieser aufschiebenden Bedingung wird der Nachlass dann durch einen Dauertestamentsvollstrecker verwaltet.

Viele Berliner haben keine Familie, an die sie vererben können, statt der Nachkommen werden oft wohltätige Zwecke bedacht. Was gibt es hierbei zu beachten?

Für Menschen ohne Kinder macht das durchaus Sinn: Für nicht verwandte Erben gilt lediglich ein Freibetrag von 20.000 Euro, der Rest wird mit 30 Prozent besteuert. Anders, wenn ich eine gemeinnützige Organisation als Erbin einsetze – diese ist von der Erbschaftssteuer befreit. Zudem kann so ein konkretes Ziel mit dem eigenen Lebenswerk verknüpft werden. Ich leite mit der Sparkassenstiftung Medizin eine der drei gemeinnützigen Stiftungen der Berliner Sparkasse, deren Arbeit immer wieder durch Erbschaften unterstützt wird. Am Beispiel der Medizinstiftung könnte beispielsweise im Testament verfügt werden, dass durch das Erbe ein Stiftungsfonds errichtet wird, der die Erforschung einer ganz bestimmten Krankheit unterstützt.

Generationenmanagement der Berliner Sparkasse

Die Beraterinnen und Berater der Berliner Sparkasse unterstützen Sie bei der Weitergabe des Vermögens an die nächste Generation, kümmern sich um die Organisation des Nachlasses und bieten für die Absicherung der Angehörigen verschiedene Vorsorgelösungen. Vereinbaren Sie eine Beratungstermin: Telefon: 030-869 869 69 oder online: www.berliner-sparkasse.de/kontakt

www.berliner-sparkasse.de/erbe

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