Titel Morgenstund
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Redewendungen erklärt

„Morgenstund hat Gold im Mund”

Geld regiert die Welt, sagt man. Und es prägt die Sprache. Wir hinterfragen Redewendungen. Zum Beispiel, warum Morgenstund Gold im Mund hat.

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rühaufsteher erreichen mehr – und können am Ende auch mehr aufs Sparbuch einzahlen. Seit den Römern existiert diese sprachliche Diskriminierung gemütlicher Langschläfer. Im Lateinischen heißt es gar poetisch: „aurora habet aurum in ore”. Frei übersetzt: Die personifizierte Morgenröte trage Gold im Mund. Noch üppiger mögen es Dänen: Hier purzeln Edelsteine von ihren Lippen und fällt Silber aus ihrem Haar.

Wir Berliner, die frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn zwischen den Heimkehrern des Nachtlebens sitzen, wissen aus eigener Anschauung: Das mit der Morgenstunde ist individuell verschieden. Die Wissenschaft unterscheidet zwischen „Eulen” und „Lerchen”. Also zwischen Menschen, die rein biologisch erst spätabends zur Bestform auflaufen, und anderen, die morgens leistungsbereit sind.

Neueste Forschungen sind noch differenzierter: Ermittelt wurden Individuen, die sowohl nach dem Aufstehen als auch abends voller Energie sind – und umgekehrt solche, die sich früh und spät schlapp fühlen. Für Letztere gilt dann die andere populäre Version unseres Sprichworts: „Morgenstund hat Blei im Hintern.”

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