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Titel Max Liebermann 1916
Bild: gemeinfrei
Berühmte Berliner

Max Liebermann: Der Malerfürst am Brandenburger Tor

Palais am Pariser Platz 7: Hier lebte bis 1935 der berühmte Impressionist Max Liebermann. Heute residiert hier die Stiftung Brandenburger Tor, die Kulturstiftung der Berliner Sparkasse. Mit ihrer neuen Präsentation „Liebermanns Welt“ erinnert sie an das Leben Max Liebermanns und seiner Familie.

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ax Liebermanns Vater hatte das Palais in bester Lage direkt neben dem Brandenburger Tor 1857 erworben. Zu den Nachbarn gehörten preußische Großgrundbesitzer, alter und neuer Adel, Industrielle sowie die französische Botschaft.

Nach dem Tod seiner Mutter 1892 zog Max Liebermann mit seiner Frau Martha und Tochter Käthe in den repräsentativen zweiten Stock des Hauses ein. Vom Arbeits- und Bibliothekszimmer führte eine Wendeltreppe ins Dachatelier, wo der Mitbegründer der Berliner Secession seinen eigenen Malstil entwickelte und zum bedeutendsten Maler des deutschen Impressionismus avancierte.

Atelier Max Liebermann Berlin
Bild: gemeinfrei

Max Liebermann hatte es mit einem modernen Glasaufbau überwölben lassen und dies gegen den Widerspruch des Kaisers in jahrelangen Prozessen durchgesetzt. Damit schuf er aus seinem repräsentativen Elternhaus eine Künstlerresidenz, in der Wohnen und Arbeiten vereint war. Das Atelier war kostbar ausgestattet mit Gemälden von ihm geschätzter Künstler wie Manet, Cézanne und Velasquez.

Gefragter Porträtist bedeutender Persönlichkeiten

Hier entstanden viele seiner berühmten Selbstporträts – im Laufe seines Lebens malte sich Max Liebermann siebzig Mal. Meist zeigte er sich dabei im Anzug, in nüchterner Zurückhaltung als „vollkommener Bourgeois“, wie er sich selbst einmal nannte. Sein künstlerisches Ansehen in Berlin als Zentrum des deutschen Kunstschaffens erreichte Ende des 19. Jahrhunderts seinen vorläufigen Höhepunkt.

Palais Liebermann 1892
Bild: gemeinfrei

Anlässlich seines 50. Geburtstages 1897 widmete die Akademie der Künste Max Liebermann einen ganzen Ausstellungssaal, in dem 30 Gemälde, neun Zeichnungen, drei Lithografien und 19 Radierungen gezeigt wurden. Max Liebermann erhielt darüber hinaus den Professorentitel, wurde 1898 in die Akademie aufgenommen – gegen die er in jungen Jahren rebelliert hatte – und 1920 ihr Präsident.

Als gefragter Porträtist empfing Max Liebermann in seinem Atelier prominente Vertreter aus Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Darunter den Nobelpreisträger Albert Einstein, den Dichter Gerhart Hauptmann und den Mediziner Ferdinand Sauerbruch.

Um 1930 erwarb der berühmte Chirurg mit seiner Frau Ada ein leerstehendes Haus in der Nachbarschaft von Max Liebermanns Villa am Wannsee. Es entstand eine Freundschaft, die trotz der zunehmenden Repressalien, denen sich der jüdische Liebermann durch die Nationalsozialisten ausgesetzt sah, bestehen blieb.

„Ick kann janich so viel fressen, wie ick kotzen möchte!“

In seiner Wohnung am Pariser Platz wird Max Liebermann am 30. Januar 1933 Zeuge des Aufmarschs der Nationalsozialisten. Verbände von SA und SS organisieren eiligst einen pompösen Aufzug, bringen alle verfügbaren Fackeln zum Großen Stern im Tiergarten. Gespenstisch hallt der Marschschritt Tausender Braunhemden durch die Straßen.

Berlin 1933 Sa-aufmarsch Am Brandenburger Tor
Bild: Bundesarchiv, Bild 137-048390 / CC-BY-SA 3.0

„Ick kann janich so viel fressen, wie ick kotzen möchte!“, soll Max Liebermann kommentiert haben, was sich auf dem Pariser Platz in seinem direkten Blickfeld abspielt. Die Folgen der Machtergreifung durch die Nazis sind für ihn verheerend: Als jüdischer Künstler darf er nicht mehr ausstellen, seine Bilder gelten als entartet.

Stolperstein Martha Liebermann
Bild: gemeinfrei

Liebermann zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und stirbt am 8. Februar 1935 mit 87 Jahren in seinem Elternhaus am Brandenburger Tor. Als 1938 der Judenbann über das Zentrum Berlins verhängt wird, kann seine Witwe ihr Haus nur noch mit einem Erlaubnisschein betreten. Im Juli 1939 muss sie es ganz verlassen. Vor dem Haus erinnert ein Stolperstein an das Schicksal von Martha Liebermann, die sich der drohenden Deportation ins KZ Theresienstadt durch Selbstmord entzog.

Wiederaufbau nach fünf Jahrzehnten

Atelier und Palais wurden 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. Nach dem Fall der Mauer und der wiedergewonnenen Einheit Deutschlands wurde es neu errichtet, entworfen vom Stararchitekten Josef Paul Kleihues als „kritischen Rekonstruktion“ in Anlehnung an das historische Vorbild.

Pariser Platz Berlin Liebermann-palais
Bild: Stiftung Brandenburger Tor, Kulturstiftung der Berliner Sparkasse

Heute steht das Haus – im Eigentum der Industriellenfamilie Quandt – erneut für den kulturellen Austausch sowie die Förderung von Kunstschaffenden im Herzen Berlins.

Seit dem Jahr 2000 hat die Stiftung Brandenburger Tor ihren Sitz im Max Liebermann Haus. Im Geiste der Familie Liebermann möchte die Kulturstiftung der Berliner Sparkasse die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft hervorheben. Zu den Programmschwerpunkten zählen Ästhetische Bildung, Ausstellungen, Literatur, Kunstmarkt und Kulturpolitik. Das Ziel aller Stiftungsaktivitäten ist die Stärkung der Demokratie mit und durch Kultur. Erfahren Sie mehr zur Stiftung Brandenburger Tor in unserem Artikel: Ein Haus der Kultur >>

Liebermanns Welt

4. Mai bis 28. Juli 2019: Präsentation im Max Liebermann Haus am Brandenburger Tor, Berlin-Mitte
Mi.–Mo. 11–18 Uhr, Eintritt frei

www.stiftungbrandenburgertor.de/liebermanns-welt

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