Newsletter abonnieren
Titel Busuebergabe
Bild: Elke A. Jung-Wolff
Engagement

Mit Vollgas Berlin erleben

Über zwei Kiezkonten hat die Berliner Sparkasse Geldspenden gesammelt. Das Ergebnis war überwältigend. Mehr als 59.000 Euro kamen zusammen – genug Geld, um zwei neue Kleinbusse für soziale Einrichtungen anzuschaffen.

„Es gibt eben doch noch gute Menschen“, sagt Heinz Claus. Der 89-Jährige aus Lichtenrade ruht sich auf der Sitzfläche seines Rollators aus. Das Gehen strengt ihn an. „Schwerbeschädigt“. Ein einziges Wort, das alles sagt. Claus ist gerührt. „Was die Berliner Sparkasse hier angestoßen hat, ist Wahnsinn“, presst er hervor.

Busuebergabe2
Bild: Elke A. Jung-Wolff

Für ihn sei das wie ein Wunder. „Ich wünsche mir, dass die vielen Menschen, die dieses Wunder mit ihrer Spende möglich gemacht haben, später einmal auch diese Hilfe erfahren, wenn sie sie brauchen“, sagt er mit leiser, aber fester Stimme. Seit einem halben Jahr nutzt Claus das Angebot des Mobilitäts­hilfe­dienstes der Diakonie, gemeinsam mit anderen Senioren Aus­flugs­fahrten zu unternehmen. „Wir waren schon in Beelitz, am Seddiner See und am Müggel­see und auf der Pfauen­insel“, zählt er auf.

„Ich wünsche mir, dass die vielen Menschen, die dieses Wunder mit ihrer Spende möglich gemacht haben, später einmal auch diese Hilfe erfahren, wenn sie sie brauchen“ Heinz Claus, Nutzer des Mobilitätshilfedienstes der Diakonie

Seit fast 30 Jahren ermöglichen die Berliner Mobilitätsdienste älteren Menschen mit mobilen Einschränkungen, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie begleiten sie zum Arzt, zum Frisör, aufs Bürgeramt – und unternehmen mit ihnen Ausflugsfahrten. Die bisherigen Busse für die Bezirke Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg waren allerdings schon ziemlich in die Jahre gekommen. Für die steigenden Reparaturkosten standen nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung. Bei einem Ausfall der Busse hätten keine gemeinsamen Aktivitäten mehr stattfinden können.

Busuebergabe3
Bild: Elke A. Jung-Wolff

“Da müsse man doch helfen können”, dachte sich Andreas Moritz, Leiter des BeratungsCenters der Berliner Sparkasse in Lankwitz. Er suchte sich Unterstützung bei seinen Kollegen in der Region. Gemeinsam initiierten sie über die Stiftung der Berliner Sparkasse zwei Kiezkonten, auf denen die Spendengelder für jeweils einen Bus in Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg angesammelt werden konnten.

Auch der Bürgermeister ist bei der Übergabe dabei

Das Ergebnis war überwältigend. Mehr als 59.000 Euro kamen zusammen – genug Geld, um gleich zwei Fahrzeuge anzuschaffen. Einen für den Mobilitätshilfedienst in Steglitz-Zehlendorf, einen für Tempelhof-Schöneberg. Ende Mai wurden die beiden nagelneuen Mercedes-Benz-Sprinter an die Diakonie übergeben – im Rahmen einer Feierstunde gemeinsam mit den Spendern, die diese Anschaffung möglich gemacht hatten. Sogar der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte in seinem Terminkalender ein Viertelstündchen freigeschaufelt, um bei der Übergabe dabei zu sein.

„Das ist Ihr Verdienst“, sagte Tanja Müller-Ziegler, Privatkundenvorständin der Berliner Sparkasse bei der Feierstunde im BeratungsCenter am Oberhofer Weg. Und deutete, während sie die zahlreich erschienenen Spenderinnen und Spender ansprach, auf die beiden weißen Sprinter, die direkt vor der Filiale schräg auf dem Bürgersteig parkten. Genau 59.129 Euro und 87 Cent hätten die Spender, größtenteils Kundinnen und Kunden der Berliner Sparkasse zwischen März 2017 und März 2018 auf die für das Projekt eingerichteten Kiezkonten eingezahlt – 34.705,84 Euro kamen in Steglitz-Zehlendorf zusammen, 24.424,03 Euro in Tempelhof-Schöneberg. Zwischen zwei und 20.000 Euro gaben die einzelnen Spender. Im Schnitt gab jeder der 230 Spender 259 Euro. „Ich bin begeistert, was die Bürgerinnen und Bürger binnen eines Jahres auf die Beine gestellt haben“, sagt sie. Die Berliner Sparkasse sei in den Kiezen tief verwurzelt, „und mit einem Projekt wie diesem fördern wir das Miteinander vor Ort.“

„Dieses enorme bürgerschaftliche und soziale Engagement ist nicht selbstverständlich.“ Michael Müller, Regierender Bürgermeister Berlin

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller nickt zustimmend. Er sei zu Gast bei vielen Berliner Unternehmen, „aber dieses enorme bürgerschaftliche und soziale Engagement ist nicht selbstverständlich“. Die Sparkasse sei „ein wichtiger Partner der Stadt“ und im konkreten Fall sei es „ein glücklicher Umstand“, dass sich auch die Bürger in so starkem Maße engagiert hätten.

Busuebergabe1
Bild: Elke A. Jung-Wolff

„Bei vielen älteren Menschen können wir damit der Vereinsamung vorbeugen“, erklärt Karl-Martin Seeberg, Geschäftsführer des Diakonie-Pflegeverbundes Berlin. Er sei „schlicht überwältigt von der großen Unterstützung unserer Mitbürger“, meinte auch Rainer Lenk, Leiter der Mobilitätshilfedienste bei der Diakonie. Wie tief gerührt er ist, muss er gar nicht weiter erklären: Für einen kurzen Moment versagt ihm die Stimme, als er die Spender anspricht.

Mobilität ermöglicht Teilhabe

Voll des Lobes für das Engagement von der Berliner Sparkasse und den Bürgern ist auch die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler: “Die Sparkasse denke auch in ihrem Kerngeschäft „immer vom Bürger aus.“ Da spreche sie auch im Namen von Cerstin Richter-Kotowski, ihrer Amtskollegin in Steglitz-Zehlendorf. Es sei „grandios, dass es jetzt für jeden der beiden Bezirke einen eigenen Bus“ gebe. Denn Mobilität sei eines der Grundbedürfnisse des Menschen. „Es reicht nicht, ein Telefon zu haben“, sagt Schöttler. „Man muss – rein physisch – teilhaben können und nicht nur aus der Ferne zusehen.“ Genau das werde durch die Ausflugsfahrten mit den Kleinbussen ermöglicht.

„Wir können irgendwann auch in die Situation kommen, dass wir uns nicht mehr bewegen können“, begründet Wolfgang Ehritt (81) aus Südende, warum er sich gern an der Spendenaktion beteiligt hat. „Menschen, die sonst nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben könnten, kommen dadurch mal raus aus ihrem täglichen Einerlei“, fügt Ehefrau Renate (80) hinzu. Auch der emeritierte Professor Horst Keller und seine Frau Helga zögerten keinen Moment, als man sie in ihrer Sparkassenfiliale in Lichterfelde-Ost auf die Spendenaktion ansprach. Beide sind seit über 50 Jahren Sparkassenkunden und „haben geholfen, weil es notwendig ist, damit die Leute noch etwas vom Leben haben“.

„Hier sehe ich, wofür mein Geld eingesetzt wird.“

Bei anderen Spendenaktionen sei sie oft skeptisch, sagt Helga Granier. „Wenn man mich auf der Straße anspricht, weiß ich oft nicht, wohin das Geld geht“, erklärt die 81-Jährige. „Hier sehe ich, wofür mein Geld eingesetzt wird.“ Der Berliner Sparkasse vertraue er, ergänzt ihr Lebensgefährte Werner Uhlig (81). Hier sei er Kunde seit 1960. Warum er das Jahr so genau wisse? „In dem Jahr bin ich nach Berlin gekommen“, erzählt der gebürtige Franke. „Und als allererstes habe ich mir ein Konto bei der Sparkasse eingerichtet.“

Diese Themen könnten Sie auch interessieren