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Titel Kartenbetrug
Bild: Shutterstock
Geklaute Kreditkarten

Kartenbetrug: Ausgespäht und abgezogen

Die Polizei Berlin rät: Vorsicht beim Bezahlen mit SparkassenCard und anderen Girokarten an öffentlichen Fahrkarten-Automaten. Dabei könnten Täter sensible Daten ausspähen – und dann direkt im Anschluss die Karte entwenden, um abzukassieren. Wie Sie sich vor der neuen Betrugsmasche schützen, und was Sie im Fall der Fälle vor dem größten Ärger bewahrt.

Morgens im Berufsverkehr auf der Berliner Ringbahn, Haltestelle Schönhauser Allee: Eine junge Dame eilt auf den Bahnsteig. Die nächste Ringbahn kommt in wenigen Minuten. Jetzt noch schnell eine Fahrkarte am Automaten kaufen. „Ach, am besten gleich eine Vier-Fahrten-Karte“, denkt sie sich. Zum Bezahlen steckt sie ihre SparkassenCard in den Automaten, tippt zügig die Geheimzahl ein – und bemerkt nicht, dass sie dabei von einem Beobachter ausgespäht wird.

1.000 Euro in 20 Minuten

Frau Am Fahrkarten Automaten
Heikle Situation: Ticket­kauf am Fahr­karten-Auto­mat. Wer mit der Karte zahlt, kann aus­spioniert werden. Bild: Shutterstock

Die S-Bahn kommt. An den Türen leichtes Drängeln beim Einsteigen. Dabei registriert die junge Frau erneut nicht, dass eine fremde Hand in ihre Handtasche gleitet – und das Portemonnaie mit der Karte entwendet. Erst als sie am Zielort noch einen Cappuccino kaufen will, bemerkt sie den Verlust. 20 wertvolle Minuten sind vergangen, in denen die Täter bereits das Konto abgeräumt haben. Schadensfall: 1.000 Euro.

Erst vergangene Woche habe eine Kundin in der Filiale gestanden und den Tathergang exakt so geschildert, berichtet Stefan Preis, Leiter des PrivatkundenCenters der Berliner Sparkasse in der Prenzlauer Allee. „Oft haben die Täter in den paar Minuten zwischen Diebstahl und Sperrung gleich an mehreren Automaten Geld abgehoben und das Tageslimit komplett ausgeschöpft.“

Täter handeln in einer Gruppe

Rund 20 Fälle hat die Polizei Berlin inzwischen registriert und warnt eindringlich alle Berliner vor dieser Ausspähtaktik an Automaten. „Diese Methode stellt eine neue ‚Qualität’ bei der Tatbegehung dar“, erklärt Jens Hartwich, zuständig für Prävention bei der Polizei Berlin. Dass Täter nun auch die Fahrkarten-Automaten im Öffentlichen Personen-Nahverkehr für ihre Betrügereien auserkoren haben, sei neu. Allerdings gibt sich der Präventionsexperte auch nicht überrascht: „Betrüger suchen sich immer neue Wege, um schnell an das Geld zu kommen.“ Und die Banken selbst hätten die Automaten in ihren Filialen mittlerweile immer besser geschützt.

Die rund 20 Fälle, die der Polizei gemeldet wurden, spielten sich hauptsächlich an Fahrkarten-Automaten auf der Ringbahn der S-Bahn ab, aber auch die Berliner Verkehrsbetriebe waren betroffen. Das grundsätzliche Problem der Automaten: Sie stehen meistens an belebten Orten, so merken Benutzer kaum, dass sie jemand von hinten ausspäht. Die Täter auf der Ringbahn agieren dabei arbeitsteilig in der Gruppe: einer späht aus, der zweite rempelt das Opfer beim Einsteigen in die Bahn an oder verwickelt es in ein Gespräch, der dritte klaut derweil das Portemonnaie.

Eine Betrugsmasche, vor der die Polizei Berlin seit März über die örtliche Presse und soziale Medien warnt. Die gute Nachricht: Bereits mit einfachen Mitteln können sich Berliner vor dem Ausspähen ihrer Daten schützen:

Bezahlen Sie Fahrkarten am besten mit Bargeld oder nutzen Sie das App-Angebot, zum Beispiel der BVG, bei dem Sie via App die Fahrtickets erwerben können.
Wenn Sie mit Karte zahlen , halten Sie immer Ihre Hand über das Tastenfeld, sodass niemand anderes die Geheimzahl erkennen kann. Seien Sie sich immer bewusst, dass Sie gerade äußerst sensible Daten im Wert Ihres Giro-Kontostandes eingeben.
Fühlen Sie sich beobachtet , steht gar jemand zu dicht hinter Ihnen: Bitten Sie freundlich um Abstand. Wenn die Person dann nicht ablässt, im Zweifelsfall lieber den Bezahlvorgang abbrechen und die übernächste Bahn nehmen.

Fünf Tipps: So schützen Sie sich

1. Beim Bezahlen mit Ihrer Geheimnummer immer und überall das Tastenfeld mit der Hand verdecken. Rückt Ihnen jemand von hinten zu nahe, freundlich aber bestimmt um Diskretion bitten.

2. Karten und Portemonnaie immer eng am Körper tragen und am besten getrennt vom Handy aufbewahren.

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Die Deutsche Bahn, die die Berliner S-Bahn betreibt, sieht ihre Fahrkarten-Automaten indes gut geschützt. Zudem werde beim Bezahlvorgang der Nutzer auf dem Display explizit darauf hingewiesen, seine PIN verdeckt einzugeben, sagt Ingo Priegnitz, Sprecher der S-Bahn Berlin. „Eine darüber hinausgehende Abdeckung des PIN-Pads ist nicht vorgesehen.“ Bei der vergleichsweise geringen Zahl an Fällen nachvollziehbar – doch für die Opfer entsteht ein beträchtlicher Schaden.

Allerdings kann die Berliner Sparkasse hier beruhigen :

  • Wer seine Karte umgehend unter der extra eingerichteten Karten-Sperr-Hotline der Berliner Sparkasse 030/869 869 05 oder unter dem zentralen Sperrnotruf aller Kreditinstitute 116 116 sperren lässt, handelt richtig. Das sollten Sie auch machen, wenn Sie nach eigenem Ermessen nur einen geringen Betrag auf dem Girokonto haben. Denn die Täter können auch Ihren Dispokredit ausschöpfen.
  • Jeder Fall wird individuell vom Haftungsfonds der Deutschen Sparkassen geprüft und der Schaden gegebenenfalls ersetzt. Voraussetzung ist, dass der Karteninhaber nicht fahrlässig dazu beigetragen hat, dass die Täter das Konto abräumen. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn man die Geheimzahl auf die Karte geschrieben hat. Oder einen Notizzettel mit der Geheimzahl in der Geldbörse führt.
Taschendiebstahl
Im Ans­chluss wird die Geld­börse gestoh­len – und schon haben Betrü­ger Karte samt Geheim­zahl. Bild: Shutterstock
  • Ist Ihre Karte gestohlen worden , sollten Sie immer auch Anzeige bei der Polizei erstatten. Das können Sie in Berlin mittlerweile auch per Online-Anzeige. . Die Berliner Sparkasse sperrt die Karte lediglich für Geldautomaten und den Zahlungsverkehr mit PIN – doch was viele nicht wissen: Mittels Lastschriftverkehr mit Unterschrift könnten Täter weiterhin auf Einkaufstour gehen (siehe Infokasten). Erst die Polizei schiebt dem durch einen Eintrag in das KUNO-System einen Riegel vor.

So arbeitet KUNO

KUNO ist die Abkürzung für „ Kriminalitätsbekämpfung im Unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen “. Hierbei handelt es sich um ein computergestütztes Sicherheitssystem, das von Polizeidienststellen in ganz Deutschland mit Informationen über Kartendiebstähle und -verluste gefüttert wird.

  • Wer seine Karte telefonisch sperren will , muss die Kontonummer seines Girokontos angeben. Wissen Sie diese auswendig? Am besten schreiben Sie sich diese jetzt auf und vermerken sie sich zusätzlich in ihrem Handy oder Smartphone, das sie im Idealfall auch unterwegs noch bei sich haben.
  • Die Polizei Berlin empfiehlt dazu : Wertsachen immer verteilen, sprich: Portemonnaie und Handy lieber getrennt aufbewahren – und eng am Körper tragen. Wenn eines von beiden abhanden kommt, hat man wenigstens noch das andere.

Insgesamt haben Diebstähle als Straftaten in Berlin leider zugenommen. „Die Straftaten mit Gewaltwirkung gehen glücklicherweise zurück, aber dafür haben wir immer mehr Probleme mit Diebstählen. Das bereitet uns Sorge“, sagt Jens Hartwich. Ein Grund, warum die Polizei Berlin deshalb auch eindringlich vor der Betrugsmasche am Fahrkarten-Automaten warnt, sodass Beispiele wie unser gewähltes, exemplarisches Fallbeispiel am Anfang des Artikels so wenig wie möglich vorkommen.

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