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Bild: promo
Arbeitsmarkt

Joblinge: Berufseinstieg auf Umwegen

Junge Menschen mit schwierigen Startbedingungen werden fit für den Arbeitsmarkt: Seit sechs Jahren qualifiziert die Initiative „Joblinge“ benachteiligte Jugendliche für einen Beruf, mittlerweile an drei Standorten in der Stadt. Die Berliner Sparkasse ist als Partnerunternehmen von Anfang an dabei und lud in diesem Jahr auch zum großen Sommerfest.

E

s sind die scheinbar hoffnungslosen Fälle, die Ralf Körner, Unternehmenskoordinator bei den Berliner Joblingen, besonders bewegen: „Wir betreuten einen jungen Mann, der Pferdewirt werden wollte“, erinnert sich der 54-jährige Banker. „In der Orientierungsphase stellte sich heraus, dass er sich dafür tatsächlich wunderbar eignete. Der Haken war allerdings: Unser Kandidat war schon 25 Jahre alt, ohne Schulabschluss und mit einer ausgeprägten Dyskalkulie – also mit großen Schwierigkeiten in Mathe.“

Praktium, Ausbildungsplatz oder Besichtigung

Seit sechs Jahren engagiert sich Körner für junge Leute, die nach der Schulzeit zunächst scheitern. Die bundesweite Initiative zur Berufsqualifizierung eröffnete damals ihren ersten Standort in der Hauptstadt und die Berliner Sparkasse, Körners eigentlicher Arbeitgeber, entschied sich, das renommierte Projekt statt mit Geld durch Manpower zu unterstützen.

Heute teilen sich Körner und sein Sparkassen-Kollege Stephan Pomaska (58) eine volle Stelle bei den Joblingen und halten als „Unternehmenskoordinatoren“ Kontakt zu Firmen, die Praktika, Ausbildungsplätze oder auch mal nur Betriebsbesichtigungen für junge Menschen mit schwierigen Startbedingungen bieten.

Auch für den jungen Pferdefan fand sich schließlich eine Lösung: „Er konnte zunächst ein Praktikum auf einem Brandenburger Hof machen und schloss danach seine Ausbildung zum Pferdewirt auf einem Gestüt in Niedersachen ab“, berichtet Körner. Eine Erfolgsgeschichte für jemanden, der zwischen dem 16. und 24. Lebensjahr keinen Weg gefunden hatte.“

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Stephan Pomaska und Ralf Körner von der Berliner Sparkasse unterstützen als Unternehmenskoordiniatoren die Joblinge. Bild: Daniel Devecioglu

Rekordverdächtige Vermittlungsquoten

Jonas Hettwer (32), seit letztem Jahr Berliner Standortleiter der Joblinge, schätzt die Partnerschaft mit der Berliner Sparkasse außerordentlich. „Für uns ist das eine enorme Hilfe und Bereicherung“, schwärmt der 32-Jährige Sozialpädagoge. „Und damit meine ich nicht nur die Manpower an sich, sondern auch die Expertise und das Wissen, das Herr Körner und Herr Pomaska mitbringen. Die Erfahrungen aus dem Finanzsektor sind Gold wert, zuletzt war die Immobilienkompetenz bei der Suche nach Räumen am neuen Standort in Spandau extrem hilfreich.“

Hier eröffnete Mitte Juli die dritte Filiale der Berliner Joblinge. Im Idealfall können dort und in den bisherigen Filialen in Pankow und Friedrichshain pro Jahr über 200 junge Menschen betreut werden, die, so Standortleiter Hettwer „schon zu lange im Übergang zwischen Schule und Beruf hängen“.

Mit dem praxisnahen Qualifizierungskonzept der Joblinge wollten die Initiatoren von Boston Consulting und der Eberhard-von-Kuenheim-Stiftung vor neun Jahren zunächst die Jugendarbeitslosigkeit beim Niedergang der Glasindustrie im niederbayerischen Zwiesel bekämpfen. Heute gibt es bundesweit 16 eigenständige Standorte, die allesamt rekordverdächtige Vermittlungsquoten von über 70 Prozent aufweisen.

Die vier Säulen des Erfolgs

Jonas Hettwer
Jonas Hettwer, Berliner Stadortleiter der Joblinge. Bild: [[http://christophschieder.de/|Christoph Schieder]]

„In Berlin sind wir sogar bei über 80 Prozent“, berichtet Jonas Hettwer ein bisschen stolz, „rund 300 Jugendlichen gelang hier in den letzten sechs Jahren der Sprung in eine duale betriebliche Ausbildung“. Das nachhaltig bewährte Konzept basiere auf vier Säulen: „Zum einen bündeln wir das Engagement der drei entscheidenden Akteure – öffentliche Hand, Wirtschaft und Zivilgesellschaft“, fasst Hettwer zusammen.

Die zweite Säule sei das pädagogische Konzept: „Wir verzichten explizit auf Frontalunterricht und schulische Formate, weil unsere Jugendlichen in der Regel schulmüde sind. Deshalb gibt es bei uns Praxis ab dem ersten Tag“, so der Standortleiter. Drittens profitierten alle Standorte von der professionellen Steuerung durch die federführende Dachorganisation: Diese bündelt Know-how und Erfahrungen aus allen Regionen und stellt das bundesweite Wissen zur Verfügung. „Vierter Erfolgsfaktor ist die 1:1-Betreuung, da jeder Jugendliche von Anfang an einen ehrenamtlichen Mentor an die Seite gestellt bekommt“, so Hettwer.

Jobling und Mentor werden passgenau gematched

Dieses einzigartige Mentorenprogramm sieht auch Joblinge-Unternehmenskoordinator Stephan Pomaska als einen entscheidenden Punkt: „Jeder Jugendliche erfährt diese persönliche Betreuung durch einen erwachsenen Mentor, der fest im Berufsleben steht und sich regelmäßig mit seinem Schützling trifft“. Damit zwischen ehrenamtlichem Mentor und seinem Schützling auch die Chemie stimmt, werden die Mentoren passgenau durch das hauptamtliche Team gematched.

Ein engagierter Mentor und der umfassende Einsatz von Stephan Pomaska führten auch bei einem besonders aussichtslosen Fall zum Happy End: „Eins meiner eindrücklichsten Erfolgserlebnisse war ein Junge aus dem Drogenmilieu“, berichtet Unternehmenskoordinator Pomaska. „Den habe ich in der IHK-geförderten Einstiegsqualifizierung untergebracht, die die Lücke zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn schließen soll – sogar schon mit Berufsschule. Trotz Vorstrafenregister steht er nun kurz vor dem Abschluss der Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann.“

Als erwachsener Mentor junge Joblinge begleiten

„Unsere Mentoren kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen“, berichtet Jonas Hettwer, Berliner Standortleiter der Joblinge. „Der Mentor, der fest im Berufsleben steht, soll Vorbild sein. Er zeigt dem Jugendlichen, wie es ist, wenn man arbeitet. Viele unserer Jugendlichen hatten dies in der eigenen Familie nicht. Unser professionelles Team kümmert sich um berufliche Qualifizierung und Ausbildungsplatz, der Mentor kümmert sich um persönliche Schwierigkeiten, private Probleme, um Ämtergänge oder eine Bewerbungsgespräch-Simulation.

Sommerfest bei der Berliner Sparkasse

Joblinge Sommerfest
Die Berliner Sparkasse lud zum Austausch zwischen Joblingen, Unterstützern und Mitarbeitern. Bild: Christoph Schieder

Aus der außergewöhnlich guten Zusammenarbeit der Joblinge mit der Berliner Sparkasse entstand in diesem Jahr die Idee, das Sommerfest für Mitarbeiter, Unterstützer und natürlich auch junge Leute im Veranstaltungszentrum der Berliner Sparkasse am Wannsee auszurichten.

Jobling
Jonny Gomes ist seit einem halben Jahr Jobling und beginnt am 1. September seine Ausbildung zur Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Bild: Christoph Schieder

Auch Jonny Gomes ist extra aus Oberschöneweide nach Zehlendorf gekommen. Der 23-jährige mit den wilden Haaren ist einer der Joblinge, um die sich an diesem Abend alles dreht. Für Gomes endet demnächst die Zeit der Berufsqualifizierung erfolgreich. In dem halben Jahr bei den Joblingen lernte er durch viel praxisnahe Tätigkeiten strukturierte Arbeitstage schätzen und entwickelte zusammen mit seinem persönlichen Mentor neue Perspektiven für sein Leben. Am 1. September beginnt nun die Ausbildung zur Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Seine ausreichende körperliche Fitness hat er an diesem Abend schon unter Beweis gestellt: Er ist die rund 30 Kilometer aus Oberschöneweide mit dem Fahrrad angereist.

Joblinge Berlin gibt es in Pankow, Friedrichshain und Spandau
www.joblinge.de

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