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Robert Hofmann
Robert Hofmann in seinem Studio: hier entstehen die Videos für die Internet-Plattform YouTube und mehr als 500.000 Abonnenten. Bild: Jörg Oberwittler
Berliner verstehen sich

„Ich war früher oft der Bösewicht“

Robert Hofmann (30) ist das Gesicht der Kiezvideos der Berliner Sparkasse. Charmant führt er durch die Berliner Kieze. Kaum zu glauben, dass er früher oft der Schurke war: Über mutlose Filme, die übel gelaunte Begleiterin in seinem Leben und eine Stadt, die mit dem Internet viel gemeinsam hat.

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erlin-Friedrichshain im Café Kuchenrausch. „Moment noch“, winkt Robert Hofmann ab. „Ich muss noch schnell ein Bild auf Instagram posten“, sagt er und lädt ein gestochen scharfes Bild von einer seiner drei Katzen auf Instagram hoch. Ein großer Kamera-Hersteller hat ihm diese Kamera gesponsert. „Ich bin wirklich schnell…“ – wir stellen das Aufnahmegerät auf – „Gleich fertig…“, sagt Robert. Jetzt kann es losgehen. Robert ist sofort per Du – und beim „wir“. Hier im Kiez ist er geboren: „Wir haben hier die meisten mit fünf Sterne bewerteten Restaurants in Berlin“, sagt er. Ein „Wir“, das zeigt: Mit dem Kiez ist er eng verbunden.

"Du musst das machen, was du wirklich magst und wofür deine Leidenschaft brennt." Robert Hofmann

Du hast knapp 517.000 Abonnenten mit deinem YouTube-Kanal. Das ist mehr als alle Berliner Tageszeitungen an Auflage haben. Wie wird man so erfolgreich?
Robert Hofmann: Ernsthaft? Das wusste ich gar nicht. Das ist die Frage, ob das erfolgreich ist.

Ach, komm…
Nun ja, es gibt YouTuber, die mehr als eine Million Abonnenten haben. Aber ich bin durchaus stolz auf eine halbe Million Abonnenten, die auf Film spezialisiert sind. Es ist eine Nische, deshalb ist das doch recht beachtlich.

Robert Hofmann
Robert Hofmann in seinem Studio: hier entstehen die Videos für YouTube und mehr als 500.000 Abonnenten. Bild: Jörg Oberwittler

Wie hast du das nun geschafft?
Du musst das machen, was du wirklich magst und wofür deine Leidenschaft brennt. Sonst verbrennst du irgendwann. Und du musst sehr beharrlich sein. Und das meint: wirklich alle Tiefen aushalten. Aber das siehst du bei allen Karrieren von Leuten, die es irgendwann geschafft haben. Die geben einfach nicht auf. Klingt abgedroschen, ist aber so.

Was meinst du mit „beharrlich“?
Ich habe im Februar 2011 auf YouTube angefangen. Ich war vorher Schauspieler und als solcher habe ich mit Film- und Fernsehrollen gut gelebt. Aber das war nicht hundertprozentig erfüllend für mich, ich hatte zudem viel freie Zeit und dann habe ich den YouTube-Kanal angefangen. Damals konnte ich das noch nicht monetarisieren; alle die damals angefangen haben, haben es wirklich aus Spaß und Freude gemacht. Ich mochte Filme und habe begonnen, über DVD und Blu-rays Videos zu machen. Am ersten Tag hatte ich 35 Abonnenten und dann habe ich einfach nicht aufgehört, über Filme zu reden. Bis heute (lacht).

Jetzt sprichst du mehrmals wöchentlich über Kinofilme, hast die eigene Event-Reihe „Social Movie Night“ und viele andere besondere Rubriken. Kannst du mittlerweile von YouTube leben?
Oh ja, ich kann von meiner Arbeit sehr gut leben. 2013 kam der Wendepunkt, da konnte ich alle Rechnungen bezahlen. Mein Verdienst mit den Werbeeinnahmen von YouTube wurde mehr, aber auch was ich mit Kooperationen und Consulting von Studios bei neuen Filmen verdienen konnte.

Du hast der Schauspielerei den Rücken gekehrt, weil es dir dort „zu wenig Mut in der Kunst“ gibt. Inwiefern gehörte auch Mut für dich dazu, das auf YouTube zu wagen?
Nun ja, ich komme aus einem geschiedenen Elternhaus. Als Kind war ich es gewohnt, dass es nie viel Geld gab. Ich war es gewohnt, eine Hose und ein Paar Schuhe zu tragen. Ich habe sehr früh neben der Schule angefangen zu arbeiten, in einem Umzugsunternehmen, und habe mir davon meinen ersten Fernseher gekauft. In meiner Arbeit als Schauspieler habe ich sehr schnell bemerkt, dass ich immer in bestimmte Rollen reingepresst wurde. Ich war oft der Bösewicht. Der dicke Typ mit Locken ist generell der Böse. Das wollte ich nicht mein Leben lang machen.

Robert Hofmann
Bild: Jörg Oberwittler

Auch den großen Filmstudios wird Mutlosigkeit vorgeworfen, weil viele Fortsetzungen und Superhelden-Movies ins Kino kommen. Die Mutlosigkeit scheint dich einzuholen…
Es sind in der Tat immer mehr Franchises, immer mehr Fortsetzungen, weil diese großen Studios eine gewisse Planbarkeit brauchen und immens unter Profit-Druck stehen. Aber: Blockbuster, die über 100 Millionen kosten, machen vielleicht 20 Filme pro Jahr aus. Ich gucke allerdings 300 Filme im Jahr. Also mindestens 200 Low-Budget-Movies, die pure Kunst und besonders sind. Diese Mutlosigkeit sehe ich also nicht. Die sehe ich eher bei deutschen TV-und einigen deutschen Film-Formaten.

Der Deutsche Kinofilm wird doch im Ausland wahrgenommen; zuletzt gewann Fatih Akins „Aus dem Nichts“ den Golden Globe. So mutlos scheint der Deutsche Film also nicht zu sein…
Es gab immer diese mutigen Fatih-Akin-Filme, aber viele Deutsche haben einige mutige deutsche Filme gar nicht gesehen. Wie viele haben denn „Aus dem Nichts“, „Simpel“ oder „Victoria“ gesehen?

"Berlin hat eine ganz eigene DNA: ist oft schlecht gelaunt, dreckig – und macht großen Spaß." Robert Hofmann

Victoria ist eine gute Überleitung zu Berlin: Du bist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nie mal Lust gehabt, woanders hinzugehen?
Nein, nicht in Deutschland. Berlin hat eine ganz eigene DNA: ist oft schlecht gelaunt, dreckig – und macht großen Spaß. Wenn man hier geboren ist, hat man ein großes Maul. Das liebe ich persönlich sehr. Ich bin in Friedrichshain geboren, bin mit meiner Mutter sechs Jahre nach Köpenick rausgezogen und hatte dort viel Natur. Mit 18 bin ich nach Friedrichshain zurückgezogen und hier geblieben. Ich liebe Berlin, ich liebe den Flair. Egal wo ich in Deutschland hinkomme: Überall sind sie netter, aber sie sind nicht so cool.

Dann dürften dir ja die Kiezvideos der Berliner Sparkasse großen Spaß machen.
Na klar, ich moderiere sie ja (lacht). Ich finde die Idee schön, einzufangen, wie Menschen ihre Kieze beleben. Vor allem die sozialen Projekte, die wir anschauen, sind berührend. Meine Lieblingseinrichtung war der Sport-Verein für Menschen mit Rollstuhl in Prenzlauer Berg. Ich entdecke viele Ecken von Berlin, die ich vorher noch nicht kannte.

Die Berliner Sparkasse engagiert sich auch sehr für das Kiezleben. Wie wichtig ist dir selber das Zusammenleben in deinem Kiez?
Friedrichshain wird immer in meinen Adern pumpen. Und für jeden Friedrichshainer gilt, als wir mit Kreuzberg zusammengelegt wurden, dass wir niemals diesen Bezirk mit Doppelnamen sagen. Es gibt Kreuzberg und es gibt Friedrichshain. Früher haben sich Leute auf der Brücke mit faulem Essen beworfen. Da wurde immer mit viel Spaß bestimmt, wer die Vorherrschaft im nächsten Jahr hat.

Wie verstehen sich denn die Berliner im Jahr 2018, wo die Mauer genauso lange nicht mehr existiert wie sie einst stand?
Ich finde, dass sich Berliner gut verstehen. Vor allem junge. Dieses ganze Ost-West-Gerede kommt eher von Leuten, die über Vierzig sind. Ich bin 30 und niemand in meinem Alter redet über Ost und West. Dafür bin ich sehr dankbar – und dafür, dass die jungen Berliner sehr weltoffen sind.

Das Internet hat mit Berlin viel gemeinsam: Es steht ebenfalls für Freiheit und Weltoffenheit. Und doch kommt es auch da wieder zu einer Monopolisierung. YouTube gehört Google, dann gibt es Facebook, Apple, Microsoft und Amazon. Wie blickst du da als YouTuber in die Zukunft?
Auf der einen Seite gebe ich dir recht: Dieses Konglomerat bedeutet, dass nur ein paar große Firmen überleben. Auf der anderen Seite bin ich seit sieben Jahren dabei und habe zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Art und Weise in meiner kreativen Arbeit eine Einschränkung erfahren. Bei welchem Arbeitgeber hätte ich sonst diese Freiheiten gehabt? Ich sehe nicht düster in die Zukunft; ich freue mich auf den technologischen Fortschritt. Wenn man seinen gesunden Menschenverstand behält, braucht man sich nicht zu fürchten. Ich freue mich, auf das, was da kommt.

Robert Hofmanns YouTube-Kanal:

Formate: video/youtube

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