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Naturkundemuseum Interview Johannes Vogel Stephan Junker
Bild: Dawin Meckel / Ostkreuz
Berliner verstehen sich

„730.000 Besucher können nicht irren“

Der Generaldirektor und der Geschäftsführer des Museums für Naturkunde im Interview: Über eine starke Partnerschaft mit der Berliner Sparkasse, warum die Besucherzahlen ständig steigen – und sich zwei Dinosaurier immer wieder neu erfinden müssen. Johannes Vogel und Stephan Junker im Gespräch.

Wenn Sie nur drei Sätze hätten: Was sind die größten Highlights des Naturkundemuseums?
Johannes Vogel: Das Museum für Naturkunde bietet für jeden ganz viel. Man kann sich das in Bezug auf seine Interessen abholen: Die einmaligen Dinosaurier verführen natürlich zum Besuch – aber wir sehen, dass immer mehr Besucher das gesamte Museum für sich entdecken und sich über die Themen Biodiversität, Evolution und Rolle des Menschen auf der Erde informieren.
Stephan Junker: Wenn ich das ergänzen darf: Wir verstehen uns als ein integriertes Forschungsmuseum. Das bedeutet, dass wir eine große Sammlung mit 30 Millionen Objekten als Forschungsinfrastruktur unterhalten, wir erforschen diese große Sammlung und betreiben Wissenstransfer mit unseren Ausstellungen.
Johannes Vogel: Zu diesem Zeitpunkt kann man 10.000 der 30 Millionen Objekte im Museum sehen und auch mit Hilfe der Berliner Sparkasse werden es bald mehr sein.

Besucher Naturkundemuseum Berlin
Bild: Dawin Meckel / OSTKREUZ

Welches sind denn Ihre persönlichen Highlights?
Stephan Junker: Die Zusammenarbeit mit den Beschäftigten.
Johannes Vogel: Witzig, das würde ich auch sagen.
Stephan Junker: Aber wenn Sie jetzt was Konkretes haben wollen, dann ist es die Biodiversitätswand. Weil sich auf dieser wie in einer Nussschale die Diversität aufzeigen lässt.
Johannes Vogel: Die Wand hat überdies eine Glasscheibe, und dadurch wird auch der Betrachter Teil dieser Wand. Denn auch wir Menschen sind Teil der Natur.

Formate: video/youtube
„In unseren Sammlungen sind Antworten auf Fragen, die wir noch gar nicht gestellt haben.“ Johannes Vogel

Wir sind in einer digitalen Ära. Warum braucht es da noch ein real existierendes Museum?
Johannes Vogel: Das Museum ist und wird künftig noch stärker ein Gewinner der Digitalisierung sein. Unsere Aufgabe ist es, die Sammlung als wissenschaftliche Infrastruktur zu entwickeln und damit für alle und jeden zugänglich zu machen. In unseren Sammlungen sind Antworten auf Fragen, die wir noch gar nicht gestellt haben.

Stephan Junker: Unsere Ausstellungen leben davon, dass sie Original-Objekte zeigen – und diese Attraktion ist digital nicht herstellbar. Wir können damit die Natur zeigen, wie sie vor Millionen von Jahren war, wie sie ist – und an welchen Stellen, sie verloren zu gehen droht.

„Wir sind für Berlin wichtig; als international vernetzte Wissenschafts-Organisation, als Publikumsmagnet – und als Touristenfaktor.“ Johannes Vogel

Johannes Vogel: In den Ferien war unser Museum wieder voll mit jungen Menschen: Pärchen, Gruppen, Familien. Das zeigt uns, wie relevant das Erleben und Verstehen von Natur für junge Menschen zwischen 18 und 40 ist. Das deckt sich gewiss auch mit der Berliner Sparkasse. Das sind doch die Zielgruppen, um die alle buhlen. Und deshalb passt auch gut die Partnerschaft mit der Berliner Sparkasse, weil wir so gemeinsam entdecken können, welche Bedürfnisse junge Menschen haben.

Besucher, Naturkundemuseum Berlin
Bild: Thomas Rosenthal

Stephan Junker: Ich formuliere es mal etwas provokanter: 730.000 Besucher können nicht irren. So viele haben vergangenes Jahr unsere Objekte und Geschichten angesehen. Die Besucher kommen zum größten Teil aus Berlin; ein Drittel kommt aus Deutschland und 40 Prozent kommen aus dem Ausland. Das heißt: Wir sind auch für das internationale Publikum ein wichtiger Standort.
Johannes Vogel: Wir sind für Berlin wichtig; als international vernetzte Wissenschafts-Organisation, als Publikumsmagnet – und als Tourismusfaktor.

Unsere Gesprächspartner:

  • Stephan Junker ist Rechtsanwalt und ein erfahrener Wissenschaftsmanager und leitet gemeinsam mit Johannes Vogel das Museum. Seit September 2011 ist er Geschäftsführer am Museum für Naturkunde. Davor hat er beim Forschungsverbund Berlin e.V. als Stellvertretender Geschäftsführer gearbeitet, nachdem er dort die Bereiche Drittmittel und Personal über mehrere Jahre geleitet hat.
  • Johannes Vogel, studierter Botaniker, Professor Ph.D.: Seit Februar 2012 ist Vogel Generaldirektor des Museums für Naturkunde in Berlin. Zusätzlich hat er eine Professur für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin inne.Vogel studierte an der Universität Bielefeld Biologie und Jura. Nach der Promotion (1992–1995, Universität Cambridge in Genetik) arbeitete er ab 1995 am Natural History Museum in London, wo er von 2004 bis 2012 Chefkurator der botanischen Abteilung war. Seine Frau Sarah Darwin ist eine Ur-Ur-Enkelin von Charles Darwin. Gemeinsam haben sie zwei Söhne.

Wie sieht das Museum der Zukunft aus?
Stephan Junker: Das kann man mit dem Begriff des offenen Museums bezeichnen. Das heißt: wir wollen uns als Ort des Dialoges MIT der Gesellschaft verstehen. Wir wollen hier einen Ort für den gesellschaftlichen Diskurs schaffen, zum Thema Erhalt der biologischen Vielfalt.
Johannes Vogel: Wissenschaft findet hinter verschlossenen Türen statt – wir werden den Prozess von Wissenschaft hingegen transparent und partizipativ machen. Ich glaube, dass unsere Besucherzahlen ständig steigen, weil wir bessere und relevantere Geschichten erzählen und weil wir als Organisation um Lösungen ringen – und dies auf die Besucher übertragen. Die Besucher kommen zu uns hin, nicht um belehrt zu werden, sondern um Teil der Diskussion zu werden. Und hierfür brauchen wir auch starke Partner wie die Berliner Sparkasse, um uns bei diesen Experimenten zu unterstützen und gemeinsam zu lernen, was wir besser machen können.

Tristan Schädel, Naturkundemuseum Berlin
Bild: Carola Radke, MfN 2015

Was erhoffen Sie sich von der Kooperation mit der Berliner Sparkasse?
Stephan Junker: Wir vereinen uns wirklich im Slogan „Gut für Berlin“.
Johannes Vogel: Wenn man Sammlungen für eine gesellschaftliche, wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Standortes nutzen möchte, dann ist natürlich die Sparkasse eine der besten Organisationen.
Stephan Junker: Wir haben ja schon bereits konkrete Kooperationen gemacht: Das Kinderfest im Oktober hat uns überwältigt. 12.491 Besucher an einem einzigen Tag!

Welche konkreten Werte verbinden denn das Museum und die Berliner Sparkasse?
Stephan Junker: Wir und die Sparkasse stehen in unseren Sektoren jeweils für die Verantwortung für die Gesellschaft. Wir müssen uns darum kümmern, nachhaltig zu werden und zu bleiben. Und wir alle sind daran interessiert, Leute teilhaben zu lassen. Die Berliner Sparkasse kommt aus der Tradition der Armenkasse. Unser Auftrag ist auch einer aus der Aufklärung – nämlich Menschen aufzuklären und für Natur zu interessieren.
Johannes Vogel: Das andere ist: In Deutschland gibt es mehr als 6.600 Museen, von denen mehr als 80 Prozent nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurden. Wir sind aber als Museum über 200 Jahre alt. Genauso wie die Berliner Sparkasse. Wir haben es bisher geschafft, uns immer wieder neu zu erfinden – in Bezug auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Das verbindet beide Häuser.

„Sie bekommen ein Gefühl für die Zeit und die Natur, wenn Sie sich den Brachiosaurus bei uns in der Eingangshalle angucken. Das macht demütig.“ Stephan Junker

Ist ein Museum nicht vielmehr zeitlos?
Johannes Vogel: Zeit ist für uns unglaublich relevant, weil wir die viel zu wenig haben in Bezug auf die gewaltige Aufgabe, die sich uns stellt: die Welt für den Menschen zu retten.

Brachiosaurus, Naturkundemuseum Berlin
Bild: Antje Dittmann / MfN

Stephan Junker: Sie bekommen ein Gefühl für die Zeit und die Natur, wenn Sie sich den Brachiosaurus bei uns in der Eingangshalle angucken. Das macht demütig. Dann begreifen wir erst, was für ein kleiner Teil der Erd- und Menschheitsgeschichte wir sind.
Johannes Vogel: Der Brachiosaurus ist wahrscheinlich das größte Tier, das jemals über die Erde gelaufen ist. Wahrscheinlich ist es durch Umweltveränderungen von heute auf morgen aus der Zeit gefallen, weil nicht adaptiv wie das Museum und die Berliner Sparkasse.

Lesen Sie zur Kooperation der Berliner Sparkasse mit dem Museum für Naturkunde Berlin auch unseren Beitrag: Geburtstagsgeschenk an Berlin.

www.museumfuernaturkunde.berlin

Berliner verstehen sich: Unsere Gesprächsreihe für ein verantwortungsvolles Miteinander

Seit 200 Jahren ist die Berliner Sparkasse ein fester Bestandteil unserer Stadt. Mit einer Fördersumme von mehr als 4 Millionen Euro jährlich engagiert sie sich in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Dabei vertraut sie auf die Zusammenarbeit mit starken Partnern. Denn „Berliner verstehen sich“.

Lesen Sie hier weitere Teile unserer Gesprächsreihe:

  • Anne-Kathrin Ostrop, Musikpädagogin der Komischen Oper, über Oper für alle
  • Daniel Fürstenau, Direktor für Digitale Transformation an der FU Berlin, über die Bedeutung der Digitalisierung in der Stadt
  • Uwe Reuter, Professor an der Charité, über seltene Erkrankungen und die Hilfe für Betroffene

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