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Bild: Manu Wolf FOTOGRAFIE ART DIRECTION
Objektvermittlung

„Berlin ist ein unglaublich spannender Markt“

Die Berliner Sparkasse unterhält eine eigene Immobiliengesellschaft: Über die Hintergründe, Vorteile für Kunden und die Zukunft des Berliner Immobilienmarktes spricht der Geschäftsführer Jens Haupt im Interview mit Berliner Akzente.

Die Berliner Sparkasse kooperierte bei der Immobilienvermittlung viele Jahre mit der LBS-Immobilien GmbH Nordwest (LBSi). Mit der BSK Immobiliengesellschaft geht sie eigene Wege. Hat sich dieser Schritt bewährt?
Jens Haupt : Der Berliner Immobilienmarkt ist ein hoch agiler Markt. Wir haben rund 30.000 Immobilien-Transaktionen im Jahr. Inzwischen haben wir ein Niveau erreicht, auf dem sich weiter aufbauen lässt, das aber für eine Stadt wie Berlin noch deutlich ausbaufähig ist. Dabei setzen wir auf die Expertise der Berliner Sparkasse. Denn schließlich verfügt sie über das dichteste Standortnetz aller Berliner Kreditinstitute. Der Erfolg gibt uns recht. Nach nur einem Jahr haben wir unsere Mitarbeiter von 14 auf 19 aufgestockt und unseren Sitz an den Standort der Berliner Sparkasse in die Fasanenstraße verlegt. Hier hat die Berliner Sparkasse bereits verschiedene Kompetenzen gebündelt: Mit dem Firmenkundenbereich, einem ImmobilienCenter, dem Private Banking und nun eben auch mit der BSK Immobilien GmbH ist dieser Standort ein wichtiger Kontaktpunkt, nicht zuletzt für große regionale Bauträger und Projektentwickler. Mit einigen, wie z.B. der BUWOG, der ZBI, der i-live, T&C oder Diamona und Harnisch haben wir bereits Kooperationsverträge abgeschlossen. Auch mit der LBS-i arbeiten wir weiter eng zusammen und nutzen das Know-how u.a. im rechtlichen Bereich.

Die BSK Immobiliengesellschaft will “Spürbar anders” sein. Aber welche konkreten Vorteile hat eine eigene Immobiliengesellschaft der Berliner Sparkasse für die Kunden?
Vor allem wird der Service weiter ausgebaut. Unsere Immobilienbetreuer sitzen direkt in den großen BeratungsCentern der Berliner Sparkasse vor Ort. Das bedeutet für Kunden kürzere Wege – und doppeltes Know-how. Wenn in Beratungsgesprächen die Immobilie thematisiert wird, kann der Immobilienbetreuer im Idealfall direkt hinzugeholt werden. Zudem kennen unsere Immobilienbetreuer den Markt, weil sie in der Region bestens vernetzt sind und permanent nach attraktiven Objekten Ausschau halten. Das ist ein deutlicher Mehrwert für unsere Kunden und Betreuer in den Centern. Aber wir gehen noch einen Schritt weiter. Durch die Verknüpfung der Kompetenzen bei der gewerblichen Immobilienfinanzierung, der Immobilienvermittlung und der Finanzierung für den Endkunden bildet die Berliner Sparkasse die gesamte Prozesskette ab. Das unterstreicht nicht nur ihre Rolle als Hauptstadtfinanzierer, es schafft auch Beratungskompetenzen, die sowohl dem Firmen- als auch dem Privatkunden gleichermaßen zugute kommen.

Für den Kunden bedeutet es kürzere Wege – und doppeltes Know-how. Jens Haupt

Für die Kunden gibt es neben den Filialen der Berliner Sparkasse und den ImmobilienCentern jetzt auch noch die Immobiliengesellschaft. Klingt ganz schön verwirrend.
Eigentlich ist es ganz einfach: Hat der Kunde seine Immobilie bereits gefunden und möchte ein Finanzierungs­angebot der Berliner Sparkasse nutzen, findet er weiterhin in den ImmobilienCentern die richtigen Ansprechpartner. Wer aber die passende Immobilie noch sucht, kann sich gern direkt an uns wenden, bzw. an seinen Kundenbetreuer der Berliner Sparkasse, der dann den Kontakt zu uns herstellt. Das Gleiche gilt auch für Eigentümer, die ihr Haus oder ihre Wohnung verkaufen möchten und gegebenenfalls gleich wieder in ein neues Objekt investieren möchten. Hier zeigt sich die Vermittlerkompetenz unserer neuen Gesellschaft im Besonderen. Unsere Immobilienbetreuer schauen sich die Immobilie an, bewerten diese und vermarkten sie über unsere Online-Plattformen wie zum Beispiel die Homepage der Berliner Sparkasse, unsere eigene Domain www.bsk-immobilien.de oder unser Immobilienportal www.s-immobilien.de. Zusätzlich stellen wir Immobilien-Exposés in allen Filialen der Berliner Sparkasse im gesamten Stadtgebiet aus. Das bedeutet für alle Immobilienangebote eine dauerhafte Präsenz an über 125 Standorten mit insgesamt rund 1.900 Vertriebsmitarbeitern. Durch die Vielfalt erzeugen wir ein noch breiteres Angebot für potenzielle Käufer, was wiederum den Verkauf beschleunigt.

Wir sind von einer Eigentumsquote wie in anderen Großstädten nach wie vor weit entfernt. Jens Haupt

Die Eigentumsquote in Berlin liegt bei nur 15 Prozent – in Baden-Württemberg hingegen bei über 50 Prozent. Woran liegt das?
Mittlerweile sind wir immerhin schon bei 16 bis 17 Prozent. Ein echter Fortschritt, die Berliner haben hier durchaus eine vernünftige Entwicklung vollzogen. Dennoch sind wir von einer Eigentumsquote wie in anderen deutschen Großstädten weit entfernt. Das liegt u.a. an der starken Stellung der Wohnungsbaugesellschaften sowie Haus- und Wohnungsverwaltungen in der Stadt. Diese haben zusätzlich rund 6 Prozent der Wohnungen im Bestand.

Manche Berliner sagen bereits, sie wollen nicht mehr kaufen, weil die Kaufpreise für Immobilien inzwischen zu hoch seien. Zu recht?
Die Sorge ist aus meiner Sicht unbegründet. Die Preise sind in den letzten Jahren zwar deutlich gestiegen. Wenn wir uns jedoch andere deutsche Großstädte wie München, Hamburg oder Düsseldorf oder gar andere europäische Metropolen wie Rom oder Paris anschauen, sind dort die Kaufpreise für Immobilien in vergleichbaren Lagen weiterhin deutlich höher als in Berlin. Und vergessen Sie nicht: Im Vergleich zu alternativen Geldanlagen, wie etwa festverzinsliche Wertpapiere oder Tagesgeld, bieten Immobilien derzeit unterm Strich die deutlich bessere Rendite. Die eigene Immobilie ist außerdem eine optimale Basis für die eigene Altersvorsorge, was aktuell für vier von fünf Berlinern die entscheidende Motivation für den Erwerb ausmacht. Ich selbst bin ebenfalls fest davon überzeugt, dass die Immobilie die perfekte Altersvorsorge ist. Wenn der Ruhestand frei von Mietbelastungen ist, bleibt auch der Kopf frei und auch mehr Geld für die vielen Möglichkeiten, die Berlin und das Umland bieten.

Eine Immobilie muss wohl durchdacht sein: Herz, Geldbeutel, Lage und die familiäre Entwicklung müssen zusammenpassen. Jens Haupt

Im Ruhestand werden aber auch viele jetzt neu gebaute oder sanierte Immobilien das Rentenalter erreicht haben. Dann geht es doch wieder mit Modernisierungskosten los.
Bei dem derzeit attraktiven Zinsniveau für Immobilienfinanzierungen kann bereits während der Tilgungsphase Geld zurückgelegt werden, das später für Modernisierungen zur Verfügung steht. So wird der große Investitionsrückstau im Rentenalter vermieden. Hierbei hilft zum Beispiel ein Bausparvertrag. Deshalb ist es auch wichtig, dass Kunden im Beratungsgespräch ganz offen ihre Karten auf den Tisch legen und ihre Wünsche gleich zu Beginn der Planung offen aussprechen. Eine langfristige und so große Investition wie die eigene Immobilie muss wohl durchdacht sein. Herz, Geldbeutel, Lage und die familiäre Entwicklung sollten so zusammengehen, dass die Entscheidung nicht nur für zwei, drei Jahre, sondern fürs ganze Leben passt.

Im Vergleich mit München oder Paris mag Berlin ja noch günstig sein. Viele Neuberliner kommen allerdings aus kleineren Städten und sind dort deutlich niedrigere Preise für die eigenen vier Wände gewohnt. Wo man für 300.000 Euro ein ganzes Haus bekommt, reicht es in Berlin mancherorts gerade mal für eine Drei-Zimmer-Wohnung.
Keine Frage, man muss in Berlin suchen – und sicher auch etwas Geduld mitbringen. Aber dafür sind wir als Immobiliengesellschaft ja da. Die Verkaufspreise variieren in Berlin sehr stark, sie fangen bei ca. 2.100 Euro für den Quadratmeter in Marzahn-Hellersdorf an und enden deutlich über 6.000 Euro in ausgewählten Spitzenlagen. Ich bin mir sicher, dass nach wie vor für jeden Interessenten das richtige Objekt zu finden ist.

Welcher Stadtteil ist für Sie derzeit ein Geheimtipp?
Wenn man sich die Historie von Berlin anschaut, entwickeln sich die Stadtteile sukzessive nacheinander, immer und immer wieder. Die Investoren ziehen heute von Friedrichshain nach Lichtenberg und entwickeln dort interessante Ecken, genauso wie in Pankow und Prenzlauer Berg. Aber wenn sie dort den Eindruck haben, der Höhepunkt ist erreicht, gehen sie in den nächsten Stadtteil. In Berlin ist unglaublich viel Liquidität und es gibt immer noch die ein oder andere Lücke, um hochinteressante Projekte zu verwirklichen.

Wie interessant ist der Wedding?
Wedding und Neukölln ziehen in der Tat an. Beide Stadtteile sind bunt, lebendig, kleinteilig strukturiert und daher sowohl bei Investoren, als auch bei jungen Familien beliebt. Insbesondere die typische Berliner Mischung macht beide Stadtteile sehr interessant.

Und die City West?
Wir haben im West-Teil der Stadt eine relativ hohe Umschlagshäufigkeit von Immobilien. Es gibt viele Kapitalanleger, die 12 bis 14 Jahre ihre Immobilie gehalten und eine sehr gute Rendite erzielt haben. Diese Immobilien kommen wieder auf den Markt. Es kommt aber aus meiner Sicht nicht darauf an, ob ein Stadtteil gerade „in“ ist, sondern auf die persönlichen Ziele und Wünsche. In welchem Stadtteil fühle ich mich wohl und welche Ecke inspiriert mich? Das ist die viel wichtigere Frage.

Eine bezahlbare Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnung in Berlin zu finden – das wird gerade für Familien leider immer mehr zum Luxus. Investiert der Berliner Senat aus Ihrer Sicht genug in Neubauprojekte?
Sicherlich ist bezahlbarer Wohnraum ein Problem in Berlin. Jedes Jahr wächst die Stadt netto um ca. 25.000 Menschen, in Berlin sind derzeit aber nur ca. 10.000 Wohnungen in Planung oder Umsetzung. Wenn man überlegt, dass in jeder Wohneinheit durchschnittlich zwei Menschen wohnen, wird somit Platz für 20.000 Menschen geschaffen. Das ist nicht einmal die Hälfte des realen Bedarfs. Hier müssen sowohl in der Politik als auch auf Investorenseite alle Beteiligten umdenken. Vor allem müssen dringend weitere bebauungsfähige Flächen freigegeben werden.

Die BSK Immobilien GmbH ist ein eigenständiges Unternehmen und eine hundertprozentige Tochter der Berliner Sparkasse. Sie ist zum 2. Januar 2016 an den Start gegangen.

www.bsk-immobilien.de

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