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Titel Handykosten
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Ratgeber

Handykosten senken: Wenn das Smartphone zur Kostenfalle wird

Alltag ohne Handy? Kaum noch vorstellbar. Aus dem mobilen Telefon von einst ist ein digitaler Alleskönner geworden – zum Navigieren, Filme gucken, Chatten und Shoppen. Doch intensive Online-Nutzung hat ihren Preis. Und wer nicht auf die richtigen Einstellungen am Gerät achtet, kann schnell in Kostenfallen tappen.

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er Handytarif beim Discounter war unschlagbar. Unter zehn Euro im Monat, Flatrate fürs Telefonieren, dazu das Datenpaket fürs Surfen im Internet. Doch schon nach zwölf Tagen ist es vorbei mit dem Spaß im Netz: Das kreisrunde Symbol auf dem Smartphone dreht und dreht sich, erst nach Minuten baut sich die angesteuerte Seite auf. Das Bild vom netten Abend mit Freunden lässt sich auch nicht mehr mal eben hochladen. „Sie surfen ab jetzt mit verringerter Geschwindigkeit“ – die Ankündigung auf dem Handy klingt wie eine Drohung, ab sofort abgeschnitten zu sein von der Welt. Da hilft nur, Datenvolumen dazu zu buchen. Das böse Erwachen folgt, wenn dann die Rechnung ins Haus flattert. Ein etwas teurerer Vertrag wäre vielleicht doch die günstigere Lösung gewesen.

Langsames Handy-netz
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Handypreise vergleichen

Pauschal lässt sich nicht sagen, dass Verträge bei den drei großen Netzanbietern viel teurer sind als beim Discounter. „Das kann man nur mit Blick auf die konkret angebotenen Leistungen beurteilen“, sagt Oliver Müller, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zuständig für den Bereich Verbraucherrecht. „Preisunterschiede können sich insbesondere aus dem Leistungsumfang wie etwa dem verwendeten Netz, den bereitgestellten Übertragungsgeschwindigkeiten oder dem enthaltenen Datenvolumen ergeben“, erklärt Müller.
Einen ersten Überblick über aktuelle Handy-Tarife bieten Vergleichsportale im Netz. Aber: Den Ergebnissen sollte man nicht blind vertrauen. „Diese Portale finanzieren sich oft über Provisionen von Anbietern und über Werbung, so dass nicht immer klar ist, wie unabhängig die Bewertungen erfolgen“, sagt Müller. Auch sei nicht immer erkennbar, ob tatsächlich alle Angebote auf dem Markt berücksichtigt würden.

So nutzen Sie Vergleichsportale richtig

Der Jurist empfiehlt, mehrere Vergleichsportale nebeneinander zu nutzen – und die Preise und Konditionen vor Abschluss des neuen Vertrags unbedingt mit den Angaben des Anbieters auf dessen Internetseite abzugleichen. Denn, die Vergleichsportale übernehmen in der Regel keine Gewähr für die Richtigkeit der angezeigten Daten. Vorsicht sei zudem geboten, wenn es nur dann eine Auskunft des Portals gibt, sofern der Kunde vorher persönliche Daten wie Adresse, E-Mail-Kontakt oder Auskünfte zur Lebenssituation herausrückt.

Im Zweifel hilft nur: Handyvertrag kündigen

Entpuppt sich der abgeschlossene Handy-Vertrag als keine gute Lösung, hilft nur, ihn zu kündigen oder einen anderen Tarif zu wählen. Die Kündigungsfrist findet sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters (AGB) sowie auf dem Produktinformationsblatt zum Vertrag. „Außerdem müssen Anbieter Hinweise zur Kündigung auf der Telefonrechnung angeben“, informiert Rechtsanwalt Müller. Grundsätzlich darf die in den AGB vereinbarte Frist jedoch maximal drei Monate betragen. „Ob sich Verträge bei Tarifänderungen automatisch verlängern, kommt im Einzelfall darauf an, was bei der Tarifänderung vereinbart wird und ob hierzu etwas in den AGB des Anbieters geregelt ist. Das kann von Tarif zu Tarif und Anbieter zu Anbieter unterschiedlich sein“, weiß Müller.

Laufzeitlängen beachten und so Handykosten senken

Viele Mobilfunkanbieter bieten mittlerweile Flatrates und Datenvolumen als Paket mit kurzer Laufzeit an. Das sei grundsätzlich positiv, bewertet die Verbraucherzentrale. Man bleibt als Kunde flexibel, kann schnell in einen anderen Tarif oder zu einem anderen Anbieter wechseln. Auch hier gilt genau hinzuschauen: Viele Anbieter haben die Laufzeit von einem Monat auf vier Wochen umgestellt. Kunden bezahlen dadurch 13 Pakete im Jahr statt vorher zwölf, denn das Jahr hat ja 52 Wochen. Allerdings gibt es auch dreizehnmal im Jahr neues Datenvolumen.

Handy und Vertrag getrennt kaufen und sparen

Flexibel bleibt auch, wer sein Handy unabhängig vom Vertrag kauft. „So ist man nicht von der Preisgestaltung des Mobilfunkanbieters abhängig, hat eine größere Auswahl zwischen den Händlern und kann gegebenenfalls kurzfristige Angebote anderer Händler wahrnehmen“, schätzt Oliver Müller ein. Bei Kombinationsangeboten sei es angesichts der Vielfalt von Geräten und Tarifen schwierig einzuschätzen, welcher Preis am Ende der Vertragslaufzeit tatsächlich für das Handy bezahlt wurde. „Oftmals kann es günstiger sein, Vertrag und Handy getrennt voneinander anzuschaffen“, meint der Experte.

Frau Handy Flughafen
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Handykosten im Urlaub: Vorher informieren und sparen

Richtig ins Geld gehen kann das Telefonieren oder Surfen im Netz auf Reisen außerhalb der Europäischen Union. „Informieren Sie sich vorher unbedingt bei Ihrem Mobilfunkunternehmen, welche Kosten für internationales Roaming bei Ihrem Tarif anfallen und welche Optionen angeboten werden“, mahnt Müller. Wer viel im Netz unterwegs ist, für den können sich Tages- oder Wochenflats lohnen. Vor Reiseantritt sollten Urlauber ihren Anbieter unbedingt nach den Tarifen im Urlaubsland fragen. „Die Preise der verschiedenen Netze sind manchmal sehr unterschiedlich.“ Über den Menüpunkt „Manuelle Netzwahl” auf dem Handy kann man dann am Urlaubsort das preisgünstigste Netz auswählen.

Sie wollen im Urlaub noch mehr Geld sparen? Lese Sie unseren Beitrag „9 Tipps für Geld im Urlaub, Schnäppchenreise und Sicherheit“ >>

Mobile Daten im Ausland im Blick behalten

Der Expertentipp: Um Schockrechnungen zu vermeiden, sollte man die Datenfunktion „Roaming/Mobile Daten“ nur bei Bedarf einschalten. Da viele Apps – Wetterdienste oder Updates – unter Umständen ständig unbemerkt im Hintergrund laufen, sollten diese automatischen Dienste deaktiviert werden. So lassen sich Datenvolumen- und Akkuverbrauch sparen. „Wer Datendienste nutzen möchte, kann sich stattdessen in öffentliche WLAN-Netze einwählen“, rät die Verbraucherzentrale. Aber: Bei fremden WLANs keine sensiblen Daten – zum Beispiel Onlinebanking – nutzen!

Handykosten auf Kreuzfahrten im Blick behalten

Eine große Kostenfalle bei Aufenthalten außerhalb der EU ist die Mailbox. Wer von zuhause aus seine Mailbox nicht deaktiviert, dem drohen hohe Kosten, während er ahnungslos am Strand liegt. Kräftig zur Kasse gebeten wird unter Umständen auch, wer sein Handy auf einer Kreuzfahrt auf hoher See oder während eines Flugzeug-Trips nutzt. „Die Kosten fürs Simsen, Telefonieren und Surfen können schnell explodieren, wenn sich das Handy über einen Satelliten in das Mobilfunknetz einwählt, da hier gesonderte und meist sehr teure Tarife gelten“, erklärt Oliver Müller.

Handy Frau Kreuzfahrt
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Deshalb sollte man sich beim Reiseanbieter oder der Reederei erkundigen, welcher Satellitennetzbetreiber das Schiff versorgt. „Außerdem ist es ratsam, sich die detaillierten Preise für Satellitenverbindungen des eigenen Mobilfunkanbieters zu notieren“, rät der Jurist. Viele Reedereien und Airlines bieten als Alternative WLAN zu Paketpreisen an. „Aber achten Sie darauf, die Mobilfunkdaten über die Einstellungen Ihres Geräts abzuschalten. Denn bei schwachem WLAN kann Ihr Smartphone oder Tablet sonst automatisch ins sehr teure Satellitennetz wechseln.“

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