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Titel Gruenderpreis
Preisträger 2017: Das Team von Augletics, das ein smartes Ruderergometer entwickelt hat. Bild: Christoph Schieder
Gründerpreis

Erst gewonnen, dann gewachsen

Der Gründerpreis der Berliner Sparkasse wurde zum fünften Mal an eine erfolgreiche Ausgründung aus der Freien Universität verliehen. Doch was wurde eigentlich aus den innovativen Preisträgern der letzten Jahre? Wir haben uns erkundigt, wie der Wechsel von der Uni auf den Chefsessel geglückt ist.

Den Schlips hatte Michael Jänichen gleich abgebunden, als er an dem Sommerabend zum Veranstaltungszentrum der Berliner Sparkasse aufbrach. „Immer wenn Sie einen Banker ohne Krawatte sehen, heißt das: Heute geht es um Start-ups“, kommentierte der Bereichsleiter Firmenkunden bei der Berliner Sparkasse seinen offenen Kragen selbstironisch. Doch das Outfit passte nicht nur zum Anlass, der Verleihung des Gründerpreises 2017 der Berliner Sparkasse.

Es passte auch zu der sportlichen Geschäftsidee der Augletics GmbH, die diesmal das Rennen machte: Die Gründer Benjamin Bach, Hagen Rothe, Flavio Holstein und Hannes Jeltsch sind mit dem von ihnen entwickelten Ruderergometer zum Erfolg gerudert. Mithilfe von Sensoren und Software kann das innovative Trainingsgerät die Bewegungstechnik von Ruderern und Fitnesssportlern analysieren – und ihnen auch gleich ein Feedback geben.

Zum fünften Mal vergab die Berliner Sparkasse in diesem Jahr den mit 4.000 Euro dotierten Preis, Bestandteil der Kooperation zwischen der Hauptstadtsparkasse und der Freien Universität Berlin. Wir nahmen das kleine Jubiläum zum Anlass einmal nachzufragen, wie sich die Start-ups entwickelt haben, denen die Berliner Sparkasse in den vergangenen Jahren bei ihrem Weg aus der Hochschule in die Selbstständigkeit unter die Arme gegriffen hat.

2016: Maximal digital – die besten digitalen Geschäftsmodelle: INURU

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ie Geschäftsidee, Papier zum Leben zu erwecken, kam Marcin Ratajczak im Sushi-Laden. Während er gemütlich mit seinem heutigen Kompagnon Patrick Barkowski zusammensaß, überlegten beide, wie es wäre, leuchtende Fische über Papier schwimmen zu lassen. Das könnte die Wirkung von Werbeanzeigen und Verpackungen deutlich steigern, war das Duo überzeugt.

Gewinner Gruenderpreis 2016
Patrick Barkowski und Marcin Ratajczak bringen Papier zum Leuchten. Bild: Tina Merkau

„Bis dato konnten Leuchtstoffe nur mittels Verdampfung auf Papier und Pappe aufgetragen werden. Wir haben diesen komplexen Prozess auf eine einfache Druckmaschine übertragen, die dafür nötigen Materialien selbst entwickelt“, erläutert Ratajczak. Anfang 2016 sind sie mit ihrem Start-up INURU an den Start gegangen. Binnen des nächsten Jahres wollen sie ihre Produktkapazitäten versechsfachen, um die dünnschichtigen organischen Leuchtdioden „signifikant kostengünstiger“ drucken zu können. Und schon in zwei oder drei Jahren wollen sie die ersten flexiblen Displays auf den Markt bringen, auf denen kleine Videos laufen. „Wir müssen weiter wachsen – und der Markt gibt das auch her“, sagt Marcin Ratajczak. Nicht nur in Deutschland. „Wir haben Indien, Asien und die USA auf dem Schirm“, sagt der Jungunternehmer.

„Bis 2025 wollen wir unser Produkt fest etabliert haben“, umreißt Ratajczak den Zeitrahmen, den sich INURU gesetzt hat. Allerdings will das Start-up dann die Leuchtdisplays gar nicht mehr selbst produzieren, sondern seine Druckmaschinen verkaufen und vermieten. Über Wartungsverträge wolle man dann die Kunden an sich binden. Und natürlich über den Verkauf der leuchtenden Tinten.

www.inuru.de

2015: Gut gründen – Geschäftsideen, die unser Leben besser machen: PerformaNat

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ich mit einem Unternehmen für Futtermittelzusatzstoffe selbstständig zu machen, hatte die Veterinärmedizinerin Dr. Julia Rosendahl gar nicht auf dem Radar. Nach ihrer Promotion am Fachbereich Veterinärmedizin der FU zurück in die Praxis, als Tierärztin arbeiten – das war ihr Plan.

Doch da waren die neuen Erkenntnisse, die während ihrer Dissertation entstanden. Das Wissen, dass bestimmte Stoffe im Futter die Gesundheit der Tiere positiv beeinflussen könnten. Das war die Basis für die Geschäftsidee der PerformaNat GmbH, die sie zusammen mit zwei Kolleginnen Anfang 2015 gründete.

Gewinner Gruenderpreis 2015
Den Gründerinnen von PerformaNat liegt die Tiergesundheit am Herzen. Bild: Promo

Für die Gründerinnen war es ein Sprung ins kalte Wasser: „Die betriebswirtschaftliche Seite war uns völlig neu.“ Die Frauen entwickelten ein Firmenkonzept, schrieben Businesspläne. Im Stall kannten sie sich aus, im Labor auch. „Aber von dem, was ich heute mache, hatte ich im Studium nichts gehört“, sagt Rosendahl. Sie nahm an Businessplan-Wettbewerben teil, brachte 2015 ihr Produkt auf den Markt. Mittlerweile ist ein Vertriebspartner gefunden und das Team in größere Räume gezogen – in die Nähe der FU in Zehlendorf.

Mit der Uni kooperiert das Start-Up weiter sehr eng. Es wird intensiv geforscht, das Portfolio ausgeweitet – neue Produkte für weitere Tierarten. Unternehmerin zu sein, macht ihr riesigen Spaß. „Man muss strategisch denken, der Job ist super abwechslungsreich.“ Und mit Tieren habe sie nach wie vor zu tun: „Wir machen Fütterungsstudien auf landwirtschaftlichen Betrieben. Da kommen wir raus, in die Ställe.“

www.performanat.de

2014: Erfolgreicher Wissens- und Technologietransfer aus der Universität: Dolosys

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er Vertrieb verlange bisweilen vollen Körpereinsatz, sagt Dr. Jan Baars schmunzelnd. „Ich habe unsere Technik schon am eigenen Fuß vorgeführt und saß dann in Unterhosen vor dem Kunden“, erzählt der Geschäftsführer des 2012 aus der Charité ausgegründeten Start-ups.

Gewinner Gruenderpreis 2014
Dr. Jan Baars hilft mit, Schmerzen effizienter zu behandeln. Bild: Promo

Dolosys hat ein Gerät entwickelt, „mit dem wir eigentlich nichts anderes machen als Schmerzreflexe messen“. Anästhesist Baars bringt ein Beispiel: „Wenn Sie am Strand auf eine Muschel treten, ziehen sie Ihr Bein zurück. Was da mechanisch geschieht, löst unser Gerät elektrisch aus.“ Über Elektroden wird der Fuß so lange stimuliert, bis der Rückziehreflex einsetzt. „So können wir kontrollieren, wie die Reflexe durch Narkotika beeinflusst werden, wie Schmerzmedikamente im Körper wirken“, erklärt Baars.

Sechs Jahre forschte er, bis Dolosys die Technik auf den Markt brachte. Der Preis eines einzelnen Geräts entspricht dem eines Kleinwagens. „Peanuts“, sagt Baars, wenn man bedenke, was eine beispielsweise aufgrund einer Überdosierung von Schmerzmitteln verlängerte Intensivtherapie koste. Chronische Schmerzpatienten und solche, die sich nicht selbst artikulieren können, hat Baars als Nutzer der Dolosys-Technik im Blick. Sein Ziel: „Dass jede Intensivstation und jeder Schmerztherapeut in ganz Europa mit unserem Gerät arbeitet“. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Gerade in Deutschland sei es nicht einfach, die innovative Technologie zu verkaufen. Weil man gegen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen ankämpfen müsse. „Aber wir können inzwischen gut vom Verkauf unserer Geräte leben“, sagt der junge Arzt.

www.dolosys.de

2013: Bestes Marketing: Lebepur

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ine Woche verbrachte er auf der Krebsstation. „Die Ärzte dachten, ich hätte einen Tumor“, blickt Thomas Straßburg zurück aufs Jahr 2010. Glücklicherweise stellte sich die Diagnose als falsch heraus. „Aber in dieser Woche habe ich viel nachgedacht“, sagt der Diplom-Kaufmann. Darüber, dass die Wissenschaft schon sehr weit ist in dem Wissen, wie man Krebs und chronischen Krankheiten vorbeugen kann. „Da spielt der Lebensstil eine große Rolle.“

Gewinner Gruenderpreis 2013
Thomas Straßburg und Stefan Arndt finden Vorbeugen besser als Heilen. Bild: Max Threlfall

Gemeinsam mit Diplom-Kaufmann Stefan Arndt begann er, Wildkräuter und grünes Gemüse für Smoothies zu mixen. Anfangs mit frischen Produkten. „Nicht einfach, weil die Kühlkette ja immer eingehalten werden muss.“ Die Lösung fand das Duo eher zufällig durch einen Kontakt mit Ernährungswissenschaftlern der Uni Potsdam und deren Frage: „Warum nehmt ihr nicht Pulver?“

Eine Weile gab es das zu 100 Prozent pulverisierte Obst und Gemüse nur im Online-Shop. Parallel begann das Superfood-Start-up, Lieferanten zu suchen. „Nebenher haben wir etwas PR-Arbeit gemacht“, sagt Straßburg bescheiden. Auf einen Zeitschriften-Artikel folgte ein Fernsehbeitrag. „Das war der Durchbruch, im Nu ging Lebepur durch die Decke, wurde zum ,Reformprodukt des Jahres’ gewählt.“

Heute gibt es Lebepur in Reformhäusern, Naturkostläden und bei großen Drogeriemarktketten – in den Müller-Märkten sogar europaweit. Doch das mittlerweile vierköpfige Team – das bewusst nur Entwicklung und Vertrieb selber stemmt, nicht aber die Produktion – will noch mehr innovative Lebensmittel ins Sortiment nehmen. Zum Beispiel Riegel. Und: „Immer orientiert an aktuellen Nahrungstrends.“

www.lebepur.de

Gut gegründet!

Für Jung­unter­nehmer und die, die es werden wollen, hat die Berliner Sparkasse ihr gesamtes Know-how im FirmenCenter Grün­dung und Nachfolge ge­bün­delt. Dort wer­den Existenz­gründer und Unter­neh­mens­nach­folger nach der Finan­­zierungs­­zu­­sage mindes­tens drei Jahre lang von einem erfah­renen Kom­petenz­team indi­viduell begleitet.

Außerdem können sie das große Experten­netz­werk mit Coaches, Unter­nehmens­beratern und Steuer­experten nutzen.

Telefon: (030) 869 855 50
www.berliner-sparkasse.de/gruendung

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