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Titel Wertpapier-interview
Bild: Shutterstock [Montage]
Wertpapiere: Änderungen 2018

„Noch mehr Schutz für Anleger"

Das Jahr 2018 wird Wertpapiergeschäfte für Anleger noch transparenter machen und neue Steuerfreibeträge bringen. Was sich konkret ändert und welche weiteren Auswirkungen das auf Anleger haben wird, erklärt Olaf Schulz, Direktor Private Kunden der Berliner Sparkasse im Interview.

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ie Europäische Union wird 2018 den Anlegerschutz in der Beratung für Wertpapiere weiter erhöhen. Die so genannte „MiFID II Richtlinie“ (Abkürzung für Markets in Financial Instruments Directive) soll neben weiteren Maßnahmen nach der Finanzmarktkrise 2008 zusätzliche europaweite Standards setzen.

Schulz Olaf
Bild: Elke A. Jung-Wolff

Herr Schulz, die Finanz-Dienst­leister haben ihre Bera­tung rund um Wert­pa­piere nach der Finanz­markt­krise immer weiter verbessert. Bei welchen Punkten gibt es jetzt noch Nach­rege­lungs­bedarf?
Nach der Finanz­markt­krise hat der Gesetz­geber in den vergan­genen Jahren bereits diverse Rege­lungen auf den Weg gebracht, die Wert­pa­pier­ge­schäfte trans­parenter zu machen und Anleger noch mehr zu schützen. In der Praxis hat sich den­noch in Bera­tungs­gesprä­chen die ein oder andere Unschärfe und auch Über­regu­lierung ergeben. Anpassungsbedarf gab es zum Beispiel bei der Frage, wie umfangreich Beratungsgespräche tatsächlich protokolliert werden müssen, wie Kosten konkret ausgewiesen werden sollen und bei der „Product Governance“, das heißt bei der Zuordnung von Finanzprodukten zu den passenden Anleger-Gruppen.

Mit der Überregulierung meinen Sie das Beratungsprotokoll?
Ganz richtig. Beim Beratungsprotokoll kommt es auf eine klare und übersichtliche Dokumentation des tatsächlichen Gespräches an. Wegen der hohen gesetzlichen Anforderungen ist die bisherige Gesprächsnotiz aber sehr umfangreich und formalisiert gewesen. Das hat am Ende weder dem Anleger, noch dem Berater genützt. Hier folgt nun ein deutlich schlankeres Format: die zugegeben etwas sperrig klingende „Geeignetheitsprüfung“. Hier überprüft der Berater, ob die Empfehlung im Einklang mit den Anlage-Zielen, der Risiko-Toleranz und der Risiko-Tragfähigkeit des Kunden steht. Der Kunde muss in der Lage sein, mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen das Risiko des empfohlenen Finanzinstruments zu verstehen. Wertpapier-Dienstleister müssen wie bisher vorab entsprechende Angaben vom Kunden einholen.

Wie werden telefonische Beratungsgespräche und E-Mails behandelt?
Ab 2018 müssen Finanzdienstleister alle elektronischen Beratungen mit Order oder Absicht zur Order aufzeichnen und archivieren. Dazu zählen auch Telefongespräche und E-Mails.

Stichwort Kostentransparenz: Was wird hier geändert?
Vor der Order-Erteilung erhält der Anleger künftig noch detailliertere Angaben zu den Kosten und Zuwendungen, die mit dem Auftrag verbunden sind. So geht der Berater zum Beispiel auf die Auswirkungen auf die zu erwartende Rendite ein. Zusätzlich wird der Kunde einmal jährlich einen schriftlichen Report erhalten, aus dem sämtliche Kosten und Zuwendungen, die im gesamten Jahr zu seinem Depot angefallen sind, dargestellt werden.

Anfang 2018 tritt auch das Investment-Steuerreform-Gesetz in Kraft. Welche Änderungen ergeben sich daraus für die Anleger?
Das neue Gesetz zielt auf die Besteuerung von Fonds ab. Deutsche Fonds müssen auf bestimmte inländische Erträge, wie beispielsweise Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, Körperschaftsteuern in Höhe von 15 Prozent zahlen. Ein Novum: denn bislang hat der Staat lediglich die Anleger besteuert. Das Gesetz soll Steuerschlupflöcher weiter schließen. Egal, ob Anleger im Inland oder im Ausland sitzen. Steuern auf Aktienerträge werden schon im Fonds an das Finanzamt abgeführt.

Das hört sich zunächst nach einer Belastung für die Anleger an.
Nur bedingt. Denn als Ausgleich wird der Gesetzgeber Anlegern Teilfreistellungen gewähren. Die Höhe des steuerfreien Anteils richtet sich nach der Art des Fonds. Durch die Teilfreistellungen stellt der Staat einen bestimmten Prozentsatz der Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Veräußerungsgewinne steuerfrei.

Sind auch so genannte thesaurierende Fonds, die keine Ausschüttung vornehmen, oder Fonds, die nur in geringem Umfang ausschütten, davon betroffen?
Ja, auch diese sind betroffen. Hier will der Staat ebenfalls mit den veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen eine jährliche Mindestbesteuerung sicherstellen.

Wie werden zukünftig die steuerbefreiten Altbestände behandelt?
Der Bestandsschutz für Fondsanteile, die Anleger vor dem Jahr 2009 erworben haben, lief zum 31.12.2017 aus. Damit wurden diese Fondsanteile jedoch nicht voll steuerpflichtig, sondern nur die ab dem 01.01.2018 hinzukommenden Wertzuwächse. Nach der Altregelung wären auch sie steuerfrei geblieben. Um die Folgen für die Privatanleger abzumildern, erhält jeder Anleger für künftige Erträge aus diesen Altbeständen einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro.

Was bedeutet die gesetzliche Änderung für mein Anlageverhalten?
Auch wenn Aktienfonds und Immobilienfonds höhere Teilfreistellungen als andere Anlageformen aufweisen, sollte dies nicht der einzige Entscheidungsgrund für ein Engagement in solche Fonds sein. Immobilien- und Aktienfonds gehören zwar aus meiner Sicht in jedes Depot. Bei der Auswahl eines geeigneten Fonds muss aber die persönliche Risikoneigung des Anlegers und der Beitrag zur Risikostreuung im Rahmen der Gesamtvermögensanlage berücksichtigt werden, denn solche Anlagen unterliegen u.a. Kurs- und Währungsschwankungen. Viele wissenschaftliche Studien bestätigen jedoch: wer sein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilt, reduziert das Verlustrisiko deutlich.

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