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Titel Paketversand
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Weihnachtszeit

Geschenkversand: Wenn das Paket auf sich warten lässt

Wie sich der Weihnachtsmann doch verändert hat! Kam da früher ein älterer Herr mit rotem Mantel und Rauschebart, um die Geschenke zu bringen, hat mittlerweile der sportliche junge Mann vom Paketdienst, der mit Kartons unterm Arm durch Berliner Treppenhäuser spurtet, den Job übernommen. Für Paketdienste ist in der Vorweihnachtszeit Hochsaison. Was aber, wenn das Geschenk nicht ankommt? Oder wenn das Paket beschädigt ist – und womöglich der wertvolle Inhalt fehlt?

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ie Enkelin hat sich von ihrer Oma eine Armbanduhr zu Weihnachten gewünscht. Doch die junge Frau lebt in München und Oma in Berlin. Sehen werden sich die beiden erst zu Silvester, wenn die Enkelin zu Besuch in die Hauptstadt kommt. Und nun ist die Großmutter unsicher, ob sie den Zeitmesser wirklich per Versand auf die Reise schicken oder der Enkelin stattdessen lieber ein Sümmchen Geld überweisen soll? „Was, wenn das Paket nicht ankommt?“, fragt sich die ältere Dame ängstlich.

Haftungshöchstgrenze beachten

„Geht ein Paket verloren, wird Schadensersatz für die darin enthaltene Ware fällig“, informiert Iwona Husemann, die in der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Bereich Verbraucherrecht tätig ist. Denn: „Pakete sind je nach Anbieter bis zu einer Haftungshöchstgrenze von 500 bis 750 Euro abgesichert“, so die Expertin. Bei DPD beispielsweise sind Pakete bis 520 Euro versichert, bei Hermes liegt die Haftungssumme bei 500 Euro fürs Paket. Eine Höherversicherung ist bei Hermes nicht möglich. Geld, Wertpapiere, Kunstwerke oder Edelsteine sind sowieso vom Versand ausgeschlossen.

Hohe Werte lieber mit einem Spezialisten versenden

Anders bei DHL, wo Pakete standardmäßig ebenfalls bis zu einem Wert von 500 Euro versichert sind. Hier kann aber eine Höherversicherung hinzugebucht werden. Für einen Aufpreis von 6 Euro haftet DHL bis 2.500 Euro, für 18 Euro mehr gibt es eine Haftung bis 25.000 Euro – allerdings nur für sogenannte Valoren der Klasse I. Das sind zum Beispiel Computer und Smartphones, Fotokameras und andere hochwertige Gegenstände. In die Kategorie I fallen zudem Flugtickets oder Sparbücher – also personalisierte Wertpapiere, die gesperrt werden können, falls sie verloren gehen oder sie ein Langfinger aus dem Briefkasten fischt.

Paketbote
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Ausgeschlossen ist dagegen eine Höherversicherung für Valoren der Klasse II, dazu zählen Bargeld, Uhren, Schmuck oder Antiquitäten – also Dinge, die nicht personengebunden sind und deshalb bei Verlust auch nicht gesperrt werden können. Wer solch kostbare Dinge versenden möchte, sollte sich an einen auf Wertversand spezialisierten Kurierdienst wenden.

Versicherungssummen der großen Paketdienste:

DHL-Paket: Haftung bis 500 Euro bei Verlust oder Beschädigung, Höherversicherung möglich.
DHL-Päckchen: keine Haftung.
GLS: Versicherung bis 750 Euro, Höherversicherung für Privatkunden nicht möglich.
DPD: Versicherung bis 520 Euro, Höherversicherung für Privatkunden nicht möglich.
Hermes-Paket: Haftung bis 500 Euro, keine Höherversicherung möglich.
Hermes-Päckchen: Haftung bis 50 Euro.
(Quelle: Paketda, Angaben ohne Gewähr)

Kaufbelege aufheben, bis die Ware angekommen ist

Generell sollte man aber nichts verschicken, das den Versicherungshöchstbetrag übersteigt, mahnen die Experten vom Internet-Verbraucherportal Paketda. Sonst erlischt die Haftung in der Regel komplett. Und schwierig genug ist es sowieso schon, den Schaden erstattet zu bekommen. Im Fall der Fälle müsste Oma nämlich den „vollständigen Nachweis erbringen“, was das Paket ans Enkelkind enthalten hat und welchen Wert die Ware hatte. Heißt: Unbedingt Kaufbelege aufbewahren! Und den Beleg, dass das Paket überhaupt auf die Reise geschickt wurde, sowieso.

Versandkosten vergleichen

Letztendlich entscheidet sich unsere großzügige Großmutter, Geld für die Uhr aufs Konto ihrer Enkelin zu überweisen. Aber ein Paket mit Leckereien und der einen oder anderen kleinen Überraschung will sie dennoch schicken, denn das gehört zu Weihnachten einfach dazu. Doch welchem Paketdienst soll sie das liebevoll gepackte Kistchen anvertrauen? „Aus Verbrauchersicht bieten die großen Anbieter ähnliche Dienste, die sich nur marginal unterscheiden – beispielsweise bei der Anzahl der Zustellversuche“, sagt Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale NRW. Seien Paketshops mehrerer Anbieter in der Nähe vorhanden, lohne sich aber ein Preisvergleich. „Zum Teil können Pakete online frankiert werden – auch hier lässt sich Geld sparen“, informiert die Expertin. Im Internet gibt es Versandkostenrechner – Paketda vergleicht unter anderem die Versandkosten von DHL, Hermes, DPD, GLS oder UPS. Die Verbraucherzentrale rät allerdings, für Preisvergleiche lieber auf der offiziellen Seite des jeweiligen Anbieters nachzuschauen, um sein Geschenk möglichst günstig zu versenden.

Geschenkversand: Unscheinbares Äußeres

Und schließlich gilt es, das Paket äußerlich möglichst unscheinbar aussehen zu lassen. Denn eine schmuckvoll verzierte Verpackung lässt darauf schließen, dass auch der Inhalt wertvoll sein könnte – das wiederum könnte Diebe anziehen. Den Adressaufkleber für Omas Weihnachtspaket hat übrigens ihre Nachbarin am Computer ausgedruckt.

Paket Neutral Versenden
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Denn Oma hat in der Zeitung gelesen, dass auch die Handschrift von Senioren das Interesse von Langfingern weckt, da gerade ältere Menschen gerne noch ein Scheinchen Bargeld ins Paket stecken.

Paket online verfolgen

Statt „Warten aufs Christkind“ heißt es in der Vorweihnachtszeit nicht selten: Warten aufs Paket. „Einen Anspruch auf einen bestimmten Zustellungstermin gibt es für den normalen Paketversand nicht“, heißt es auf der Website der Deutschen Anwaltshotline. Wohl aber bietet jeder größere Paketdienst online eine Sendungsverfolgung an. Teilweise kann der Kunde sogar auf einer Karte in Echtzeit verfolgen, wo sich das Zustellfahrzeug gerade befindet. Doch diesen Service gibt es nur bei bestimmten Versandarten: So beim Paket, nicht aber beim Päckchen oder gar beim Standardbrief. Auch in Sachen Haftung gibt es große Unterschiede zwischen einem Paket und dem allerdings auch günstigeren Päckchen: Für Letzteres haftet zum Beispiel Hermes lediglich mit 50 Euro, DHL gar nicht.

Beschädigte Pakete genau prüfen

Hat ein Paket auf dem Transportweg sichtbar gelitten, sollte man es erst einmal genau unter die Lupe nehmen, bevor man den Erhalt quittiert. Ist die Verpackung so ramponiert, dass vermutlich auch der Inhalt beschädigt ist, sollte man den Zusteller bitten, es in seinem Beisein öffnen zu dürfen.

Paket Beschaedigt
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Das wird den Zusteller vermutlich nicht freuen, hat der doch gerade in der Vorweihnachtszeit ein hohes Arbeitspensum zu bewältigen. Das Verbraucherportal Paketda rät, im Zweifel dann lieber die Annahme zu verweigern.

Verbraucher-Portal für Ärger rund um Postversand

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat vor vier Jahren das Internetportal www.post-aerger.de gegründet. Dort können Privatleute ihrem Ärger mit Paketdienstleistern an einer virtuellen Pinnwand Luft machen. Die Verbraucherschützer leiten die Beschwerden zur Stellungnahme an den jeweiligen Dienstleister weiter und veröffentlichen die Einträge dann anonymisiert zusammen mit der Antwort – sofern es denn eine Reaktion gibt. Auch gibt die Verbraucherzentrale hier Tipps und klärt Verbraucher über ihre Rechte in den jeweiligen Fällen auf.

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