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Erben
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Testament

Generation der Erben

Auf Deutschland rollt eine gigantische Erbschaftswelle zu: Die jetzt um die 50-Jährigen werden zur stärksten Erbengeneration seit Bestehen der Bundesrepublik. Doch nur rund ein Viertel der Deutschen haben ihre Nachlassangelegenheiten per Testament oder Erbvertrag geregelt.

Haus Mit Garten
Das Elternhaus ist steuerfrei: Rund die Hälfte der Vermögens­werte werden als Immobilien vererbt. Bild: shutterstock
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ür Wilhelm O. stand fest: Das hart ersparte Einfamilienhaus am Berliner Stadtrand sollte sein Jüngster bekommen. Der kümmerte sich schließlich um den Vater. Im Gegensatz zum älteren Sohn, zu dem der Kontakt schon vor Jahren abgebrochen war. „Nicht einen Cent” wollte Wilhelm O. dem „schwarzen Schaf“ der Familie hinterlassen. Eine Rechnung, die er allerdings ohne den Notar gemacht hatte. Der klärte den älteren Herrn darüber auf, dass „gewisse nächste Angehörige” nicht völlig leer ausgehen dürften, wenn sie im Testament übergangen würden. Zwar könne Wilhelm O. sein Haus dem jüngeren Sohn vererben, sein älterer Sohn aber habe das Recht, nach dem Ableben des Vaters von seinem Bruder einen finanziellen Ausgleich zu verlangen – den Pflichtteil. „Der ist insbesondere dann tückisch, wenn das Nachlassvermögen vor allem aus Sachwerten wie Immobilien besteht”, weiß Notar Steffen Breßler.

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Der Pflichtteil besteht nämlich nicht, wie der Begriff vermuten lässt, in einer bestimmten Beteiligung am Nachlass. Sondern der Erstgeborene von Wilhelm O. kann vielmehr vom jüngeren Bruder Geld verlangen. „Die Hälfte dessen, was er bei der gesetzlichen Erbfolge bekommen würde”, erläutert Ulrich Simon, Geschäftsführer der Notarkammer Berlin. Und weil bei der gesetzlichen Erbfolge das Eigenheim des Vaters zu gleichen Teilen an beide Söhne gehen würde, hat der „Enterbte” Anspruch auf ein Viertel dessen, was das kleine Eigenheim wert ist.

Rechtzeitige Schenkungen

Um seine Lieben vor unliebsamen Pflichtteilsforderungen der Verwandtschaft zu schützen, empfehlen Notare vielfach Übergabeverträge. Wilhelm O. könnte sein Häuschen also seinem jüngeren Sohn schenken. Verstreichen zehn Jahre, hat der ältere keinen Anspruch mehr – vorausgesetzt, Wilhelm O. lebt dann noch. Durch rechtzeitige Schenkungen lässt sich der Pflichtteilsanspruch mindern oder sogar gänzlich ausschließen. Allerdings: Die Frist beginnt nur zu laufen, wenn sich Wilhelm O. weder Nießbrauch noch Nutzung der Immobilie vorbehält.

Genau darauf wollte Lothar L. aber nicht verzichten. Als seine Ehe zu scheitern drohte, machte er mit seiner Noch-Ehefrau »Nägel mit Köpfen«: Die einzige Tochter sollte das Haus bekommen – sofort und ohne Wenn und Aber. Es könne ja sein, dass seine Frau nach der Scheidung noch einmal heiraten würde. Und dann würden womöglich irgendwann „fremde Leute” Ansprüche anmelden auf das, was er mit seiner Hände Arbeit aufgebaut habe. Den Hinweis seines Notars „Was weg ist, ist weg” nahm Lothar L. durchaus zur Kenntnis.

Vw Kaefer In Garage
“Beim Aufteilen der Erbschaft steht die Freundschaft still.” Dänisches Sprichwort Bild: shutterstock

Ihm war bewusst: Auch wenn er seine Ehekrise überwinden und doch bei seiner Frau bleiben würde – das Haus würde er nach der Schenkung nur schwerlich zurückfordern können. Das Wohnrecht für sich und seine Frau wollte er daher unbedingt sichern, ließ ein lebenslanges Nießbrauchrecht in den Schenkungsvertrag schreiben.

Wie überträgt man eine selbstgenutzte Immobilie?

Nießbrauch wolle genau überlegt sein, sagt der Berliner Erbrechtsanwalt Volker H. Schulz und rät zur Vorsicht. „Rechtlich sieht es so aus, dass die Tochter die Immobilie dann praktisch nicht veräußern kann”, so Schulz. Also zu Lebzeiten der Eltern auch nichts von dem Haus hat. „Aber auch die Eltern können nicht mehr frei darüber verfügen.” Wohl jedoch die Früchte aus dem Haus ziehen. Heißt: Wenn beide Elternteile nicht mehr dort wohnen wollen, können sie die Immobilie vermieten. Die Tochter bekommt von den Mieteinnahmen nichts.

Unterlagen-Checkliste

Damit für die Angehörigen beim Todesfall nicht das große Suchen beginnt, wichtige Papiere gebündelt an einem Ort aufbewahren:

• Adressverzeichnis (Freunde, Vereine etc.)
• Familienstammbuch mit Geburtsurkunde, Heiratsurkunde etc.
• Sozialversicherungsunterlagen
• Rentenbescheide

Verschenken oder vererben an die Kinder – für Robert G. keine Optionen. Der Unternehmer erfüllte sich einen Lebenstraum: eine Villa im Grunewald. Bis die abbezahlt ist, werden noch Jahre ins Land gehen. Selbst wenn er das zu Lebzeiten schaffen sollte: Seine drei Töchter – das Nesthäkchen ist derzeit noch im Studium – würden es sich kaum leisten können, die Immobilie zu halten, schätzt er. Deswegen favorisiert G. ein Stiftungsmodell. Dann bekommen die Kinder die Erträge, wenn das schmucke Haus vermietet wird. Kümmern müssten sie sich darum nicht, dafür wäre der Stiftungsvorstand verantwortlich.

Deutlich schwieriger ist die Sachlage, wenn ein Ehemann plötzlich stirbt und seine Frau sowie die beiden Kinder mit einer unbezahlten Immobilie dastehen, ohne dass ein Testament vorhanden ist. Schwierig zumal dann, wenn der Sohn arbeitslos ist und die Tochter kein eigenes Einkommen hat, so dass an ein gemeinsames Abzahlen der Kredite nicht zu denken ist. Da hilft nur, dass die Kinder ihre Anteile an die Mutter übertragen, die dann als Alleineigentümerin im Grundbuch steht und die Raten allein abzahlt. Oder, und das ist vielfach die realistischere Variante, dass die Erben das Haus verkaufen und davon den Kredit bei der Bank ablösen. Dann springt zwar unter Umständen für jeden noch Bares heraus – das Haus aber ist weg.

Ein unmissverständlicher „Letzter Wille”

Volker H Schulz
Fachanwalt, Notar, Experte: Volker H. Schulz kennt alle erdenklichen Konstellationen. Bild: Sarah Eick

Volker H. Schulz, Berliner Fachanwalt für Erbrecht, über das notarielle Testament, den Erbvertrag und weitere Möglichkeiten, wie der Nachlass geregelt werden kann.

Wann ist es notwendig, ein Testament aufzusetzen?
Es empfiehlt sich immer dann, wenn man nicht die gesetzliche Erbfolge eintreten lassen möchte. Diese sieht Ehegatten und Blutsverwandte als Erben vor. Die Verwandtschaft ergibt sich aus der Abstammung. Verwandt mit dem Erblasser ist also jeder, der von ihm (Kind, Enkel usw.) oder von derselben dritten Person abstammt (Eltern, Großeltern, Geschwister usw.). Sind keine Kinder vorhanden, erben der Ehegatte sowie die Eltern des Verstorbenen. Gibt es weder Kinder noch Ehepartner, erben nur die Eltern.

Wie dokumentiert man den „Letzten Willen”?
Die einfachste Form ist das privat handschriftlich verfasste und eigenhändig unterschriebene Testament. Ehegatten können dies auch gemeinsam verfassen – einer schreibt es, beide unterschreiben. Wichtig ist, Ort und Datum nicht zu vergessen. Sicherer ist das notarielle Testament. Ein Notar bereitet die Urkunde vor, der Erblasser unterzeichnet. Die Urkunde wird beim Amtsgericht verwahrt, das Testament von Amts wegen eröffnet. Vorteil ist, dass es nicht verloren gehen oder unterschlagen werden kann. Zweiter Vorteil sind unmissverständliche Anordnungen, da der Notar den letzten Willen in klare juristische Terminologie überträgt.

Erbschaftsteuer

Gesetzlich sind Erben in drei Steuerklassen eingeteilt. Für Ehepartner, Kinder und Enkel gilt die günstige Steuerklasse I, für Geschwister sowie Nichten und Neffen die Steuerklasse II. Onkel und Tanten sowie Freunde – dazu zählen auch langjährige Lebensgefährten – müssen mit der ungünstigen Steuerklasse III vorlieb nehmen. Die Freibeträge:

• 500.000 Euro für Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner
• 400.000 Euro für jedes Kind
• 200.000 Euro für jedes Enkelkind
• 100.000 Euro für Eltern
• 20.000 Euro für Erben der Steuerklasse II und III

Berät der Notar auch?
Der Notar muss die Testierfähigkeit des Beteiligten feststellen und ermitteln, was überhaupt im Detail dessen letzter Wille ist. Auf dieser Basis schlägt er nach Ermittlung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse eine Vermögensnachfolgeregelung vor. Für fehlerhafte Gestaltung muss der Notar unter Umständen haften.

Was versteht man unter dem „Berliner Testament”? Was ist ein Erbvertrag?
Beim „Berliner Testament” setzen sich die Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner gegenseitig als Alleinerben ein und die Kinder als Schlusserben. Der Erbvertrag ist eine letztwillige Verfügung von Menschen, die in unterschiedlichsten Beziehungen zueinander stehen. Entscheidender Unterschied: Das Ehegattentestament kann zu Lebzeiten beider Ehepartner von einem einseitig widerrufen werden. Anders beim Erbvertrag. Der kann nur gelöst werden, wenn beide Vertragspartner dies wollen.

Was ist bei Bausparverträgen oder Depots zu beachten?
Es gilt die Gesamtrechtsnachfolge, alle Verträge gehen auf die Erben über. Bestimmt der Erblasser allerdings einen Begünstigten, dann fallen die Verträge nicht in den Nachlass. Bei Depots ist zu bedenken, dass Wertpapiere als solche auf die Erben übergehen – nicht bestimmte Werte.

Kann man Schulden erben?
Ja. Daher sollte der Erbe den Nachlass gründlich prüfen. Binnen sechs Wochen kann er entscheiden, ob er das Erbe annimmt oder ausschlägt.

Erbengemeinschaften fechten oft manches Sträußchen miteinander aus – woran liegt das?
Erbengemeinschaften können im Regelfall nur gemeinsam handeln – nur miteinander über Sanierung oder Verkauf einer Immobilie entscheiden. Um Zwist zu vermeiden, können Erblasser einen Testamentsvollstrecker benennen, der alleine entscheidet. Das Erbe sollte dann zügig aufgeteilt werden.

Worauf ist zu achten, wenn man sein Vermögen für einen guten Zweck einsetzen möchte?
Da empfiehlt sich ebenfalls, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen sowie Einsichts- und Auskunftsrechte zu gestalten. Damit die Organisation, die das Vermögen bekommt, das Geld auch dort einsetzt, wofür der Verstorbene es bestimmt hat. Sinnvoll ist, zu Lebzeiten eine gemeinnützige Stiftung mit entsprechender Satzung zu gründen, die im Todesfall begünstigt wird.

www.ravolkerschulz.de

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