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Titel Kosten Reduzieren
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Ratgeber

Senken Sie die laufenden Kosten

Strom, Gas, Krankenkasse, Kfz-Versicherung: Die meisten Berliner halten ihren langjährigen Vertragspartnern die Treue. Dabei ließen sich bei einem Vergleich anderer Anbieter oft einige Hundert Euro im Jahr sparen. Unser Ratgeber für alle, die mit wenig Aufwand ihre Haushaltskasse etwas aufbessern wollen.

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eit 1998 haben die Verbraucher die Wahl, wer ihnen die Energie liefert. Doch auch mehr als 20 Jahre nach der Liberalisierung des Marktes beziehen gut zwei Drittel der Deutschen ihren Strom vom Grundversorger – und so mancher zahlt sogar noch immer den sogenannten Grundversorgungstarif. Dabei ist der meist am teuersten.

Wechsel in einen anderen Tarif reicht oft schon

„Wer noch im Grundversorgungstarif steckt – und das sind immerhin noch 28 Prozent der deutschen Haushalte – und wer viel verbraucht, kann am meisten sparen“, sagt Diplom-Kauffrau Christina Wallraf, Energiemarkt-Expertin bei der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Und zwar auch schon ohne Wechsel des Anbieters, sondern lediglich durch Wechsel in einen anderen Tarif. Kündigt der bisherige Energielieferant eine Preiserhöhung an, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Sie können den Vertrag dann ohne Rücksicht auf die Kündigungsfrist zum Zeitpunkt der Preiserhöhung beenden.

Gasflamme
Wer noch nie aktiv seinen Strom- oder Gasvertrag gewechselt hat, ist Kunde in der sogenannten Grundversorgung. Diese kann ein Verbraucher jederzeit binnen zwei Wochen kündigen. Wer nicht in der Grundversorgung ist, gilt als »Sonderkunde«. Dann sind die Fristen den Vertragsunterlagen zu entnehmen oder beim bisherigen Anbieter zu erfragen. Bild: Shutterstock

Veträge mit Bonuszahlungen regelmäßig wechseln

Nehmen wir mal einen dreiköpfigen Haushalt: „Da liegt die Preisspanne zwischen Grundversorgertarif und dem günstigsten Anbieter mit verbraucherfreundlichen Bedingungen am Markt in Berlin bei Gas bei 400 Euro, beim Strom bei rund 200 Euro“, rechnet Wallraf vor und zückt gleich noch mal den Taschenrechner: „Bei einem Durchschnittsverbrauch von 3.500 Kilowattstunden Strom können Berliner sogar rund 260 Euro sparen – wenn sie einen Bonus mitnehmen“, erklärt die Expertin. Allerdings müssten Verbraucher dann nach einem Jahr zwingend wieder wechseln. „Denn Bonustarife sind im zweiten Jahr sehr teuer“, mahnt Christina Wallraf. Wer lieber einen Tarif abschließen möchte, der voraussichtlich längere Zeit stabil bleibt, sollte auf Bonuszahlungen verzichten, rät auch das Verbraucher-Onlineportal Finanztip.
Eine Untersuchung von Finanztip vom Juli 2018 ergab, dass einige Tarife durch hohe Bonuszahlungen zwar zu den günstigsten Angeboten im Tarifvergleich zählten. Aber die tatsächlichen Preise in diesen Angeboten waren so hoch, dass Kunden nach Ablauf des ersten Vertragsjahres und Wegfall der Boni mehr zahlen, als wenn sie in der Grundversorgung wären.

Nicht länger als 12 Monate binden

„Die Erstvertragslaufzeit sollte maximal ein Jahr betragen“, meint Diplom-Kauffrau Wallraf. Da sind sich Verbraucherzentrale und Finanztip auch absolut einig: Egal, für welchen Tarif sich Verbraucher entscheiden – länger als zwölf Monate sollten sie sich nicht binden. Und danach? „Wir empfehlen eine Folgelaufzeit von einem Monat und eine Kündigungsfrist von vier Wochen“, sagt Christina Wallraf. Dann seien die Verbraucher flexibel. „Selbst wenn sie vergessen, nach einem Jahr zu kündigen, können sie jeden Monat wechseln.“
Hilfreich zur ersten Orientierung und zur Vorauswahl günstiger Angebote sind Tarifrechner im Internet. Am bekanntesten sind Check24 oder Verivox, wenngleich es mittlerweile schon mehr als ein Dutzend verschiedene Stromrechner gibt. Alle funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Man muss nur seinen jüngsten Jahresverbrauch und seine Postleitzahl eingeben, dann liefern die Portale einen Vergleich der aktuellen Preise verschiedener Versorger.

Stromzaehler
Basierend auf Daten von Check24 und Verivox hat das Verbraucherportal finanztip.de einen eigenen unabhängigen Stromrechner entwickelt. Denn es könne leicht passieren, dass Nutzer Häkchen, Punkte und Aufklappmenüs übersehen. Diese sollten von vornherein vorteilhaft eingestellt sein, schließlich geht es oft um lange Verträge und viel Geld. www.finanztip.de/stromvergleich Bild: Shutterstock

Stromversorgung ist gesetzlich garantiert

Der Versorgerwechsel selbst ist einfach. „Am wenigsten Aufwand haben Verbraucher, wenn sie sich direkt einen neuen Anbieter suchen“, erklärt Finanztip-Expertin Ines Rutschmann. „Sie müssen ihrem alten Versorger nicht einmal kündigen, das erledigt der neue Stromanbieter.“ Sollte doch mal etwas schiefgehen beim Wechsel, müssen Verbraucher keine Sorge haben, dass in ihrer Wohnung plötzlich die Lichter ausgehen. Denn die Stromversorgung wird gesetzlich garantiert. „Zur Not springt der Grundversorger ein“, sagt Christina Wallraf. In Berlin ist das bei Strom Vattenfall und bei Gas die GASAG. „Die Verbraucher rutschen dann vorübergehend in die Ersatzversorgung. Die dauert so lange an, bis der gewählte Versorger liefern kann“, ergänzt Ines Rutschmann.

Fixkosten senken beim Auto

Auch bei der Haftpflicht- und der Kaskoversicherung fürs Auto lassen sich durch einen Wechsel der Versicherungsgesellschaft schnell mal mehrere Hundert Euro sparen. Laut Verbraucherzentrale differieren die Preise der Anbieter teilweise ganz erheblich. So könne für einen Fahranfänger zwischen dem günstigsten und dem teuersten Tarif der Haftpflichtversicherung mit Teilkasko eine Differenz von 1.000 Euro bestehen. Ratsam sei aber, sich vor Abschluss eines neuen Vertrages die Klauseln genau anzuschauen. „Ein hoher Beitrag heißt dabei nicht unbedingt gute und passende Vertragsbedingungen und -inhalte“, sagt Rechtsanwältin Elke Weidenbach, Referentin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale NRW.

Auto
Ihre zu teure Kfz-Versicherung können Sie bis 30. November kündigen. Die Suche nach der günstigeren Alternative im Internet ist allerdings aufwendig: Erstens werden jede Menge Daten zum Versicherungsnehmer abgefragt und zweitens müssen Sie das drei Mal wiederholen. Die Portale Verivox und Check24 listen unterschiedliche Angebote – und bei beiden fehlt Markführer HUK24. Dort sollten Sie direkt schauen. Bild: Shutterstock

Achten Sie auf Ihre Schadenfreiheitsklasse

Mittlerweile gebe es beispielsweise Anbieter, die nach einem Schaden extreme Rückstufungen vornehmen. „Unbedingt sollten Autofahrer sich von der bisherigen Versicherung schriftlich bestätigen lassen, welche Schadenfreiheitsklasse sie dem neuen Anbieter melden wird“, raten die Verbraucherschützer. So erreichten die Düsseldorfer Verbraucherzentrale Beschwerden, „nach denen der alte Versicherer der neuen Gesellschaft eine ungünstigere Einstufung genannt hat, als sie tatsächlich in der Beitragsrechnung vermerkt war“. Begründung der Versicherung: „Es habe sich um eine interne Schadenfreiheitsklasse gehandelt, die so nicht auf den Vertrag beim Folgeversicherer übertragen werden könne.“

Zum Ende des Jahres kündigen und sparen

Tendenziell günstige Versicherer mit guten Bedingungen ließen sich unter anderem über die Mustervergleiche ermitteln, die die Stiftung Warentest zum Ende des Jahres veröffentlicht, rät Rechtsanwältin Weidenbach. Weil bei den meisten Kfz-Versicherern das Versicherungsjahr dem Kalenderjahr entspricht, können viele Autobesitzer also zum Jahresende ihren Vertrag kündigen. Bis zum 30. November muss dann die Kündigung beim Versicherer auf dem Tisch liegen. Ausnahme: Trudelt die Beitragsrechnung erst später ein und enthält eine Beitragserhöhung, gibt es ein Sonderkündigungsrecht.
Neben der regulären, der sogenannten ordentlichen Kündigungsmöglichkeit können Kfz-Versicherungen aber auch außerordentlich, also während des laufenden Versicherungsjahres gekündigt werden. Zum Beispiel nach einem Schaden. „Zu bedenken ist hier aber, dass nicht nur der Versicherungsnehmer eine Kündigung aussprechen kann, sondern auch der Versicherer“, sagt Elke Weidenbach.

Krankenhausbett
Rund 96 Prozent der Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung sind allgemein über Gesetze und verbindliche Richtlinien festgelegt und damit kassenunabhängig für alle Kassenmitglieder gleich. Jede Krankenkasse kann daneben Mehrleistungen und Services anbieten. Dies gilt beispielsweise für einen Zuschuss zur Zahnreinigung, Bonusprogramme oder Naturheilverfahren. Ein Vergleich lohnt sich. Bild: Shutterstock

Anders sieht es bei den Gesetzlichen Krankenversicherern (GKV) aus. »Die Kündigung der Mitgliedschaft durch die Kasse ist nicht möglich«, stellt die Expertin klar. Bei einem Wechsel dürfe die gewählte Kasse die Mitgliedschaft auch grundsätzlich nicht ablehnen – „unabhängig vom Gesundheitszustand, also auch wenn eine chronische Erkrankung vorliegt“. Risikozuschläge oder -ablehnungen und Wartezeiten wie in der Privaten Krankenversicherung gebe es bei der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht. Die reguläre Kündigungsfrist beträgt zwei volle Monate zum Monatsende.
Wie viel man durch den Wechsel der Krankenkasse sparen kann, hängt vom Bruttoeinkommen ab und von der Höhe des sogenannten Zusatzbeitrags der jeweiligen Kasse. „Der allgemeine Beitragssatz der GKV beläuft sich auf 14,6 Prozent des Brutto-Einkommens – bis zur Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 4.537,50 Euro brutto“, erklärt Elke Weidenbach. „Daneben erheben die Kassen einen individuellen Zusatzbeitrag.“ Dieser kann zwischen 0,3 und 1,6 Prozent schwanken. Bei einem Monatseinkommen von 2.000 Euro bringen 0,6 Prozent Ersparnis gerade mal 60 Euro im Jahr. Welches die günstigste Krankenkasse ist, ermittelt Finanztip jährlich für jedes einzelne Bundesland. In Berlin hat die HKK 2019 das günstigste Angebot – mit einem Gesamtbeitrag von 14,99 Prozent.

Lesen Sie im Interview mit der Verbraucherexpertin: Darauf müssen Sie beim Stromanbieter-Wechsel achten >>

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