Titel Haferkater
Bild: Solène Roussel
Start-up: Haferkater

Der Porridge-Plan

Ob ausgeschlafen am Sonntagmorgen, verkatert nach einer Tanznacht oder in Eile auf dem Weg zur Arbeit: Seit mehr als zwei Jahren ist der Haferkater in Friedrichshain für viele Menschen die Anlaufstelle für ein schnelles, gesundes und regionales Frühstück.

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n Friedrichshain wird jeden Morgen geflockt, gemahlen und stündlich gekocht: „Nur so können wir die Frische des Haferbreis ohne Verlust der Nährstoffe garantieren “, sagt Anna Schubert. Die 25-Jährige betreibt seit knapp zweieinhalb mit ihren Freunden Leandro Burguete (26) und Levin Siert (28) den „Haferkater“ in Friedrichshain.

Fruchtkater
Der „Fruchtkater“ mit Apfel, Banane und diversen Beeren Bild: Solène Roussel

Bio-Hafer, Wasser und Salz sind die Zutaten für die cremige Basis, die in Schottland „Porridge“ heißt und dort seit Jahrhunderten das beliebteste Frühstück ist. Die Gründe dafür sind zahlreich: Porridge gibt Kraft und wärmt, die vielen Ballaststoffe machen langsam und nachhaltig satt. Eine gute Alternative zu Brötchen, Ei und Speck.

„Haferbrei kennt ja jeder aus der Kindheit“, sagt Anna. „Wir wollen die Menschen mit unseren vielfältigen Toppings für das gesunde Frühstück begeistern.“ Neben dem Klassiker mit Apfelmus und Zimt können sich die Gäste mit Nüssen etwa noch mehr Power holen oder mit dem „Bärenkater“ Vitamine tanken. Ebenfalls beliebt: Der „Naschkater“ mit Bananen, Zartbitter-Schokolade und Ahornsirup. So vielfältig und lecker haben die meisten Gäste den Brei aus der Kindheit nicht in Erinnerung.

Gastro-Gründerpreis

Das Konzept geht auf: Im September 2015 erhielt „Haferkater“ den Gastro-Gründerpreis. Mit dem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro konnten die jungen Gründer die Verwandlung der alten Dönerbude in ein charmantes Café abschließen: Der Innenraum in Bretterbuden-Optik bietet Platz für bis zu zehn Gäste und einen Blick in die kleine Küche. „So können die Gäste auch im Winter bei uns im Warmen essen“, freut sich Anna. Nach einem winterlichen Spaziergang bietet der Haferkater definitiv einen gemütlichen Zwischenstopp fürs (zweite) Frühstück.

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In der Boxhagener Straße in Friedrichshain haben die jungen Gründer eine alter Dönerbude zu einem charmanten Cafè umgebaut. Bild: Uwe Schubert

Die meisten Gäste nehmen die in Sekundenschnelle garnierte Power-Mahlzeit direkt im recycelbaren Haferkater-Becher mit – viele sind um die dreißig, aktiv, ernährungsbewusst und interessiert an neuen Foodkonzepten. Zwischen 2,70 Euro und 3,50 Euro zahlen sie für die kleinen und großen Portionen.

Der Name „Haferkater“ spielt übrigens auf die gute Wirkung an, die dem Getreidebrei gegen den Alkoholkater nachgesagt wird. „Viele Gäste suchen allerdings im Logo oder im Café verzweifelt nach einer Katze“, sagt Anna mit einem Lächeln. Man merkt ihr an, dass sie die Aufklärungsarbeit gerne leistet.

Gründung: Volle Kanne aus dem Nichts

Den Weg in die Selbständigkeit gehörte für die Literatur-Studentin bis vor zwei Jahren nicht zum Lebensplan. Eigentlich war sie nur für ein Studiensemester in Berlin, als ihr Freund Leandro, Jurist, sie mit dem Porridge-Plan überraschte. „Ich bin direkt vom Fahrrad gefallen“, erinnert sich Anna. „Aber dann war uns schnell klar: Ganz oder gar nicht“. Acht außergewöhnlich intensive Wochen später ging der erste Kater über die Theke.

Mit der Eröffnung des Cafés wurde die Arbeit natürlich nicht weniger: „Statt einen BusinessPlan zu schreiben, haben wir ihn gelebt“, sagt Anna und spricht von 14-Stunden-Schichten und Learning-by-Doing. Sie erzählt dabei vom Stress, ohne gestresst zu wirken und sprüht vor Energie – die aber gezielt eingesetzt werden müsse: „Ab einem bestimmtem Punkt ist es wichtig, Aufgaben klar zu verteilen“, sagt sie aus Erfahrung.

Tipp: „Einfach halten“

Eine weitere wichtige Erkenntnis fasst sie so zusammen: „Wir müssen es einfach halten mit wenigen ausgewählten Produkten, die komplett zu uns passen.“ Müsli hätte sich zum Beispiel nicht durchgesetzt und sei schnell wieder von der Karte verschwunden. Neben Haferbrei stehen heute frisches eigenes Gebäck und ausgewählter, nachhaltiger Kaffee vom Berliner Start-up Coffee Circle auf dem Frühstückstisch, zum Mittag gibt es auch Salate auf Dinkel- oder Quinoa-Grundlage. „Wir wollen die Menschen den ganzen Tag mit unserem schnellen Essen versorgen“, sagt Anna voller Tatendrang.

Formate: video/youtube

Plötzlich Personalerin

Wenn Anna „wir“ sagt, meint sie nicht nur sich und ihre beiden Mitgründer, sondern das gesamte Team. Neben der Kommunikation gehört das Personal zu den Hauptaufgaben von Anna. In Friedrichshain sind das mittlerweile fünf Service-Kräfte im Café sowie zwei amerikanische Konditorinnen in der Küche, dazu drei Mitarbeiter im Büro. Einmal im Monat geht das ganze Team gemeinsam essen – und bewertet das gastgebende Lokal anhand verschiedener Kriterien. „Das ist ein großer Spaß für uns – und gleichzeitig diskutieren und lernen wir dabei natürlich“, sagt Anna. Als Gastro-Unternehmerin hat sie schließlich auch den Blick für ganz neue Aspekte entwickelt.

Für die nächsten Team-Events muss das Haferkater-Team wohl rechtzeitig reservieren: Im Dezember haben die jungen Gründer nach erfolgreicher Testphase des Pop-up Stores eine zweite Filiale am Hauptbahnhof eingerichtet, für die Anna elf neue Mitarbeiter einstellen konnte. Für 2017 planen die jungen Gründer mit Unterstützung der Berliner Sparkasse die Eröffnung weiterer Filialen. Im März soll es den Haferkater im Prenzlauer Berg geben.

Haferkater
Boxhagener Str. 76-78, Friedrichshain
Im Hauptbahnhof, Europaplatz 1
http://www.facebook.com/Haferkater
www.haferkater.com

Gastro Gründerpreis: www.gastro-gruenderpreis.de

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