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Titel Digital Wolff
Bild: Christoph Schieder
Start-up des Monats

Chancen und Risiken der Digitalisierung im Blick

Die Digital.Wolff, Plötz & Co GmbH macht das Agieren in der virtuellen Welt einfach und zuverlässig: Vom digitalen Klingelbeutel bis zu Sicherheitssystemen.

I

deen zur Digitalisierung? Wir verwirklichen sie!“ ist das Credo der Gründer und Geschäftsführer Dr. Martin C. Wolff und Henryk Plötz. Im Dezember 2017 riefen die beiden 38-Jährigen die „Digital.Wolff, Plötz & Co GmbH“ ins Leben. Das Führungsteam ergänzen Projektmanagerin Hannah Jo Wolff und ITler Martin Stenzel. Die vier Experten samt Kollegen lieben die Digitalisierung – zum Beispiel von Zahlungssystemen.

Ein Produkt: der Digitale Klingelbeutel

Ein Beispiel ist der Digitale Klingelbeutel für bargeldlose Kollekten in Kirchen. Ein Beutel aus lila Samt an einem goldschimmernden Griff, der gut in der Hand liegt und sich bequem zum Sitznachbarn weitergeben lässt – auf den ersten Blick scheint es ein normales Kirchenrequisit zu sein, das Wolff dem Besucher in seinen Büroräumen in die Hand drückt.

Digital Wolff-digitaler Klingelbeutel
Bild: Christoph Schieder

Aber da steckt mehr dahinter: „Drehen Sie mal hier unten“, fordert Wolff den Besucher auf, und schon fällt der Blick auf ein streichholzschachtel-großes Display im oberen Teil des Beutels. Das Konzept: elektronische Zahlungsterminals werden in bekannte Gehäuseformen integriert. In zwei Gemeinden in Stadtmitte wird der Digitale Klingelbeutel bereits eingesetzt. „Dies ist zurzeit eines unserer Hauptprojekte“, erläutert Martin C. Wolff. Software und Hardware aus einer Hand anzubieten sei natürlich eine Herausforderung: Das Gerät müsse man schließlich gern in der Hand haben und leicht bedienen können, sagt er.

Vom Papp-Prototypen zum fertigen Klingelbeutel

Projektleiterin Hannah Jo Wolff, Expertin für das Haptic-Interface-Design, zeichnet hier verantwortlich und sorgt für das reibungslose Zusammenspiel von Gehäuse und Software – oder wie sie es nennt: „Die Informatik muss sich an den Menschen anpassen, nicht andersherum.“ So baut sie von jedem neuen Gehäuse zunächst einen Papp-Prototypen, der anschließend mit dem 3D-Drucker testgedruckt wird, um dann in die Produktion zu gehen. Und seit März wird eine zwei Meter hohe Schwester des Digitalen Klingelbeutels als elegant designte Spendensäule aus Edelstahl ausgeliefert.

Digital Wolff-boese Bauteile
Bild: Christoph Schieder

Gründerteam mit ganz unterschiedlichem Backround

Dass Humor und Spieltrieb wichtig sind in einem innovativen Umfeld, zeigt sich auch am Arbeitsplatz einer Kollegin: Im “Böse Bauteile“-Fach liegen Werkstücke, bei deren Fertigung etwas schiefgegangen ist.

Digital Wolff-prototypen-entwicklung
Bild: Christoph Schieder

Überhaupt ist die Stimmung in diesem IT-Büro ungewöhnlich kommunikativ, was vielleicht daran liegt, dass die Gründer Wolff und Plötz ganz unterschiedliche Hintergründe haben: Wolff ist promovierter Philosoph mit Kampfsportausbildung, Plötz IT-Spezialist und Hacker, Hannah Wolff Tierärztin.

Cyber Security als zweites Steckenpferd des Unternehmens

So weitgestreut wie die Kompetenzen des Führungsteams sind auch die weiteren Handlungsfelder des Unternehmens: Eine Kernkompetenz des Startups liegt im Bereich Cyber Security. Auch dort geht es um die Einheit von Mensch und Technik. „Wir implementieren IT-Security-by-Design, indem wir nicht nur die Technik sondern die Besonderheiten unserer Kunden berücksichtigen.“, sagt Wolff. Besonders gut kennt sich hier der Diplom-Informatiker Henryk Plötz aus. Schließlich ist er nicht nur Unternehmer, sondern auch Hacker im Chaos Computer Club. „Ob als Privatmensch, im Job oder als selbständiger Unternehmer: Jeder, der die Chancen der Digitalisierung nutzen möchte, sollte auch ihre Risiken kennen“, sagt er.
Ein Anwendungsfeld, das Plötz besonders am Herzen liegt, sind Elektronische Zutrittskontrollen. Ein weiterer Geschäftsbereich der Digital.Wolff, Plötz & Co GmbH. „Immer schon wollte ich wissen: Wie funktioniert etwas?“, erzählt Plötz, der Mann mit dem lilafarbenen Kaschmirpulli und dem bunten Halstuch. Die Antwort: „Drück hier auf den Knopf, und dann läuft das Gerät halt“, habe ihm nie gereicht, erinnert sich der Hacker. Daher hat er zusammen mit Freunden bei – angeblich sicheren – Zugangskarten mit „sehr, sehr feinem“ Schleifpapier den Chip freigelegt und unter dem Mikroskop Fotos gemacht. So konnte er sie nachbauen: reverse engeneering, wie er es nennt. „Wenn Sicherheit auf Nichtwissen der Funktion beruht, ist es nicht sicher“, war die Schlussfolgerung.

„Fast Curves“ als neues sicheres System für Kartenlesegerät

Deshalb hat er eine asymmetrische Kryptographie auf SmartCards implementiert. Anders als bei den symmetrischen Systemen bleibt hier das System auch dann sicher, wenn das Kartenlesegerät mitsamt Schlüssel geklaut und heimlich neue Schlüsselkarten nachgebaut werden. Das Produkt heißt „Fast Curves“ und ist nicht nur eine technische Verbesserung, sondern erlaubt die Nutzung von Smartphones für elektronische Schließsysteme und digitale Identitätsnachweise. Da außerdem die Ausgabe neuer Karten deutlich einfacher ist, sagt Plötz zuversichtlich, „dass die Unternehmen demnächst Schlange stehen um „Fast Curves“ zu kaufen.“

Digital Wolff Team
Bild: Christoph Schieder

App für Musiker entwickelt

Ebenfalls im Angebot der Digital.Wolff, Plötz & Co GmbH: TOUR IT YOURSELF, eine App für Musiker „Wir bieten einen digitalen Booking Assistenten für Künstler und Bands“, erläutert Wolff. In einer Datenbank können 1.200 deutsche Clubs nach Ort und Genre durchsucht werden. Der Assistent hilft Bands, passende Clubs in Deutschland ausfindig zu machen und anzuschreiben – „damit mehr Zeit für die Musik bleibt”, wie Wolff sagt. Automatisierte Softwarelösungen für Vereine sind ein weiterer Bestandteil des Portfolios der GmbH: Mitgliederkarteien, Spendenquittungen und die Finanzwirtschaft lassen sich damit übersichtlich managen. Dieser Bereich liegt Martin C. Wolff am Herzen, er selbst leitet fünf Vereine. Oft seien Vereine im Bestand gefährdet, weil ein Mangel an Freiwilligen bestehe, schildert Wolff seine Erfahrungen. Die Lösung: „Alles wegautomatisieren, was sich wegautomatisieren lässt!“ Auch hier zeige sich, dass an einem in der Bevölkerung verbreiteten Vorurteil – Technik sei etwas, was sich gegen die Menschen richtet – nichts dran sei. Vielmehr könne Technik das Miteinander angenehmer machen.

Mit der Berliner Sparkasse habe die Digital.Wolff, Plötz & Co GmbH einen verständnisvollen Partner gefunden. Ein weiterer Vorteil: Die Berliner Sparkasse ist gut erreichbar. „Auch wenn in der nächstgelegenen Filiale kein Geschäftskundenbereich ist, wird uns geholfen“, lobt Hannah Jo Wolff. Sie schätzt es, dass es bei der Berliner Sparkasse auf das Stadtgebiet verteilt noch zahlreiche „physische Interfaces“, sprich, Schalter, gebe. Ihr Kundenberater hätte auch Verständnis für die besonderen Anforderungen ihres innovativen Geschäftsfeldes, in dem sich Wandelungen rasend schnell vollziehen. „Normalerweise wollen die Banken wissen: „Wie wird es in ihrem Unternehmen in drei oder fünf Jahren aussehen?“, sagt Wolff. „Das kann ich nicht beantworten, unsere Zeithorizonte sind anders. Und die Berliner Sparkasse hatte dafür Verständnis.“

Wie geht das Start-up mit der Corona-Krise um?

Die Krise hat uns voll erwischt. Unser Geschäftsmodell war so sicher wie das Amen in der Kirche – plötzlich fehlten die Gottesdienste. Innerhalb von Tagen mussten wir alles auf rein Online-Paymentlösungen umstellen. „kollekte.app“ und „kollekte.digital“ waren über Nacht gefragt — gerade vor Ostern: Da fehlen zehntausende Euros für gemeinnützige Einrichtungen. Auf einmal ist die Bereitschaft für digitale Lösungen da, die Widerstände sind weg.
Die hohe technische Ausrüstung ist bei uns Standard, Homeoffice und „Innovative Arbeitswelten“ waren vorher schon normal. Niemand hat hier noch ein Festnetztelefon. Aber auf einmal fragen uns alle, wie genau das funktioniert. War das bisher für die internen Ausbildungen reserviert, machte Corona uns zum Vorbild für andere: Der Behördenspiegel fragt nach Schulungen, wie Geschäfts- und Entscheidungsprozesse digital abgebildet werden. Da hilft es, dass Martin C. Wolff genau zu E-Learning und Digitalisierung jetzt an der Humboldt-Universität zu Berlin mittels von Webinaren lehrt. Wir haben auch Anfragen von Organisationen, die sich aufgrund der Krise radikal digitalisieren müssen.
Wir können gar nicht anders, als die Krise als Chance zu begreifen. Die staatlichen Hilfen greifen nicht für Startups, und Details zum Startup-Schirm der Regierung hat bisher noch niemand gesehen.

www.digitalwolff.de
www.digitalerklingelbeutel.de
www.tourityourself.de

Wachsen mit der Berliner Sparkasse

Start-ups finden bei der Berliner Sparkasse zahlreiche Möglichkeiten für die Finanzierung, Förderung und Beratung. In unserer Serie Start-up des Monats stellen wir die Vielfalt der Unternehmen vor. Hier geht es zu unserer Übersichtsseite Start-up des Monats >>

Weitere Informationen zum Thema Gründung finden Sie auf: www.berliner-sparkasse.de/gruendung

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