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Titel Start-up License Rocks
Bild: Shutterstock
Start-up des Monats

license.rocks GmbH: Software Lizenzen leicht handeln

Kaum zu glauben: Im digitalen Zeitalter muss der Kauf und Verkauf von Softwarelizenzen durch viel Papierkram dokumentiert werden. license.rocks GmbH, eine Berliner Handelsplattform will das ändern.

Daud Zulfacar
Daud Zulfacar. Bild: Bernhardt Link
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oftwarelizenzen kann man zwar nicht anfassen, dennoch gehören sie zum handfesten Kapital eines Unternehmens. license.rocks GmbH mit Sitz in Berlin-Mitte will es einfacher und sicherer machen, mit ihnen zu handeln. Alles fing 2016 an, als Daud Zulfacar und Frank Bartels über einem Feierabend-Bier feststellten, dass die Verwaltung von Softwarelizenzen in ihrem Arbeitsalltag als IT-Berater bei großen Unternehmen ein ständiges Ärgernis war.

Verwaltung von Softwarelizenzen: Papierkram statt Digitalisierung

„Wir mussten ewig Ordner wälzen. Das kann heute, in Zeiten der Digitalisierung, eigentlich nicht wahr sein“, erzählt der 45-jährige Medienwissenschaftler Bartels. Er und Zulfacar waren sich sicher: Das könnte man besser machen. Mit diesem Selbstbewusstsein bewarben die beiden sich erfolgreich um das Berlin Startup Stipendium 2017, welches unter anderem von der Berliner Sparkasse unterstützt wird.

Frank Bartels
Frank Bartels. Bild: Bernhardt Link

Softwarelizenzen – da sollte man meinen, es sei das digitalste Produkt, das es gibt. Aber sie lassen sich nicht digital weiterverkaufen“, sagt Gründer Frank Bartels. Das Problem bisher: Der Nachweis von Nutzungsrechten für zum Beispiel Microsoft Produkte wie Office ist aufwändig, eine Vielzahl von Dokumenten muss den Besitzer wechseln – und zwar in Papierform. „Der Verkäufer muss beispielsweise beim Weiterverkauf bestätigen, dass er selber die Programme deinstalliert hat. Hat ein Unternehmen etwa 5000 Lizenzen einer Software gekauft, ist der aktuelle Stand, dass die Dokumentation des Kaufes und der Nutzungsbedingungen ganze Ordnerregale füllen kann“, sagt Bartels. Dieses Verfahren ist nun digital möglich.

Blockchain-Technologie macht Digitalisierung von Lizenzen möglich

Die Handelsplattform der license.rocks GmbH schafft die Voraussetzung dafür. Bartels und sein Mitgründer Zulfacar haben die Vorarbeit geleistet und „die DIN-Spezifikation 4996“ für einen rechtskonformen Handel mit Softwarelizenzen erarbeitet. Das sei nun ein Standard, wie Softwarelizenzen idealerweise übertragen werden können, erläutert Bartels. „Hier steht festgeschrieben: Welche Informationen müssen vorliegen, in welchen Schritten läuft der Prozess ab.“ Die von dem Gründerduo und den vier Mitarbeitern eingesetzte sogenannte Blockchain-Technologie eignet sich ferner perfekt, um Eigentumsrechte abzubilden und verhindert eine Doppelnutzung.

Kunden: Insolvenzverwalter und Manager

Das Serviceangebot des Unternehmens richtet sich an Insolvenzverwalter und Manager, die für die Software in Unternehmen zuständig sind. Neben der Handelsplattform bieten Bartels und seine Kollegen diesem Kundenkreis als Dienstleistung auch die Einschätzung des Wertes vorhandener Softwarelizenzen an.

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Vielfach gingen die erheblichen Werte, die Software Lizenzen darstellen, zum Beispiel im Fall einer Unternehmenspleite einfach verloren, sagt Bartels. „Nur ein Beispiel: Eine Lizenz zur Nutzung von Oracle Datenbanken kostet pro Stück mehrere 1000 Euro. Im Falle einer Insolvenz oder wenn ein Unternehmen mehr davon gekauft hat, als es benötigt, war damit bisher wenig anzufangen, da der Wiederverkauf schwierig war, auch wenn der Europäische Gerichtshof mit einem Urteil von 2012 den Handel von Gebrauchtsoftware grundsätzlich bestätigt.“

Bei Insolvenzen zählt Software zu den „immateriellen Wirtschaftsgütern“. Bartels erzählt: „Hier wird bei der Bewertung der Konkursmasse oft der Wert „0“ eingetragen, weil vielfach niemand weiß, wieviel alte Lizenzen wert sind.“
Das Geschäftsmodell der license.rocks GmbH funktioniert so, dass bei jeder Übertragung eines Nutzungsrechts eine prozentuale Nutzungsgebühr anfällt.

Insolvenzverwalter von Air Berlin war erster großer Kunde für das junge Unternehmen

Bartels und Zulfacar waren noch am Perfektionieren ihrer Plattform, als die Gründer quasi gleich in das tiefe Ende des Beckens geworfen wurden: Es traf sich, dass der erste Kunde des Unternehmens die Insolvenzverwalter der bankrottgegangenen Fluggesellschaft Air Berlin waren. „Im Namen des Insolvenzverwalters haben wir die Microsoft Lizenzen aus der Konkursmasse verkauft“, erzählt Bartels. Für diese Lizenzen konnte licence.rocks einen Verkaufspreis von 800.000 Euro realisieren.

Berliner Sparkasse: Berater „immer sichtbar“ als Ansprechpartner

„Mit der Berliner Sparkasse sind wir sehr zufrieden.“, sagt Bartels. „Immer sichtbar“ seien die Berater der Berliner Sparkasse bei Veranstaltungen der Start-up Szene. Folgenden Tipp hat er für Menschen, die auch Gründer werden wollen: „Die tollste Idee ist nichts wert, wenn man sie nicht auf die Straße bringt. Daher ist es wichtig, die Lösung frühzeitig mit potentiellen Kunden zu diskutieren.“
Sich erstmal Jahre wegzuschließen, um ein Produkt zu entwickeln und dann anfangen zu sehen, ob jemand es brauchen kann – das würde nicht funktionieren. „Ich glaube an hartnäckig erzwungenes Glück und Agilität, um auf unerwartete Situationen schnell zu reagieren“, sagt Bartels. „Dass wir gleich mit Air Berlin mit der größten Insolvenz in Europa zu tun bekamen, war Glück. Aber nachdem wir den Geistesblitz hatten: „Gebrauchtsoftware und Insolvenzen – da muss sich doch was machen lassen“ haben wir uns gleich an den Bundesverband der Insolvenzverwalter gewandt und auf die Suche nach Kunden gemacht.“ Vernetzung sei ein weiterer Erfolgsfaktor für Neugründungen. „Als Mitglieder im Blockchain Bundesverband und Mitinitiatoren von Berchain, dem Berliner Blockchain-Netzwerk, haben wir beste Verbindungen ins das Berliner „Blockchain“ Ökosystem“, sagt Bartels. So kennen wir die Experten, die für spezifische Projekte und Fragestellungen am besten qualifiziert sind.

Coronakrise bremst Wachstum des Unternehmens aus

Die Corona-Krise hat auch dieses aufstrebende Start-up getroffen. „Im März wollten wir eigentlich einige große Deals ankündigen. Diese sind nun teilweise geplatzt“, bedauert Bartels. „Das fühlt sich so an: Seit Beginn unserer Mission steuern wir in vollem Tempo auf die Auffahrt der Autobahn zu, nun war sie in Sicht – und es stellt sich heraus: Sie ist gesperrt“, sagt Bartels. Wahrscheinlich, auch wenn der Anlass nicht erfreulich ist, werde die license.rocks GmbH sogar durch die Krise mehr zu tun bekommen, wenn insolvent gehende Unternehmen ihre Lizenzen veräußern und Firmen in finanziellen Nöten sich an möglicherweise überzählig vorhandene Lizenzen als Assets erinnern und diese zu Geld machen wollen. Das Team von license.rocks kann dabei helfen und geht im Juni mit dem Produkt offiziell auf den Markt.

www.license.rocks

Wachsen mit der Berliner Sparkasse

Start-ups finden bei der Berliner Sparkasse zahlreiche Möglichkeiten für die Finanzierung, Förderung und Beratung. In unserer Serie Start-up des Monats stellen wir die Vielfalt der Unternehmen vor. Hier geht es zu unserer Übersichtsseite Start-up des Monats >> (Gründen mit der Berliner Sparkasse: Diese Start-ups haben mit der Berliner Sparkasse gegründet)
Weitere Informationen zum Thema Gründung finden Sie auf: www.berliner-sparkasse.de/gruendung

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