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Titel Framepunk
Bild: Frame Punk
Start-up des Monats: Frame Punk

Die neue Brillen-Freiheit

3D-Drucker können mittlerweile sogar Brillen drucken. Für Andreas Ketzlar ein Geschäftsmodell. In seinem Kreuzberger Brillenfachgeschäft „Frame Punk“ bietet er Unikate an, die auf die Kundenwünsche und –körper exakt zugeschnitten sind.

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rame Punk – das klingt nach Punker, Irokesen-Schnitt und Kreuzberg. Einen Irokesen trägt Andreas Ketzlar nicht, hat er auch noch nie, aber in Kreuzberg findet man ihn trotzdem: in seinem Laden Frame Punk nahe der Skalitzer Straße. Dort staunen Kunden nicht schlecht, was da so alles aus dem 3D-Drucker kommt. Doch nur dem Drucker überlässt der 29-Jährige seine Maßanfertigungen von Brillen natürlich nicht.

Andreas Ketzlar
Bild: Frame Punk

Er und seine drei Mitarbeiter kümmern sich mit einer Menge Handarbeit um den Rohling. Sie schleifen, polieren, färben, versiegeln, Sandstrahlen, montieren – fertig ist das maßgeschneiderte Unikat. Rund eine Woche dauert dieser Prozess. Vom Rohling aus dem Drucker bis zum fertigen Modell, das der Kunde aus dem Laden trägt.

Sogar aus München reisen Kundinnen an

„Langweilig wird mir nie“, sagt der gebürtige Magdeburger, der seit Januar 2016 diese innovative Geschäftsidee betreibt. Ketzlar coacht, koordiniert und pendelt zwischen seinem Laden und dem seiner Eltern in Magdeburg. Eine Augenoptiker-Familie, in die er hineingeboren wurde. Sicherlich habe das Vorteile, wenn man vom Erfahrungsschatz des Vaters profitieren könne, sagt Ketzlar am Telefon, „gleichzeitig wollte ich aber auch meinen eigenen Weg gehen.“ Nach seiner Ausbildung zum Augenoptiker ging dieser in Berlin weiter: zunächst mit einem Bachelor-Studium im Fach Augenoptik und dann mit dem Ladengeschäft. Sogar aus München reisen nun extra Kundinnen an, um sich ihre alt gewordene Lieblingsbrille nachbauen zu lassen.

Framepunk Innen
Bild: Frame Punk

Denn Brillen sind meist Massenware aus China oder Indien. „Dann finden Kunden zwar 100 bis 200 Brillen im Shop, aber am Ende passen doch nur zwei auf den eigenen Kopf.“ Anders bei Ketzlar: hier piekst nichts mehr am Kopf, drückt auf der Nase, wiegt schwer – hier ist das Material ein leichtes Polyamid, extrem leicht, extrem bruchfest, biegsam „und allergiefrei“, schiebt der Augen-Optiker nach. Die häufigsten Kundenwünsche sind nicht besondere Brillen in bunten Farben und mit verrückten Gläsern, sondern tatsächlich ein Modell mit dem perfekten ergonomischen Sitz. Dafür bezahlen die Kunden gern zwischen 249 und 349 Euro. Gar nicht mal so viel, wenn man die Preise mit denen berühmter Luxusmarken vergleicht.

Berlin erweist sich überdies als hervorragender Standort für ein Brillengeschäft mit dem 3D-Drucker als Mitarbeiter, „hier sind die Menschen offen für Innovation“, sagt Ketzlar. Seine Brillen würden jeden Geist treffen – unabhängig vom Alter. „Jeden, der offen für eine passende ergnomische Brille ist.“

Nach zwei Jahren in der Gewinnzone

Für den nötigen Durchblick in dieser Gründungsphase half ihm die Berliner Sparkasse. „Vom ersten Kontakt bis zum Startkredit ging es erstaunlich schnell. Innerhalb von vier Monaten hatte ich das nötige Kapital bekommen und wurde in dieser Zeit auch sehr verbindlich und fachlich kompetent beraten“, lobt Andreas Ketzlar seine Beraterinnen aus dem Firmenkundenbereich. Zudem hätten die Beraterinnen mit ihm zusammen auch noch mal den Businessplan nachgeschärft. So freut er sich nun, dass er bereits im zweiten Jahr in die Gewinnzone gekommen ist.

Seine Tipps für andere Gründer: „Überwinde die Durststrecken. Es kommen immer Phasen, in denen etwas schief geht, man sich allein gelassen fühlt – und dann ist es gut, wenn man Berater und Freunde um sich herum hat, die einen auffangen.“ Sein zweiter Tipp: Halte die Fixkosten anfänglich niedrig. Er habe sich ebenfalls Läden am Ku’damm angeschaut, aber dann vor 12.000 Euro Miete pro Monat schnell zurückgeschreckt. „Man sollte anfänglich mit wenig viel machen: wenig Fixkosten und sich auf die Produktentwicklung, Marketing und Akquise kümmern.“

Auch das Fernsehen war mittlerweile da und hat sich einen Einblick von den Brillen verschafft. Nachzusehen auf der Website.

Frame Punk

Manteuffelstr. 48
10999 Berlin
www.framepunk.com
Telefon 60 03 17 70
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr

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