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Titel Oculyze
Bild: Oculyze
Start-up des Monats

Oculyze: Das Labor für die Hosentasche

Das Start-Up Oculyze hat ein Smartphone-Mikroskop und Software entwickelt, die unter anderem Bier verbessern kann. Auch in anderen Feldern wollen die Gründer das Labor zum Kunden bringen.

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efepilze sind klein, mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Im Brauereiwesen geht nichts ohne sie. Nur wenn die Konzentration der Inhaltsstoffe stimmt, wird das Bier gut. Dass dies leicht überwacht werden kann, ist ein Anliegen von Kilian Moser. Der 34-Jährige Betriebswirt ist einer der Geschäftsführer des Start-up Unternehmens Oculyze. Die Firma, gegründet im November 2015, hat ein Smartphone-Mikroskop samt cloudbasierter Bilderkennungssoftware entwickelt, das Flüssigkeiten analysieren kann. Per Bildanalyse werden dazu Zellen, Mikroben und andere kleine Bestandteile gezählt. Wie Blutkörperchen, oder eben Hefepilze. Letztere spielen übrigens auch beim Keltern von Wein eine entscheidende Rolle. Daher gehören Winzer ebenfalls zu den bisher rund 200 Kunden in 37 Ländern.

Das Handy analysiert sekundenschnell

Das Gerät funktioniert so: An ein normales Smartphone wird ein kleines Mikroskop mit integrierter Beleuchtung geklemmt. Ein Tropfen Flüssigkeit wird auf einen Träger gegeben und zwischen Linse und Handykamera geschoben. Das Smartphone macht ein Foto mit 400-facher Vergrößerung. Eine Software analysiert dann das Bild, zählt die Zellen und rechnet das Ergebnis auf die ganze Probe hoch. Innerhalb einer Minute liegt das Ergebnis vor. Das Prinzip ist nicht neu. Schon seit 50 Jahren gibt es automatische Zellzähler. Das Problem: Kleine Brauereien könnten sich diese nicht leisten, sagt Moser. Dort zählen Mitarbeiter daher die Proben am gewöhnlichen Mikroskop aus, was fehleranfällig ist und lange dauert.

In Zukunft auch für die Humanmedizin denkbar

Angesichts von rund 10.000 Brauereien weltweit, 1.500 davon in Deutschland, ist der Markt für die einfach zu bedienende Analysesoftware eigentlich groß genug. Aber das Modell soll auch in weiteren Feldern zur Anwendung kommen. Als nächstes ist eine Version geplant, die eine Gebärmutterinfektion bei Milchkühen nachweisen kann. Das Handy könnte ein Taschenlabor für Tierärzte werden. Die Besitzer sparen Tage, wenn nicht sogar Wochen, die sie sonst auf Laborergebnisse warten müssen. Langfristig seien auch Versionen für die Humanmedizin vorstellbar, sagt Moser. So könnte beispielsweise ein Hausarzt direkt am Bett des Patienten ein Blutbild machen. Malaria-Infektionen beispielsweise ließen sich auf diese Weise schnell feststellen. In diesem Bereich gab es bereits ein Pilotprojekt mit Partnern aus Kenia.

Infografik Oculyze

Mitarbeiter aus neun Nationen

Der Firmenname Oculyze ist eine Kombination aus dem lateinischen Wort „oculus“ für Auge und dem englischen „analyze“ für Analyse. Das Kernteam des Unternehmens besteht neben Kilian Moser aus Dr. Ulrich Tillich und Dr. Katja Schulze. Tillich studierte Biosystemtechnik und Bioinformatik. Seine Kommilitonin Schulze entwickelte im Rahmen ihrer Doktorarbeit eine Analysesoftware für Fotos. Dies wurde der Grundstein für die Oculyze-Technik. Moser studierte BWL in Reutlingen. Für das Start-up gab er einen guten Posten bei einem Automobilkonzern in den USA auf. Die Oculyze-Mannschaft ist mittlerweile auf 13 Leute angewachsen, die aus neun Nationen stammen. Moser ist stolz darauf, wie harmonisch sein Team mit so unterschiedlichen Wurzeln zusammenarbeitet. „Daran erkennt man, dass Berlin eine Weltstadt ist – Herkunft ist nicht so wichtig. Geboren überall in der Welt – daheeem in Berlin – oder wie sagt man hier?“, zeigt der in Venezuela aufgewachsene Moser eine kleine Unsicherheit.

Tipp an Gründer: Nicht von der Statistik schrecken lassen

Der Firmengründer vertritt die Auffassung, dass sich potenzielle Gründer nicht von Statistiken schrecken lassen sollten. Auch wenn diese besagen, dass etwa 80 Prozent aller Start-ups scheitern. Schon als Schüler in Venezuela gründete er ein Unternehmen, welches Computerteile im- und exportierte. „Man muss sich klarmachen: Gründen ist ein Marathon. Kein Sprint“, sagt der 34-Jährige. Gründungswillige sollten sich fragen, ob sie wirklich für ihre Idee brennen. „Schließlich werden sie mit einem Thema dann potenziell ihr ganzes Berufsleben lang viel Zeit verbringen. Sehr, sehr viel Zeit“, betont Moser. Wie ein Marathonläufer müsse sich ein Gründer seine Energie gut einteilen, damit er seine Leistung über einen langen Zeitraum konstant halten kann und nicht ausbrennt. Auch essentiell: Die Bereitschaft, viel zu lesen, sich immer weiterzubilden – und genug Schlaf, selbst wenn die Wellen um einen herum hoch schlagen. Gerade dann.

Berliner Sparkasse reagiert flexibel auf Bedürfnisse

Als Partner in Sachen Finanzen vertraut Oculyze seit Beginn auf die Berliner Sparkasse. Obwohl die Berliner Sparkasse als etablierte Bank natürlich viele Großkunden betreue, könnten sich die Mitarbeiter in die besonderen Bedürfnisse seines Start-up-Unternehmens gut hineinversetzen, lobt Moser. „Das ist wichtig, denn eine Gründung ist immer auch eine Gefühlsachterbahn: Man kann sich am Montag super fühlen, dann kommt am Dienstag eine schlechte Nachricht und am Mittwoch wieder eine gute.“ Wichtig sei daher ein konstant verlässlicher Ansprechpartner. Ein souveräner Partner ist die Berliner Sparkasse auch, was die Erfordernisse angeht, die mit der internationalen Aufstellung von Oculyze einhergehen. „Wir haben Zahlungsverkehr mit Kunden und Lieferanten in 37 Ländern. Dieser wird von der Sparkasse trotz aller unterschiedlichen Regelungen stets professionell abgewickelt“, zeigt sich Moser zufrieden.

www.oculyze.de

Wachsen mit der Berliner Sparkasse

Start-ups finden bei der Berliner Sparkasse zahlreiche Möglichkeiten für die Finanzierung, Förderung und Beratung. In unserer Serie Start-up des Monats stellen wir die Vielfalt der Unternehmen vor. Hier geht es zu unserer Übersichtsseite Start-up des Monats >>

Weitere Informationen zum Thema Gründung finden Sie auf: www.berliner-sparkasse.de/gruendung

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