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Bild: Oculyze
Start-up: Oculyze

Das Labor in der Cloud

Das Start-up Oculyze hat den Durchblick für Mikroskopie-Anwendungen. Mit ihrem Aufsatz bei Smartphones und der dazugehörigen Software wollen die Gründer das Labor zum Kunden bringen – und den Markt erobern.

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in Bier-Brauer möchte wissen, wie hoch die Konzentration an Hefezellen ist , ein Hausarzt direkt am Patientenbett ein kleines Blutbild machen und ein Veterinärmediziner wissen, ob die Milchkuh gesund ist und künstlich befruchtet werden kann – alles Fälle, in denen früher erst mal eine Probe ins Labor geschickt – oder aufwendig im Mikroskop untersucht werden musste. Das Berliner Start-up „Oculyze“ bringt das Fachwissen nun zum Kunden, statt die Probe ins Labor. Der Firmenname ist eine Kombination aus dem lateinischen Wort „oculus“ für Auge und dem englischen Wort „analyze“ für Untersuchung.

Zellkulturen in wenigen Minuten bestimmen

Mit einem Aufsatz für Smartphones können der Brauer, Arzt und Veterinärmediziner nun selbst mittels 400-facher Vergrößerung Proben direkt vor Ort auswerten. Eine App gibt die Daten in die „Cloud“ weiter, wo ein Programm in nur einer Minute die Zahlen von Hefe-Kulturen oder Blutkörperchen bestimmt. „Eine Analyse kann auf diese Weise um die 4 Euro kosten – damit sparen sich Anwender Zeit und teure Laborkosten“, erklärt Geschäftsführer Kilian Moser (32). Zusätzlich schließt die automatische Auswertung menschliche Fehler aus.

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Die Idee zum Unternehmen hat Dr. Katja Schulze an der Technischen Hochschule Wildau in Brandenburg entwickelt. Hier wollte die Expertin für Bilderkennung pflanzliches Plankton in Gewässern automatisch identifizieren „und hat erkannt, dass es sehr umständlich ist, mit dem Labor zum See zu gehen und wieder zurück“, wie Kilian Moser erzählt. Er und sein Kompagnon Dr. Ulrich Tillich sind später dazu gekommen; der Softwareentwickler Martin Kluth machte das Quartett komplett.

Man darf nicht vergessen, dass eine Gründung immer auch eine Gefühlsachterbahn ist. Man kann sich am Montag super fühlen, dann kommt am Dienstag eine schlechte Nachricht und am Mittwoch wieder eine gute. Darauf muss man vorbereitet sein. Gründer Kilian Moser

Im November 2015 ist das Unternehmen offiziell gestartet – und hat es bereits in mehreren Business-Plan-Wettbewerben in die Endrunden geschafft. „Es war ein ereignisreiches Jahr; ich habe viel über Unternehmen erfahren – und bin deutlich älter geworden, aber es hat sich gelohnt“, sagt Kilian Moser. Sein Rat an Gründungswillige: „Das Thema Start-up wird gerade sehr gehypt; aber man darf nicht vergessen, dass eine Gründung immer auch eine Gefühlsachterbahn ist. Man kann sich am Montag super fühlen, dann kommt am Dienstag eine schlechte Nachricht und am Mittwoch wieder eine gute. Darauf muss man vorbereitet sein.“

Nicht scheuen Hilfe anzunehmen

Gründer sollten sich deshalb nicht scheuen, Hilfe anzunehmen, rät Moser. Bei der guten Auswahl seiner Partner vertraut Oculyze ebenfalls auf die Berliner Sparkasse: „Mir gefällt, dass uns die Berliner Sparkasse wirklich als Kunden behandelt und flexibel auf unsere Bedürfnisse reagiert.“ Für das Start-up-Wagnis hat Kilian Moser einen guten Posten in einem Automobilkonzern in den USA aufgegeben. Raus aus der Comfortzone, neue Herausforderungen – darauf hatte er Lust. „Jetzt bin ich noch näher am Geschehen des Marktes dran und kann mithelfen, ein Produkt zu entwickeln.“

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Dazu gehört jetzt, die Anschlussfinanzierung für die nächsten Jahre zu sichern. Anschließend will sich Oculyze noch stärker auf die Branchen Brauereien und Medizin spezialisieren. Damit das Bier der Mikrobrauereien in Berlin weiterhin in Strömen fließt.

www.oculyze.de

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