Newsletter abonnieren
Titel Mittelstandsumfrage
Bild: Shutterstock
Mittelstandsumfrage

Brummender Wachstumsmotor in Ausbremsgefahr

Die Berliner Wirtschaft wächst stärker als der Bundesdurchschnitt. Das liegt maßgeblich am Mittelstand, wie eine Umfrage der Berliner Sparkasse ergeben hat. Doch es gibt auch handfeste „Wachstumshemmer“, die derzeit beunruhigen.

Z

uerst die gute Nachricht: Seit 2005 sind die Berliner kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht mehr so positiv gestimmt gewesen ob der konjunkturellen Lage in der Hauptstadt wie 2017. Dies ist die zentrale Botschaft der Mittelstandsumfrage 2017, die die Berliner Sparkasse zusammen mit dem Beratungsunternehmen DIW Econ GmbH veröffentlicht hat.

Das Geschäftsklima hat demnach 2017 einen neuen Höchstwert erreicht. Knapp 1.760 Unternehmen hat die Berliner Sparkasse befragt, wie diese ihre wirtschaftliche Lage gegenüber den Vorjahren beurteilen, welche Investitionen sie vorhaben – und welche Geschäftshemmnisse sie auf sich zukommen sehen. Die größte Sorge bereitet einigen Unternehmen demnach die Digitalisierung. 13 Prozent sehen in ihr sogar ein Risiko für ihre Geschäfte. Doch immerhin 60 Prozent beurteilen sie auch als Chance.

Lektüre-Hinweis: Digitalisierung am Beispiel der Mode-Läden

Wie die Digitalisierung konkrete Berufsfelder verändert, zeigt übrigens unser aktueller Artikel über die „Umkleidekabine der Zukunft“ in unserer Rubrik Job & Karriere, über die Bekleidungsbranche und die Verschmelzung des Online-Shoppings mit dem stationären Handel. Hierzu müssen zum Beispiel sämtliche Kleidungsstücke in Geschäften elektronisch erfasst (digitalisiert) werden.

Berlin – Hauptstadt der Mittelständler

Kleine und mittelständische Unternehmen spielen in der Hauptstadt historisch eine große Rolle. Aufgrund der Teilung der Stadt und jahrzehntelanger Insellage Westberlins sucht man große Konzernzentralen aus exportstarken Industriebereichen bis heute hier vergeblich. Der einst große Bankensektor Berlins wanderte nach Frankfurt am Main ab, die Firmenzentrale von Siemens nach München.

Wesentlicher Wachstumsmotor in der Hauptstadt ist heute vor allem der Dienstleistungssektor, der immer mehr Beschäftigte einstellt und sich damit als regelrechter Jobmotor erweist. Überdies konsumieren die Berliner kontinuierlich gut und sind noch dazu überaus gründungswillig. In keiner anderen deutschen Metropole werden so viele Unternehmen gegründet. „Mit 201 Gründungen je 10.000 Erwerbspersonen liegt Berlin erneut an der Spitze der deutschen Metropolen und zieht auch als herausragender Wissenschaftsstandort potentielle Gründer an“, heißt es in der Zusammenfassung der Umfrage. Ganz vorn bei Neugründungen dabei sind übrigens Einwohner mit Migrationshintergrund.

Business-people
Bild: Shutterstock

Gutes Geschäftsklima beflügelt Umsätze und Personalrekrutierung

Jeder zweite Unternehmer erwartet für 2018 höhere Umsätze. Das wirkt sich ebenfalls positiv auf die Beschäftigungsquote in Berlin insgesamt aus. So erweist sich das gute Geschäftsklima nicht nur im Dienstleistungssektor als Jobmotor: Immerhin jeder dritte mittelständische Unternehmer plant 2018 mehr Mitarbeiter einzustellen. Wäre da nur nicht der Fachkräftemangel, der Berliner Unternehmer neben der Digitalisierung am meisten besorgt. Er erweist sich als gravierende Bremse für den Wachstumsmotor. „Im bundesweiten Vergleich ist die Berliner Wirtschaft allerdings weniger stark von Fachkräfte-Engpässen betroffen“, heißt es in der Studie. Berlin sei ein attraktiver Standort und verzeichne ein anhaltendes Bevölkerungswachstum.

Bedingt durch die immer älter werdende Gesellschaft ist auch das Thema Unternehmensnachfolge eine zentrale Sorge. Und auch die Investitionsbereitschaft scheint unter Berliner Unternehmern vielfach kein Thema zu sein. Entgegen des positiven Geschäftsklimas zeigt sich diese überraschenderweise rückläufig. Woher kommt dieses mangelnde Wagnis, in den nächsten zwölf Monaten zu investieren, wo doch die Erwartungen so positiv sind? Noch dazu in einer Phase, in der die Finanzierungsbedingungen so günstig sind wie seit Jahren nicht mehr?

Nur 63 wollen in den nächsten zwölf Monaten neue Investitionen tätigen. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 73 Prozent. Immerhin bildet Berlin damit keine Ausnahme. Auch bundesweit zögern Unternehmer aktuell bei Investitionen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht gar von der „Investitionsschwäche Deutschlands“ und sieht als Gründe hierfür, dass vor allem ältere Unternehmen und Unternehmer weniger zu Investitionen neigen, dass zweitens der Staat zu wenige öffentliche Investitionen in Infrastruktur und Bildung tätigt und drittens, dass zu viele Bewilligungsverfahren in Deutschland immer noch zu bürokratisch sind.

Klassische Investitionsdarlehen bleiben der Renner

Mit der zurückhaltenden Bereitschaft in Investitionen ist auch der Fremdfinanzierungsbedarf rückläufig. Das klassische Investitionsdarlehen bleibt die beliebteste Finanzierungsquelle, zunehmend auch in Kombination mit öffentlichen Fördermitteln. Als eine ihrer zentralen Aufgaben im Firmenkundenbereich sieht die Berliner Sparkasse somit für 2018, hier Unternehmen weiterhin zuverlässig zu begleiten und zu beraten – nicht nur in Finanzierungsfragen, sondern ebenfalls bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle.

„Die diesjährigen Ergebnisse unterstreichen, dass die Digitalisierung in vielen Unternehmen der Hauptstadtregion angekommen ist und von einer weitgehend positiven Sicht begleitet wird. Gleichwohl ist die Wahrnehmung einiger Unternehmen durch Unsicherheit über anstehende Veränderungen und zu erreichende Digitalisierungsstandards geprägt.“ Dieser Unsicherheit müsse konsequent entgegengewirkt werden, wozu auch die Berliner Sparkasse einen Beitrag leisten will.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren