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Titel Start-up Liveeo
Bild: LiveEO
Start-up des Monats

LiveEO: Gefahren erkennen über Satellitenbilder

Die LiveEO GmbH behält Infrastrukturnetze mit Hilfe von Satellitendaten und künstlicher Intelligenz im Blick. So lässt sich zum Beispiel Vegetationspflege an Bahngleisen optimieren.

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ie Raumfahrt ist Leidenschaft der Gründer der LiveEO GmbH. Das merkt man schon, wenn man die Räume des Start-up in Kreuzberg betritt: Auf einem Aufkleber an der Eingangstür steigt ein Einhorn in die Höhen des Alls empor.

Satellitendaten nutzen, um etwa die Vegetation an Bahntrassen zu überwachen

Hier in den Büroräumen der LiveEO GmbH werden aber keine abgehobenen Blütenträume verfolgt, sondern handfester Mehrwert für die Kunden generiert. Das erläutert Mitgründer Sven Przywarra an einem Beispiel: Bäume entlang von Bahntrassen können bei Stürmen und starkem Regen auf die Schienen stürzen. Die dadurch verursachten Schäden führen oft zu Betriebsstörungen. Das aktuelle Vorgehen, dies zu vermeiden, sieht oft so aus: „Inspektionsteams fahren oder gehen Bahnstrecken ab und überprüfen sie auf Risikos.

Risikoeinstufung Fuer Strom Und Bahnnetze Liveeo
Bild: LiveEO

Schwache Bäume werden gefällt. Dies ist jedoch zeit- und personalaufwändig“, erzählt der 25-Jährige. Die Geschäftsidee: Infrastrukturnetze sollten von oben überwacht werden – aus dem Weltall. LiveEO, was für live „Earth Observation“ steht, gründete Sven Przywarra 2017 zusammen mit Daniel Seidel. Das Team besteht aus Raumfahrtingenieuren, Geo-Informatikern und Wirtschaftsingenieuren.

Deutsche Bahn setzt auf Expertise des Berliner Start-ups LiveEO

Die Deutsche Bahn konnte als erster Großkunde gewonnen werden. Bei siebzig Prozent ihrer Gleise befinden sich Bäume in der Nähe, mehrere Hundert Störungen durch Äste oder Bäume auf den Schienen gebe es jedes Jahr, erzählt Przywarra. Das ließe sich vermeiden, sind die Macher von LiveEO überzeugt. Die Firma bezieht Satellitendaten und trainiert damit einen Algorithmus. Dieser erzeugt aus den Daten eine digitale Karte der Vegetation.

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Bild: Fotostudio Charlottenburg

Sturmanfällig Bäume identifizieren und präventiv handeln

Entscheidend ist die Analyse der Daten, die ebenfalls von dem Start-up geliefert wird: Erfasst werden der Baumbestand, die Wuchshöhe und der Abstand einzelner Bäume zum Gleis. So werden sturmanfällige Bäume identifiziert, sie können präventiv beschnitten oder gefällt werden. Zum Leistungsspektrum der LiveEO gehört außerdem eine App. Die mit den Rodungsarbeiten beauftragten Arbeiter laden sie auf ihr Handy und sehen somit gleich die Problemanalyse. „Alle Infos haben sie auf der Handfläche. Sie können auch notieren, wie lange der Job gedauert hat, Fotos vom gefällten Baum hochladen und sonstige Notizen machen“, sagt Przywarra. Das Ergebnis: Extremwetterlagen haben weniger Auswirkungen auf das System Schiene. Die Bahn wird pünktlicher und die Fahrgäste zufriedener.

Auch Strom- und Gasnetzanbieter setzen auf „Earth Observation“

Neben der Deutschen Bahn sind unter anderem die E.DIS AG, welche Strom- und Gasnetze betreibt, und Energieunternehmer in Nordamerika, Europa und Australien unter den Kunden. „Earth Observation“, also Erdbeobachtung, sei für viele Unternehmen attraktiv, ist Przywarra überzeugt. Witterungsbedingte Gefahren bestehen nämlich nicht nur an Bahnstrecken, sondern auch an Stromleitungen und Gas- oder Öl-Pipelines.

Überwachung funktioniert auch unterirdisch

Unterirdische Leitungen können überwacht werden, indem LiveEO etwa Baustellen entlang der Leitungen entdeckt oder – kaum zu glauben – Bodenbewegungen im Millimeterbereich identifiziert. Das Bildmaterial stammt von kommerziellen Satelliten-Diensten wie Up42 oder Planet.com und vom öffentlichen europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus.

Benutzeroberflaeche-liveeo
Bild: LiveEO

Geschäftsidee mit ungenutzten Satellitenbildern

Die beiden Weltraum-Enthusiasten und Co-Gründer Sven Przywarra und Daniel Seidel lernten sich bei einer Veranstaltung der Raumfahrtindustrie kennen. Przywarra hat einen Abschluss in Wirtschaftsingenieurswesen von der Technischen Universität Berlin. Sein Mitgründer Seidel hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Ursprünglich planten sie die Entwicklung von Hardware wie Kleinsatelliten für den Einsatz im All. Dann fiel ihnen aber ins Auge, dass große Mengen an Satellitendaten noch kaum sinnvoll genutzt werden, und die Geschäftsidee zu LiveEO war geboren.

Europäische Raumfahrtagentur ESA fördert LiveEO

LiveEO finanzierte sich zunächst aus Gründerstipendien, Wagniskapital und diversen Preisgeldern. Mit einer siebenstelligen Summe beteiligt sich kürzlich auch der Investor Dieter von Holtzbrinck Ventures am Jungunternehmen. Auch die Europäische Raumfahrtagentur ESA fördert LiveEO mit einem sechsstelligen Betrag. In Arbeit ist eine Filiale in den USA. „Mit dem German Accelerator waren wir schon mehrere Monate im Silicon Valley und haben den Markt sondiert“, sagt Przywarra. Aktuell hat LiveEO rund 30 Mitarbeiter. Gesucht werden aktuell Experten für Geo-Informatik und den Vertrieb.

Stetig wachsendes Unternehmen mit klaren Strukturen

Przywarra hat folgenden Tipp für Gründer: „Bei einem schnell wachsenden Team ist es wichtig, Verantwortungen klar abzugrenzen. Am Anfang ist man vielleicht zu fünft, da kommunizieren alle direkt miteinander und sind immer ziemlich auf dem Stand, was die Kollegen machen.“ Bei größeren Teams müsse der Informationsaustausch geregelt sein. Zum Beispiel steht bei LiveEO jeden Freitag eine „Knowledge Sharing Session“ fest im Terminplaner, bei der jeweils ein Kollege seine neuen Erkenntnisse präsentiert, sei es ein neues Software-Tool oder die Ergebnisse einer Fortbildung zur „best practice“ beim Projektmanagement.

Wegen der richtigen Expertise: von der Internetbank zur Berliner Sparkasse

Für die Berliner Sparkasse als Bank ihres Vertrauens entschied sich LiveEO, weil Przywarra und Seidel einen „extrem motivierten“ Berater auf einem Start-up Event kennenlernten. „Vorher waren wir bei einer Online-Bank. Aber als Gründer brauchen wir oft schnelle Antworten und Flexibilität. Das bieten Internet-Banken nicht, das geht nur im persönlichen Kontakt“, sagt Przywarra.

www.live-eo.com

Wachsen mit der Berliner Sparkasse

Start-ups finden bei der Berliner Sparkasse zahlreiche Möglichkeiten für die Finanzierung, Förderung und Beratung. In unserer Serie Start-up des Monats stellen wir die Vielfalt der Unternehmen vor. Hier geht es zu unseren Start-up des Monats >>

Weitere Informationen zum Thema Gründung finden Sie auf: www.berliner-sparkasse.de/gruendung

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