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Titel Start-up Lawio
Bild: Shutterstock
Start-up des Monats

Mieterrechte durchsetzen mit Algorithmen

Das Start-up Lawio hilft Mietern, Forderungen gegen ihren Vermieter geltend zu machen – einfach online.

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ie Geschäftsidee kam Lea Bötticher in ihrer Wohngemeinschaft im Jahr 2017. „Drei Wochen lang hatten wir keine Heizung“, sagt sie. Die Studenten saßen ratlos in ihrer Küche, denn der Vermieter reagierte nicht auf Beschwerden. Wie sollten sie eine Mietminderung durchsetzen?

Modell funktioniert bereits bei Fluggastrechten

In anderen Lebensbereichen gibt es Hilfe: Bei Zug- und Flugausfällen klagen Online-Dienstleister wie Flightright Ansprüche der Geschädigten ein – gegen eine Provision bei Erfolg.

Lea-boetticher
Bild: Lawio

Die Wirtschaftsjuristin Lea Bötticher und ihr Mitstreiter Sebastian Blanke, VWL-Student an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, holten sich IT-Experten und einen Rechtsanwalt aus dem Fachgebiet Mietrecht mit an Bord und ziehen nun etwas Vergleichbares für Mieterrechte auf. Der Name des Unternehmens ist Lawio, zusammengesetzt aus dem englischen Wort „law“ für Recht und „io“, der in der IT-Branche gängigen Abkürzung für Input/Output.

Mieter kennen oft nicht ihre Rechte

Im Oktober 2018 ging die Seite der Lawio GmbH online. Seitdem können dort die 48.000.000 Mieter in Deutschland Informationen rund um das Mietverhältnis und Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte finden. „Hunderte Arten von Mängeln“ könnten Grund für einen Streit mit dem Vermieter sein, sagt Bötticher. Beschwerdegründe reichen von Lärm durch Bauarbeiten über Schimmel in der Wohnung, nicht funktionierende Klingelanlagen bis hin zu defekten Heizungen. Aber um wie viel Euro kann ich als Mieter im konkreten Fall nun meine Mietzahlungen reduzieren? „Es gibt ein enormes Ungleichgewicht zwischen Mieter und Vermieter. Der Vermieter hat meist größere Rechtskenntnisse, eventuell sogar eine eigene Rechtsabteilung. Das wollen wir ändern“, verkündet Mitgründer Sebastian Blanke.

Lawio-website
Bild: Lawio

Mietmangel schnell erläutert

Schon am ersten Tag seien 700 Nutzer auf die Lawio-Seite gekommen. Das Angebot umfasst verschiedene Bereiche. Zum einem gibt es einen Dokumentengenerator, mit dem Betroffene ihre Vermieter über Mängel informieren können. Dazu klicken sie aus einer Liste an, welcher Mangel vorliegt, tippen ihre und die Vermieterdaten ein und bekommen dann ein Dokument per E-Mail zugeschickt. In diesem sind sowohl Absender als auch die Empfängeradresse und der Mangel angegeben. Außerdem beinhaltet das Dokument eine Aufforderung an den Vermieter, den Schaden schnellstmöglich zu beheben. Diese Schadensmeldung ist Voraussetzung für eine eventuelle Mietminderung. „Dies ist aber nur ein erster Schritt“, erläutert Blanke.

Lawio-Nutzung ohne Kostenrisiko

In einem weiteren Schritt prüft eine Software den Anspruch des Mieters und entscheidet, ob ein Klageverfahren Erfolg verspricht. „Wir haben einen Algorithmus entwickelt, der eine Datenbank mit allen Mietrechtsurteilen durchsucht und die Erfolgschance sowie die Höhe der Mietminderung berechnet“, sagt Blanke. Die Lawio GmbH tritt gegebenenfalls mit dem Vermieter in Kontakt und fordert die Zahlung der Mietminderung ein. Nach erfolgreicher Durchsetzung fließt das zurückerhaltene Geld – nach Abzug einer Erfolgsprovision in Höhe von 35 Prozent – an den Mieter. Der Mieter nutzt den Service von Lawio gänzlich ohne Risiko: „Einfach beschrieben ist unser Geschäftsmodell: Wenn Sie nichts bekommen, bekommen wir auch nichts“, erläutert Blanke. „Wir wollen wirklich jedem den Zugang zum Recht ermöglichen – ohne Kostenrisiko.“ Dieses sei nämlich der Grund, dass wenige Mieter tatsächlich ihre Rechte wahrnehmen

Lawio-team
Bild: Lawio

Seit Gründung bereits 1.000 Fälle bearbeitet

Mit Lawio soll nun die Kluft zwischen „Recht haben“ und „Recht bekommen“ geschlossen werden. „Es macht halt beim Vermieter mehr Eindruck, wenn ein Schreiben mit einem Briefkopf der Lawio GmbH kommt“, gibt sich Lea Bötticher überzeugt. Dann würden Vermieter Forderungen ernster nehmen. Auch habe sie die Erfahrung gemacht, dass die Vermieter durchaus froh über sachliche, ordnungsgemäß formulierte Schreiben bei Reklamationen seien. Das mache für sie schließlich die Bearbeitung auch einfacher. Bis jetzt hat Lawio rund 1.000 Fälle bearbeitet.

Die Entscheidung für die Berliner Sparkasse als Finanzierungspartner fiel den Gründern der Lawio GmbH leicht. „Unser Ansprechpartner von der Sparkasse hat selber auch einmal ein Unternehmen an den Start gebracht, das macht die Zusammenarbeit einfacher. Er weiß, worauf es beim Gründen ankommt: Jederzeit ist er erreichbar, und Prozesse werden schnell abgewickelt“, lobt Bötticher. Rasche Entscheidungen und Abläufe entsprechen den Bedürfnissen ihres Start-up Unternehmens. Insgesamt haben sich fünf junge Menschen mit Lawio an das Wagnis Gründung gemacht: Die Geschäftsführer Sebastian Blanke und Lea Bötticher bilden die Führungsmannschaft mit Timo Kühnel, der als Fachanwalt für Miet- und Wohneigentumsrecht den Rechtsbereich von Lawio verantwortet. Ebenfalls dazu zählen die Mathematikerin Julia Baumbach, zuständig für Finanzen, und Alessandro Bartsch, der als Chief Technology Officer die technische Umsetzung von Lawio überwacht. Neben guter Beratung durch die Berliner Sparkasse erhielt das Lawio Team weiteren Rückenwind, als es sich das Berliner Startup Stipendium und damit Mittel der Europäischen Union und des Landes Berlin sichern konnte. Außerdem waren die Gründer in einem Inkubator-Programm, wo sie viel für ihren weiteren Weg gelernt haben. „Es war extrem hilfreich, über unser Konzept zu sprechen und möglichst viel Feedback zu erhalten“, sagt Blanke. Das ist auch sein Tipp für angehende Gründer: Nicht lange im stillen Kämmerlein brüten und sich aus Angst vor Ideendieben bedeckt halten, sondern mit möglichst vielen Menschen das Konzept durchdiskutieren. Der große Durchbruch gelang den Lawio-Gründern vergangenes Jahr, als sie einen siebenstelligen Betrag von einem Investoren einwerben konnten. Seitdem ist die Lawio GmbH „ständig“ auf der Suche nach Verstärkung, aktuell für das Marketing-Team.

www.lawio.de

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Weitere Informationen zum Thema Gründung finden Sie auf: www.berliner-sparkasse.de/gruendung

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