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Titel Software Aus Berlin
Macht die Musik: Mit der Software »Live« von Ableton basteln weltweit Profis wie Hobbymusiker am perfekten Sound. Bild: Rasmus Norlander
IT Start-ups

Smarte Software aus Berlin

Berlins IT-Sektor wächst und wächst. Ansässige Unternehmen und Start-ups locken zahlreiche Programmier-Experten in die Hauptstadt. Das Resultat kann sich sehen lassen: Berlin zählt mittlerweile auch im Softwarebereich zu den Innovationsmetropolen in Europa.

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lle 20 Minuten wird in Berlin ein Start-up gegründet, mehr als 80.000 Entwickler arbeiten in der Hauptstadt, knapp 10.000 IT-Unternehmen sind hier ansässig – kein Wunder, dass Berlin im Bereich technologische Innovationen als einer der deutschen Hotspots gilt. Die immer schneller voranschreitende Digitalisierung verstärkt den Effekt: Nahezu jede Branche ist darauf angewiesen, mit den technologischen Entwicklungen Schritt zu halten, bestenfalls der Konkurrenz voraus zu sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch die Möglichkeiten des technisch Machbaren steigen fortwährend. Daraus entwickelt haben sich eine Reihe neuer, spannender Geschäftsfelder, Dienstleistungen und Produkte.

Von A wie Ableton bis Z wie Zalando

Berlin schafft Innovationen. Ob vertikaler Indoor-Garten oder autonomes Fahrzeug, Animations-Software oder virtueller Marktplatz – die Bandbreite der technischen Möglichkeiten scheint endlos zu sein. Pionier auf dem Gebiet der Musikproduktions-Software ist seit bald zwei Jahrzehnten die Ableton AG. 1999 gegründet, zählt das Unternehmen heute zu den international führenden Anbietern. Künstler wie Depeche Mode oder Daft Punk, Musikproduzenten oder große Schauspielhäuser nutzen die Produkte von Ableton, genauso wie ambitionierte Hobbymusiker.

Jan Bohl
Digitale Instrumente: Ableton-Vorstand Jan Bohl hat aus dem Berliner Softwarepionier in der Musikproduktion auch einen Hardware-Anbieter gemacht. Musikstücke können so eingespielt, verändert und abgemischt werden. Bild: Promo

Kernprodukt der ersten Stunde ist die Software »Live«, ein Musikproduktions-Allrounder, mit dem Musikstücke entwickelt, komponiert, finalisiert und auf die Bühne gebracht werden können. „Wir sind ein moderner Musik­instrumenten­hersteller“, erklärt Jan Bohl, kaufmännischer Vorstand von Ableton. „Wir sehen uns wirklich in der Tradition von klassischen Instrumentenbauern – nur eben in digitaler Ausführung“.

Komponieren für Laien

Seit 2012 vertreibt das Unternehmen mit dem Tool »Push« auch Hardware. »Push« ist ein Instrument, auf dem mithilfe der »Live«-Software in Echtzeit Beats, Melodien, Effekte und Samples eingespielt, aufgerufen, verändert und geladen werden können. Mit dem dritten Produkt von Ableton, »Link«, können verschiedene elektronische Instrumente über ein lokales Netzwerk synchronisiert werden – so entfällt die mühsame Einrichtung und man kann sich voll und ganz auf das Musikmachen konzentrieren.

Während »Live«, »Push« und »Link« als Bestandsprodukte fortwährend verfeinert und aktualisiert werden, ist das Unternehmen seit Kurzem zusätzlich auch im Bereich »Musical Education« aktiv. Mit »Learning Music« kann jeder Laie auch ohne Vorkenntnisse zum Komponisten werden und sein eigenes Stück kreieren. Die Betaversion ist gratis und kann von jedermann frei getestet werden. Unter learningmusic.ableton.com werden Hobbymusiker intuitiv durch alle Benutzertools geführt und lernen so beinahe spielerisch alle Basics des Musikmachens.

Gut vernetzt ist halb verrechnet

Vergleichsweise neu auf dem Markt, aber gleichermaßen auf Erfolgskurs befindet sich die CANDIS GmbH – ein junges Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Buchhaltung zu revolutionieren. Das Start-up entstand praktisch aus der Not der Gründer heraus, die in ihren früheren Unternehmen mit den Tücken der Buchhaltung zu kämpfen hatten.

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Helfen bei der Buchhaltung: Das Team des Berliner Start-ups CANDIS unterstützt Firmen mit automatisierten Finanzprozessen und mehr Durchblick. Bild: Promo

„Wir hatten die Buchhaltung an den Steuerberater outgesourct, trotzdem mussten wir alles selber machen – super nervig, super zeitaufwändig“ berichtet Christopher Becker, einer der drei Gründer des Unternehmens. Und da es kein vergleichbares Produkt auf dem Markt gab, beschlossen die jungen Unternehmer kurzerhand, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Mit Erfolg: Nach dem Sieg beim Bankathon 2015, Europas größtem Fintech-Hackathon, investierten verschiedene Unternehmen in das Start-up und die ersten interessierten Kunden klopften an.

CANDIS hat eine Software entwickelt, die Unternehmen hilft, Finanzprozesse zu automatisieren. Steuerberater und Buchhalter können so Geschäftsvorfälle besser verstehen. Die Software des Start-ups verknüpft alle Datenquellen des Nutzers, zieht Belege aus Online-Accounts, zeigt offene Verbindlichkeiten sowie Forderungen an und erstellt automatisch Buchungssätze.

„Eigentlich alles automatisch“

Belege und Transaktionen werden von CANDIS gesammelt, zugeordnet und periodisch sortiert, sodass der Nutzer eine perfekte Übersicht über die Finanzen seines Unternehmens erhält. Zudem macht die intelligente Software automatisch Überweisungs- und Buchungsvorschläge, Überweisungen können mit einem Klick getätigt, Daten mit einem Klick angefragt und übergeben werden.

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Alle Posten immer im Blick: CANDIS erledigt typische Buch­hal­tungs­vorgänge fast von allein und spart so bis zu 80 Prozent Zeit. Bild: Promo

Auch das Übertragen der Daten in andere Buch­hal­tungs­systeme ist problemlos möglich, denn es besteht eine DATEV-Schnittstellen-Partnerschaft, CANDIS ist also komplett DATEV-kompatibel. „Du verknüpfst einmal alle deine Datenquellen und dann macht CANDIS eigentlich alles automatisch“, bringt Becker es auf den Punkt.

Die Szene boomt

  • 2,2 Milliarden Euro wurden in der ersten Jahreshälfte 2017 in deutsche Start-ups investiert – mehr als zwei Drittel davon gingen an Berliner Jungunternehmen.
  • Jeder zehnte Gründer eines deutschen Start-ups stammt aus aus dem Ausland.
  • 42 Prozent der Mitarbeiter in Berliner Start-ups kommen aus dem Ausland.
  • Knapp 25 Prozent der Start-ups haben einen Kickertisch im Büro.
  • Etwa drei Viertel aller Start-ups werden im Team gegründet.
  • Hamburg hat mit 23,3 Prozent den größten Anteil an weiblichen Gründern.
  • München liegt mit 8,1 Prozent ganz hinten.

Sparen mit der Sparkasse

Die Kundengruppe von CANDIS ist breit gefächert. „Die Software ist für alle Unternehmen interessant, die ihre Buchhaltung über einen Steuerberater machen lassen“, so Becker, „von der Arztpraxis über das Start-up bis hin zur Kletterhalle ist alles dabei“. CANDIS gibt es in unterschiedlich großen Paketen, die den verschiedenen Anforderungen, Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten der Kunden entgegenkommen.

Firmenkunden der Berliner Sparkasse profitieren von zusätzlichen Extra-Konditionen: Bei Anmeldung unter candis.io/berliner-sparkasse erhalten sie einen lebenslang gültigen Rabatt von 10 Prozent sowie kostenfreien Premium-Support und gratis Zugriff auf sämtliche Weiterbildungsressourcen. Denn die Berliner Sparkasse war schon von Anfang an nicht nur Hausbank der Gründer, sondern auch Partner und Multiplikator: „Wir haben alles super schnell mit unserem Kundenberater besprechen und abwickeln können“, berichtet Becker. „Er hat uns auch mit auf Events genommen, so dass wir hier direkt eine Plattform für CANDIS bekommen haben“. Und das nächste Projekt ist auch schon in den Startschuhen: Derzeit forscht CANDIS, gemeinsam mit einem Team der Berliner TU, im Labor für künstliche Intelligenz zum Thema Cashflow-Vorhersage.

Gut gegründet: Der Spezialist Till Willebrand aus dem FirmenCenter Gründung und Nachfolge der Berliner Sparkasse erklärt, was Start-ups zum Start wissen müssen. Hier geht’s zum Interview.

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