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Titel Interview Stefanie Sabet
Bild: Christoph Assmann
Lebensmittelbranche

»Eher vom Wetter als von der Wirtschaftslage abhängig«

Stefanie Sabet, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), über Trends und Wettbewerb bei Lebensmitteln.

Gegessen und getrunken wird immer. Ist die Lebensmittelbranche die krisensicherste Branche überhaupt, Frau Sabet?
Die Ernährungsindustrie ist in der Tat sehr konjunkturstabil.
Wir sind weniger von der globalen Wirtschaftslage abhängig, eher vom Wetter. Mit bundesweit 180 Milliarden Euro Jahresumsatz, gut 610.000 Beschäftigten und 6.100 Betrieben liegt unsere Branche mit ihren Kennzahlen auf Platz 4 in der deutschen Wirtschaft: hinter der Automobil-Branche, dem Maschinenbau und dem Elektro-Bereich.

Wie hart gestaltet sich der Wettbewerb?
Schon sehr hart. Es gibt seit Jahren einen Konzentrationsprozess. Wer sich im Markt behaupten will, muss sehr fleißig sein. Das ist ein hartes Brot. Die Branche durchlebt einen Wandel. Es gibt inzwischen eine größere Effizienz in der Produktion, andere Vertriebsmöglichkeiten, mehr Transparenz in der Lieferkette und gestiegene Anforderungen der Verbraucher. Das können manche der kleineren Unternehmen nicht mehr leisten.

Worauf achten die Verbraucher im Spannungsfeld zwischen Geschmack, Genuss und Gesundheit am meisten?
Das Produkt muss schmecken, das ist weiterhin das wichtigste Kaufkriterium. Die Menschen geben mehr Geld als früher für Lebensmittel aus. Viele achten verstärkt auf Gesundheit und Nachhaltigkeit. Das Bewusstsein, weniger Lebensmittel als früher wegwerfen zu wollen, wird immer ausgeprägter.

Unterscheidet sich das Konsumverhalten in Großstädten von dem auf dem Land?
In den ländlichen Gegenden ist der regionale Bezug stärker. In Großstädten, wo es schnelllebiger und jünger zugeht, kommen Ernährungstrends schneller an. Die Lust auf Neues ist dort größer.

Wie attraktiv ist Ihr Sektor für Neu- und Quereinsteiger?
Wir haben bundesweit etwa 33.000 Azubis und 20 anerkannte duale Ausbildungsberufe. Unsere Branche lebt von ihrer Heterogenität: Es gibt größere Unternehmen, viel Handwerk, zunehmend mehr Start-ups und einen hohen Grad an Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Sparten. Dass die Branche so stabil ist, macht sie attraktiv.

Neben ihrem Engagement beim Branchenverband BVE ist Stefanie Sabet auch Hauptgeschäftsführerin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG).

Die Lebensmittelbranche hat in Berlin eine lange Tradition und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Neben Supermärkten und Ernährungsindustrie müssen auch Handwerksbetriebe wie Bäcker und Fleischer mit der Zeit gehen. Lesen Sie über zwei engagierte Meister in unserem Report „Hunger auf Qualität und Nachhaltigkeit“ >>

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