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Titel Bauelemente
Bild: Jörg Oberwittler
Gründer-Portrait

Hüter des versunkenen Schatzes

Olaf Elias sammelt historische Bauelemente, größtenteils aus der ehemaligen DDR. Sogar Film-Produktionen kaufen bei ihm ein. Aber auch Berliner, Japaner und New Yorker greifen zu. Nun wird die Firma 25 Jahre alt. Partner von Beginn an: die Berliner Sparkasse.

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Ob alte Bronze-Köpfe, Statuen oder Mauerstücke: Ein Spazier­gang über das Gelände begeistert Sammler. Bild: Jörg Oberwittler

Das Paradies für Schatzjäger, Entdecker und Sammler liegt kurz hinter der Stadtgrenze, nordöstlich von Berlin in Marwitz. Auf 23.000 Quadratmetern finden Liebhaber historischer Bauelemente annähernd alles, um ihre Immobilie zu verschönern: Fenster aus der Zeit um 1900, historische Türen, Eisen-Gestelle, kleine Engels-Putten oder Bronzeköpfe für den Garten. Sogar ein alter Familienbunker aus dem Zweiten Weltkrieg steht zum Verkauf. Wer kauft bitteschön einen Bunker? „Der ist in der Tat schon verkauft“, winkt Olaf Elias ab und lacht. Den Verkäufer darf er nicht nennen, nur so viel: es wird ein Museum.

Kundenkreis bis nach Japan

Vom Museum, über den einfachen Hausbesitzer bis zum professionellen Interieur-Designer – sie alle schauen bei Olaf Elias vorbei. Bis nach New York, Saudi-Arabien und Tokio reicht sein Kundenkreis. Sie stöbern auf der gut gestalteten Internetseite nach alten Schätzen oder streifen durch die Hallen und Wege vor Ort. Altes mit Neuem zu mischen, liegt weltweit im Trend. Auch in Berlin bauen Wohnungsbaugesellschaften wieder alte Flügeltüren ein, weil Interessenten es so mögen.

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Und ebenfalls Stücke der alten Mauer. Mit ihr fing der Werdegang als Verkäufer von historischen Bauelementen an. Bild: Jörg Oberwittler

Das Gelände mit ehemaligen Ställen und großzügigen Freiflächen erinnert an ein Museum oder einen verwunschenen Garten aus einer anderen Zeit – wären da nicht die Preisschilder, die an allen Objekten hängen. In der großen Verkaufshalle mit den Büroräumen klebt Olaf Elias noch letzte Preisschilder an Tische, die er kürzlich gekauft hat. Im Kamin knistert das Holz, seine Assistentin bereitet einen frischen Kaffee an der Espresso-Maschine zu. Eine Taube hat sich in die große Halle verirrt und flattert unruhig von einer Seite zur anderen. Schließlich landet sie auf einem drei Meter hohen Brandenburger Tor aus Pappe.

Sogar Hollywood-Produktionen zeigen die Bauelemente

Das stamme von Friede Springers Geburtstag, erzählt Olaf Elias, der inzwischen vor dem Kamin Platz genommen hat. Ein großer Mann mit kräftigem Händedruck, stilsicherer blauer Steppjacke, aufgekrempelter Chino-Hose und weißem Schal. Vielleicht sei das mal was für ein Filmset. Olaf Elias Stücke standen bereits in großen Hollywood-Produktionen, wie „The Monuments Men“ mit George Clooney und „Operation Walküre“ mit Tom Cruise, beide im Studio Babelsberg in Potsdam gedreht.

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Sogar ein alter Familienbunker steht zum Verkauf – und hat bereits einen Abnehmer gefunden. Bild: Jörg Oberwittler

„Für viele ist das Gelände wahrlich ein Schlaraffenland“, berichtet der 48-Jährige. Sogar hochrangige Politiker würden manchmal hierher fahren und durch die Hallen flanieren, um einfach nur zur Ruhe zu kommen. Namen nennt er nicht. Auch beim Ursprung mancher historischer Stücke ist er sehr diskret. Wenn irgendwo ein historisches Hotel aufgelöst wird, Erben eine Villa ausräumen, Bauherren einen Altbau kernsanieren – dann rufen sie Olaf Elias an, der ihnen die Stücke abkauft oder manchmal schlicht die Bergungskosten übernimmt.

Der Mauerfall wurde sein Arbeitgeber

Der gebürtige Frohnauer hat Philosophie und Geschichte studiert; jahrzehntelang schaute er auf die Berliner Mauer, dann fiel sie 1989 – und wurde sein Arbeitgeber. Denn dahinter kamen wahre Schätze zum Vorschein. Das „Biedermeierliche der DDR“, nennt es Olaf Elias: „Überall gab es noch die alten Türen, Fenster, Eisenelemente aus der Zeit um 1900, sogar ganze Badeanstalten und Bahnhöfe sahen noch so aus wie vor 100 Jahren.“ Seine erste Tür lagerte er noch im Keller seiner Eltern, die ihn von Beginn an unterstützten. Sein Bruder hilft bis heute im Unternehmen mit.

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Mehr als 3.000 historische Türen lagern in der Türenhalle. Bild: Jörg Oberwittler

Über die Jahre wuchs der Familienbetrieb beständig, aus zwei Standorten im brandenburgischen Eichstädt und benachbarten Vehlefanz wurde einer heute in Marwitz auf dem Gelände eines ehemaligen DDR-Schweinekombinats. Die Sanierung war aufwändig und eine Herausforderung. „Die Sparkasse ist von Kindesbein an mein Begleiter und hat mich hierbei sehr unterstützt. Phasenweise habe ich aber auch mit ihr gehadert, weil sie mir zu wenig innovativ war. Das hat sich seit etwa fünf Jahren aber radikal geändert“, erzählt Olaf Elias, der mittlerweile mit seiner Familie in Charlottenburg wohnt. Heute freut er sich über die persönliche und engagierte Betreuung durch seinen Kundenberater, der für ihn ein wirklicher Fürsprecher in der Bank sei. „Ich finde es wichtig, dass eine Ortsbank auch wirklich vor Ort arbeitet. Damit meine ich, den persönlichen Kontakt pflegt und auch bei uns immer wieder vorbeischaut, um zu sehen, was wir hier aufgebaut haben.“

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    Sogar alte Auto-Fahrgestelle verkauft Olaf Elias. Jörg Oberwittler

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    Der 48-Jährige veräußert viele Stücke, die sich einst hinterm Eisernen Vorhang befunden haben. Jörg Oberwittler

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    Olaf Elias (rechts) mit Mitarbeiter. Bei der Vergrößerung seiner Firma half ihm die Berliner Sparkasse als Hausbank. Jörg Oberwittler

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    Sammler können auf dem Gelände in Marwitz persönlich vorbeischauen oder ausführlich auf der Internetseite stöbern. Jörg Oberwittler

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    So mancher findet hier eine Rarität für seinen Garten und seine vier Wände. Der Trend zu Altbau und Vintage sorgt für eine große Nachfrage. Jörg Oberwittler

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    „Darf’s noch etwas sein?“ Eine alte Waage erinnert an den Besuch der Fleisch- bzw. Käsetheke. Jörg Oberwittler

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    Sogar Hinterlassenschaften aus den ehemaligen Sowjet-Kasernen hat Olaf Elias bewahrt. Jörg Oberwittler

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    Lenin und Co. sollten aus seiner Sicht auch den nachfolgenden Generationen erhalten bleiben. Am besten geschehe dies, wenn sie in neue Immobilien eingebunden werden. Jörg Oberwittler

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    Die Helme, Passbilder und Notizen erzählen teils sehr persönliche Geschichten. Jörg Oberwittler

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    Ein Schaukelpferd wartet auf ein neues Zuhause. Jörg Oberwittler

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    Gewölbtes und eingefärbtes Glas – schon vor 100 Jahren eine Kostbarkeit. Kein Wunder, dass Kunden hier die Gelegenheit nutzen. Jörg Oberwittler

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Dingen eine „zweite Heimat“ geben

Das zeigt er gern bei einem Rundgang. In einer Halle stehen Tische, die sein Handwerker-Team aus ehemaligen Dielen zusammenbaut. Nebenan dröhnt die Schleifmaschine, mit der ein Handwerker aus Elias 14-köpfigem Team die alten Hölzer abschleift. Aus einer einstigen Bahnhofsschiebetür wird so zum Beispiel ein neuer Esstisch. Aus den abgewetzten Platten einer Turnhalle neue Sitzhocker. „Wir schlagen den Holzwürmern quasi den Kopf ab“, scherzt der Handwerker und ergänzt dann doch seriös, dass die alten Hölzer vor dem Verarbeiten gründlich behandelt und getrocknet werden, damit ein Tisch keine unerwünschten Gäste mitbringt. Weiter geht es in die Türenhalle mit rund 3.500 alten Türen, teils mit aufwändigen bunten Fenstern oder gar gebogenen Hölzern. „Wer stellt heute noch so etwas her?“, fragt Olaf Elias. Das zu bewahren, Dingen eine „zweite Heimat“ zu geben – das treibe ihn an.

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Das 23.000 Quadratmeter große Gelände erinnert an ein Museum. Wären da nicht die Preisschilder an jedem Exponat. Bild: Jörg Oberwittler

In einer weiteren Halle zeigt er auf die Stücke aus einer aufgelösten russischen Kaserne. Alte Mützen, Lenin-Bilder, Fotos von Offizieren in Uniform, bunte Fenstergläser mit kommunistischen Symbolen – das alles liegt dort wie in einem Museum. „Wenn wir das vernichten, endet auch die Erinnerung. Wenn wir diese Dinge aber in neue Gebäude einbauen, zum Beispiel diese Fenster in eine Jugendherberge – dann können auch noch junge Menschen 20 oder 30 Jahre später begreifen, wie die sowjetischen Soldaten damals in Berlin gelebt und gedacht haben“, erklärt Olaf Elias.

Er hofft, dass sein Sohn (18) und seine Tochter (15) den Betrieb mal übernehmen werden. „Beide zeigen durchaus Interesse. Die wollen aber auch erst mal etwas von der Welt sehen.“ Es dürften folglich noch einige Jahre vergehen, bis die Vergangenheit ihre Zukunft wird. Noch ganz viel Zeit also für Olaf Elias, selbst der Hüter des versunkenen DDR-Schatzes zu bleiben.

Historische Bauelemente

Bärenklauer Weg 2 / Ritterstraße
16727 Maiwitz
Telefon: 03304/50 22 42

www.historische-bauelemente.com

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag 10 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung
Sonntag und Montag geschlossen

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