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Titel Lexikon
Bild: Shutterstock
Finanzbegriffe

Endlich verständlich

Was meint „Bail-out“, was „Obligation“ – und was ist eigentlich ein „Hedge-Fonds“: Sparkassen-Expertin Susanne Kolbow übersetzt Finanzbegriffe. Einfach, verständlich.

Bail-out

Rettungsschirm

Sicherlich haben Sie den Begriff „Bail-out“ schon oft gehört oder gelesen. Insbesondere in der letzten Finanzkrise, in der die europäischen Staaten vielen ihrer Banken geholfen hatten, wurde oft vom Bail-out gesprochen. Aber auch in dem europäischen Vertrag von Maastricht ist vom Bail-Out die Rede, dort allerdings zwischen den Staaten der Währungsunion strikt untersagt. Aber was genau ist das denn nun, Bail-out? Mit Bail-out (deutsch: „mit dem Fallschirm abspringen“ / „aus der Klemme helfen”) ist die Übernahme von Schulden oder der Tilgung durch Dritte gemeint, also von jemandem, der nicht Beteiligter des ursprünglichen Vertrages ist. Auch die Übernahme von Bürgschaften fällt darunter.
Soll ein privates oder staatliches Unternehmen vor Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bewahrt werden, erfolgt dies oft durch den Staat, andere staatliche Institutionen oder auch zum Beispiel durch den Internationalen Währungsfonds. Entscheidet sich der Staat zu einer solchen meist in der Öffentlichkeit recht umstrittenen Maßnahme, sollen negative Auswirkungen der (Unternehmens-)Krise auf die gesamte Volkswirtschaft gemindert oder komplett verhindert werden. Bail-outs sind in der Regel zeitlich begrenzt.

Big Data

Big Data

Sie kennen das sicherlich: Sie sehen sich im Onlineshop ein Produkt an und es werden Ihnen weitere angeboten, immer mit dem Hinweis: „andere Kunden kauften auch …”. Dies ist nur eine Möglichkeit zur Nutzung von „Big Data”. Denn große Mengen an Daten sind in nahezu jedem Unternehmen vorhanden. Oft sind es riesige Mengen in verschiedenen Datentypen und Qualitäten, in denen vielfältiger unternehmerischer Mehrwert stecken kann.

Die großen Datenmengen können in aller Regel nicht mehr manuell ausgewertet werden, sondern werden digital verarbeitet. Da hier nicht einzelne Personen, sondern die Daten von vielen Personen im Fokus stehen, lassen sich bei der Auswertung Muster ableiten, und das in Echtzeit. Für Unternehmen können sich hieraus zum Beispiel Einsparpotenziale ergeben, aber auch neue Geschäftsfelder, weitere Ansätze in der Marktforschung oder, wie anfangs erwähnt, die Möglichkeit, passgenaue Produkte und Lösungsansätze für eine spezielle Zielgruppe anzubieten. Ein Vorteil, den viele Kunden der Berliner Sparkasse schätzen und von ihrer Hausbank auch erwarten.

Blockchain

Blockchain

Es ist der nächste große Trend in der Tech- und Finanzwelt, aber nur die wenigsten können beschreiben, was Blockchain wirklich bedeutet. Dabei stammt die Idee eigentlich aus den Anfängen des Internets, es dauerte aber bis 2008, bis die erste Blockchain (also „Kette von Blöcken”) zuverlässig arbeitete. Diese bildet den technologischen Unterbau für die heute viel diskutierte Kryptowährung Bitcoin.

Für Laien ist das Prinzip zunächst schwer zu verstehen: Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, die sicher und transparent auf Tausenden von privaten Computern abgespeichert und fortgeschrieben wird. Darin findet sich beispielsweise die vollständige Liste aller Transaktionen, die hintereinander in verschlüsselten Blöcken angeordnet sind. Die Vorteile: Es gibt erstens keinen zentralen Server und zweitens ist eine Manipulation ausgeschlossen.

Oder als ganz einfaches Bild: Michael übergibt Stefanie 100 Euro – und dabei sehen einige Tausende Leute zu. Sie bestätigen, dass Michael das Geld wirklich Stefanie gegeben hat und auch, wie hoch der Geldbetrag war. Für dieses sichere Buchführungssystem sind in Zukunft viele Anwendungen denkbar, von Finanztransaktionen bis hin zu notariellen Verträgen.

Coworking Space

Pictogramm Coworking

Was machen junge Unternehmer oder Freiberufler, die sich kein eigenes Büro leisten können oder wollen? Oder Menschen, die mit unternehmens- oder sogar branchenfremden Experten zusammenarbeiten wollen, um neue kreative Lösungen zu finden? Was machen Unternehmen, wenn sie für große Projekte viele externe Mitarbeiter benötigen, aber keine Büroräume mehr zur Verfügung haben? Ganz einfach, sie mieten sich auf Zeit in ein sogenanntes Coworking Space ein.

In diesen Großraumbüros werden Schreibtische, in der Regel inkl. Nutzung von technischer Infrastruktur wie Drucker oder WLAN, aber auch Besprechungs- und Sozialräume, für kurze Zeit zur Verfügung gestellt. Die Mieter arbeiten hier teils unabhängig jeder für sich, können aber auch an gemeinsamen Aufgaben und Projekten tätig werden. So bilden sich Gemeinschaften, die durch verschiedene Aktivitäten unterstützt werden. Ein weiterer Pluspunkt für die Coworking Spaces sind die geringeren Kosten. Ein eigenes Büro mit voll ausgestattetem Arbeitsplatz kostet deutlich mehr. Dazu kommt die flexible Nutzungsmöglichkeit. Manch ein Unternehmen schickt sogar eigene Mitarbeiter vorübergehend in Coworking Spaces, um die dort vorhandene Kreativität zu nutzen.

Diversifikation

Diversifikation

Mit einer einzigen Geschäftsidee kann man überaus erfolgreich sein. Red Bull hat so Milliarden verdient. Was aber, wenn der Verbrauchergeschmack sich ändert oder die Konkurrenz besser oder billiger ist? Dann ist es hilfreich, durch Diversifikation das Geschäft durch neue Produkte oder die Erschließung neuer Märkte breiter aufzustellen. Beim Lancieren einer weiteren Limonade würde der Brausehersteller horizontal, bei der Erweiterung der Wertschöpfungskette, beispielsweise durch die Vermietung von Getränkeautomaten, vertikal diversifizieren.

Ein schönes Beispiel unter deutschen Markenartikeln ist Nivea: Aus der ikonischen Hautpflegecreme entwickelte der Beiersdorf-Konzern eine breite Palette von Pflegeprodukten. Auch die Berliner Sparkasse hat ihr Angebot in der 200-jährigen Geschichte diversifiziert: Anfangs bot sie Sicherheit und Zinsen für die Ersparnisse, heute ist sie eine moderne Universalbank und berät ihre Kunden in allen Finanzfragen. Übrigens auch in Sachen Geldanlage, bei der die Berater eine Diversifikation des Vermögens, also die Streuung auf mehrere Anlageobjekte, empfehlen.

Freihandel

Symbolbild Freihandel

Über Jahrzehnte, nein, Jahrhunderte war es eine unumstößliche Weisheit: Der Wohlstand aller Länder wächst nachhaltig, wenn sie untereinander freien Handel treiben. Wenn also alle staatlichen Beschränkungen, Zölle oder Devisenhemmnisse abgeschafft oder zumindest minimiert werden. Oft wird dies durch Freihandelsabkommen zwischen Staaten und Regionen geregelt.

Erste Theorien zum Freihandel hatte der britische Wirtschaftswissenschaftler David Ricardo 1817 veröffentlicht. Die Idee: Wenn die Nationen in einem fairen Wettbewerb stehen, führt das am Ende zu einer optimalen, für alle einträglichen Arbeitsteilung. Doch diese liberale Wirtschaftsordnung hat mächtig Gegenwind. Die rasante Globalisierung sorgt für Verunsicherung, populistische Regierungen punkten mit den Versprechungen des Protektionismus.

In Trumps „America first“-Politik zählen die alten Weisheiten bekanntlich nichts mehr, er will seine heimischen Unternehmen durch enorme Zölle vor ausländischer Konkurrenz schützen. Diese Handelsschranken und die provozierten Gegenzölle werten die meisten Experten als große Gefahr für die derzeit brummende Weltwirtschaft.

Globalisierung

Globalisierung

Über kaum ein Wirtschaftsthema wird so emotional diskutiert: Die einen verbinden mit der Globalisierung weltweites wirtschaftliches Wachstum und die Annäherung der Kulturen. Andere hingegen befürchten durch die Dominanz der Industrieländer und Konzerne eine zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich sowie den Verlust regionaler Vielfalt.

Fest steht: Durch neue digitale Kommunikationsmöglichkeiten, durch die Effizienzsteigerung in der weltweiten Logistik und durch rasantes Bevölkerungswachstum hat sich die Vernetzung und Zusammenarbeit der Volkswirtschaften in kurzer Zeit mehr und mehr intensiviert.

Dieser Austausch und die globale Arbeitsteilung ermöglichen es im besten Falle allen Beteiligten, Wohlstand aufzubauen: Beispielsweise werden Konsumgüter für Endverbraucher günstiger und auch kleine Firmen oder Länder können am Welthandel teilnehmen. Die Herausforderungen der Zukunft bestehen darin, dass durch gesteigerte Transparenz und Solidarität die Bedingungen der internationalen Zusammenarbeit fair aufgestellt werden. Dann wird die Globalisierung eine Win-win-Situation für alle.

Hedge-Fonds

Hohes Risiko

Viele Menschen haben das Bild einer gefräßigen Heuschrecke vor Augen, wenn sie „Hedge-Fonds“ hören. Heuschrecken, die gesunde Unternehmen kaufen, ausplündern und dann zerschlagen. Aber was sind denn Hedge-Fonds wirklich? Ein Hedge-Fonds ist grundsätzlich ein Investment-Fonds, der in der Regel sehr hohe Renditen erwirtschaften will. Hierfür nehmen die Anleger auch ein höheres Risiko in Kauf.

Hedge-Fonds werden aktiv verwaltet. Das heißt: Die Fondsmanager stecken die Gelder der Anleger nicht in eine Anleihe und warten dann, bis diese fällig wird. Sie kaufen und verkaufen die Anlageobjekte je nach Marktlage, möglichst jedoch mit Gewinn. Teils werden neben den Geldern der Anleger auch Kredite aufgenommen und diese mit angelegt. Teils werden auch Leerverkäufe getätigt. So können für die Anleger höhere Renditen erzielt werden. Die Anlagen können in verschiedenen Objekten wie zum Beispiel Aktien, Immobilien, Devisen oder Derivaten erfolgen.

Dach-Hedgefonds legen die Gelder der Anleger wiederum in einzelnen Hedge-Fonds an. In Deutschland sind ihnen bestimmte Geschäfte wie zum Beispiel Leerverkäufe verboten.

Moral Hazard

Moral Hazard

Im Zusammenhang mit der Vertiefung der Eurozone oder der Bankenunion wird oft der Begriff Moral Hazard genannt. Er stammt ursprünglich aus der Versicherungswirtschaft und bedeutet wörtlich übersetzt „moralisches Risiko” und bezeichnet ein leichtsinniges oder verantwortungsloses Verhalten einer einzelnen Person, das aufgrund eines ökonomischen Fehlanreizes gefördert wird.

Anders ausgedrückt: wenn ein Mensch für sein potenziell risikoreiches und/oder kostspieliges Verhalten nicht individuell geradestehen muss, sondern die Folgen, insbesondere auch die finanziellen Folgen, beispielsweise von einer Gemeinschaft, auch Versicherung, übernommen werden. So wird das Risiko des Einzelnen zu einem Risiko für die Gemeinschaft, ohne dass diese Einfluss auf das Handeln der einzelnen Person nehmen kann.

Wir alle kennen die Maßnahmen der Versicherungswirtschaft, um den Moral Hazard zu verringern: Neben vertraglich vereinbarten Verpflichtungen zu einem bestimmten Verhalten und deren Prüfung im Schadensfall gehören die Selbstbeteiligung der einzelnen Versicherten bei einem Schaden ebenso dazu wie auch Bonussysteme, mit denen das gewünschte risikoarme Verhalten belohnt wird.

Nachhaltiges Wirtschaften

Symbolbild Nachhaltigkeit

Schokolade aus fair gehandeltem Kakao, T-Shirts aus Biobaumwolle, naturbelassene Kosmetik: Immer mehr Produkte und Dienstleistungen werben mit ökologischer und sozialer Verantwortung im Herstellungsprozess, beim Vertrieb, bei Belegschaft oder Lieferanten.

Das Prinzip des nachhaltigen Wirtschaftens hat sich seit der ersten Formulierung auf einer UN-Konferenz 1992 zu einem Megatrend entwickelt. Die meisten Unternehmen bekennen sich nun mehr oder weniger zum Leitgedanken der verantwortungsvollen Ressourcennutzung, ohne dabei den wirtschaftlichen Erfolg aus den Augen zu verlieren. Doch oft bleibt es bei oberflächlichem Engagement, um zumindest vor immer bewussteren Kunden und kritischeren Mitarbeitern besser dazustehen.

Unternehmen, die tatsächlich auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell umsatteln und schrittweise sämtliche ökologisch und sozial negativ wirkende Aktivitäten unterlassen, sind noch rar. Dabei müssen sich verantwortungsvolles Handeln und eine gute Bilanz nicht ausschließen. Im Gegenteil: Auf lange Sicht sichert Corporate Sustainability die Zukunft eines Unternehmens und die Lebensbedingungen künftiger Kunden.

Obligation

Gewinn Prozent

Bundesobligationen oder Bundesanleihen – was lösen diese Begriffe bei Ihnen aus? Das gute Gefühl einer sicheren Geldanlage? Seit vielen Jahren hat diese Anlageform einen sehr guten Ruf in Deutschland. Aber was ist eigentlich eine Obligation? Obligationen sind Wertpapiere, die in der Regel einen festen Zinssatz sowie einen festgeschriebenen Rückzahlungstermin haben. Möglich sind auch variable Zinssätze.

Sie werden auch Anleihen, Rentenpapier oder Schuldverschreibung genannt. Wer eine Obligation kauft, dem wird die Zinszahlung und die Rückzahlung seines Kapitals zu fest vereinbarten Terminen vertraglich zugesichert. Neben den Zinsen und der Rückzahlung kann es auch weitere Rechte des Anlegers geben. Anleihen sind also Kredite, die am sogenannten Kapitalmarkt öffentlich aufgenommen werden und dienen der oft langfristigen Fremdfinanzierung. Anleihen werden ausschließlich von sogenannten juristischen Personen, also von Unternehmen, aber auch Staaten, Kommunen etc., ausgegeben. Auch Pfandbriefe gehören zu den Anleihen, sind jedoch zusätzlich besichert.

Retrozession

Dreiecksgeschaeft

Viele Banken verkaufen ihren Kunden Produkte von Drittanbietern, zum Beispiel von Versicherungen. Nun werden den Kunden von den Versicherungen manchmal Provisionen bei Abschluss der Verträge in Rechnung gestellt. So weit, so bekannt. Da die vermittelnde Bank gern ihren Aufwand, den sie mit dem Abschluss der Versicherung hatte (Kosten für Personal, Räumlichkeiten etc.), ausgleichen möchte, kann sie von der Versicherung eine Vermittlungsprovision erhalten. Auch das ist so weit in Ordnung und verständlich.

Wird dem Kunden, der die Versicherung bei der Bank abgeschlossen hat, jedoch von der Zahlung an die Bank nicht in Kenntnis gesetzt, läuft diese Zahlung also versteckt, nennt man sie Kickback oder, insbesondere in der Schweiz, Retrozession. Und sie ist dann auch nicht mehr rechtens.

Der Bundesgerichtshof hat in einem wegweisenden Urteil festgestellt, dass verdeckte Provisionen eine Vertragsverletzung darstellen und unter Umständen zu zivilrechtlichem Schadensersatz führen können. Vermittlungsprovisionen sind bei Fondsgesellschaften und Versicherungen üblich. Aber auch in anderen Branchen gibt es Kickbacks, so zum Beispiel in der Werbe- oder in der Medizinbranche.

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