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Titel Interview Sven-holbe
Bild: Bauexperts
Interview

Fehler beim Bauen vermeiden: »Wer am falschen Ende spart, denkt zu kurz«

Beim Bauen das Mängelrisiko reduzieren: Sven Holbe (55), Bausachverständiger von »Bauexperts«, über Schäden, Schimmel und den Trend zum Experten.

Mit Blick auf den Immobilien-Boom und den wachsenden Zeit- und Kostendruck: Gibt es mehr Bauschäden als früher, Herr Holbe?

Ja. Vor allem der Mangel an Fachpersonal spielt dabei eine Rolle. Manche, die an einem Bau mitwirken, sind mit Normen und DIN-Vorgaben gar nicht vertraut. Der Zeit- und Kostendruck ist natürlich auch ein Faktor. Manches wird beim Bau einfach weggelassen oder nicht akkurat ausgeführt. Das rächt sich später oft.

Sparen Bauherren am falschen Ende?

Zum Teil immer noch. Aber der Trend ist positiv. Sachverständige werden immer öfter nicht nur zur Abnahme, sondern auch zur Baubegleitung hinzugezogen. Ich kann das nur jedem empfehlen. Ein Sachverständiger kostet nur einen Bruchteil dessen, was später die Mängelbeseitigung kostet. Wer am falschen Ende spart, denkt zu kurz. Für einen Bauherren sollte es nicht darum gehen, möglichst schnell fertig zu sein, sondern darum, die nächsten Jahrzehnte sorgenfrei in seinen vier Wänden zu wohnen.

Welche Mängel beobachten Sie am häufigsten?

Wasser- und Feuchtigkeitsschäden, Schimmelpilzbildung, Risse an Decken und Wänden, im Estrich und im Holz, undichte Keller und Lüftungsanlagen, Baukonstruktionsfehler: Das Spektrum ist groß, Gefahren lauern überall. Bei einer Dachdämmung hatte ich kürzlich den Fall, dass die Dampfbremsfolie falsch verklebt wurde. Als Bauherr kann ich nicht alles wissen. Aber ich muss wissen, wen ich zurate ziehen kann.

  • Info Anteil Immobilieneigentum Berlin

    Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

  • Info Bewirtschaftungskosten Immobilien Berlin

    Immobilienscout24

  • Info Instandhaltungs-zyklen Immobilien

    Eigenheimverband Bayern e. V.

  • Info Wirtschaftsfaktor Haus Und Garten

    Handwerkskammer Berlin

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Sie sind DEKRA-zertifizierter Sachverständiger für Bauschaden- und Schimmelpilzbewertung. Wird das Thema Schimmel wichtiger?

Ja. Und es wird weiter an Bedeutung gewinnen. Die Menschen achten viel mehr darauf als früher – im Sinne der eigenen Gesundheit. Dazu kommen die Veränderungen beim Dämmen. Dass bei heutigen Sanierungen oder Neubauten die Gebäude komplett abgedichtet werden, begünstigt den Befall durch Schimmelpilz. Umso wichtiger ist das richtige Lüftungsverhalten.

Was empfehlen Sie?

Man sollte drei- bis viermal am Tag lüften – dazu reicht es nicht, das Fenster nur anzukippen. Wichtig ist, beim Stoßlüften auch die Innentüren offen zu halten. Im Winter sollte man die Wohnung kontinuierlich heizen, um den Taupunkt zu steuern. Und ich empfehle für Badezimmer, aber auch für Küchen ein Hygrometer. Wenn in einer fünfköpfigen Familie alle nacheinander duschen und niemand das Fenster öffnet, ist das ein Problem. Ich habe neulich jemandem, der in seinem Wohnzimmer ein Aquarium unterhält, zum Kauf eines Hygrometers geraten. Der war verblüfft, welcher Grad an Luftfeuchtigkeit durch das Aquarium entsteht.

www.bauexperts.de

Interview: Steffen Rohr

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