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Titel Branchenreport Saubere Sache Sven Fietkau
Wasser marsch: Sven Fietkau sorgt mit seinem RUN-24-Team dafür, dass Berlin im Fluss bleibt. Denn die Abwasserexperten machen verstopfte Rohre frei und prüfen Kanäle und Schächte. Seine Empfehlung für Privathaushalte: lieber Pümpel als chemischer Rohrreiniger. Bild: Christoph Schieder
Branchenreport

Gebäudehygiene: Saubere Sache

Ein schönes und sauberes Zuhause ist den meisten Berlinerinnen und Berlinern enorm wichtig. Wenn’s stinkt oder schimmelt, ist das Wohlbefinden massiv beeinträchtigt. Schnelle Hilfe bieten zwei hoch spezialisierte Unternehmen, die für die notwendige Hygiene in Wohnungen und Gebäuden sorgen.

Dass er „nicht der sein wird, der im Hinterzimmer forscht“, wurde Sven Fietkau (50) während des Elektrotechnik-Studiums schnell klar: „Ich wollte etwas bewegen.“ Das schafft der Geschäftsführer der RUN 24 GmbH mit seiner 35-köpfigen Crew Tag für Tag – und bisweilen auch nachts. Das Unternehmen – ein Mix aus Handwerksbetrieb, Ingenieurbüro und Entsorger – ist einer der Branchenführer im Bereich der Rohr- und Kanalreinigung, bei Weitem nicht nur für Privathaushalte.

Mit der Kamera durch den Kanal

Fietkau bringt das Geschäftsmodell auf den Punkt: „Wir sorgen dafür, dass Abwasser dort ankommt, wo es hingehört.“ RUN 24 stand einst für Rohrreinigung – Umweltservice – Notdienst – 24 Stunden am Tag. Inzwischen ist das Geschäftsfeld größer. Neben der Rohrreinigung und Beseitigung von Verstopfungen prüfen die Abwasserexperten Kanäle und Schächte auf Dichtheit, warten oder entsorgen Fettabscheider und erfassen per TV-Inspektion den Bestand und Zustand von Rohren und Kanälen in Liegenschaften. „Wenn ein Kanal neu gebaut wird, fahren wir zur Kontrolle mit der Kamera durch“, sagt Fietkau.

Einatz auf dem nördlichen Berliner Autobahnring

Aktuelles Einsatzgebiet ist der ausgebaute nördliche Berliner Autobahnring. Die größte Herausforderung war der Flughafen BER: „Da haben wir eine Million Meter Kabelschutzrohre und Regenwasserkanäle geprüft – und Stahlscheiben gebaut, die 35 Tonnen Wasserdruck aushalten mussten.“ Fietkaus Tüftler-Truppe war in ihrem Element – wie auch im Mauerpark, wo ein 450 Meter langer unterirdischer Staukanal zu prüfen war.

Standort von RUN 24 in Reinickendorf

Was im Jahr 2000 mit drei Monteuren und drei Fahrzeugen in Velten begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte.

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Bild: Christoph Schieder

2005 eröffnete RUN 24 eine Niederlassung in Neukölln und zog 2011 nach Reinickendorf in die Kienhorststraße, wo Thyssen-Krupp einst Fahrtreppen produzierte. „Der Standort“, sagt der Ur-Reinickendorfer Fietkau, „ist ideal. Ich bin hier verwurzelt. Und wir haben eine gute Anbindung und eine LKW-befahrbare Halle mit angeschlossenem Büro.“

Grundstückskauf mit der Berliner Sparkasse

Als 2016 das Grundstück zum Verkauf stand und chinesische Investoren die Fühler ausstreckten, ging Mieter Fietkau in die Offensive: „Wir haben mit der Berliner Sparkasse und recht wenig Eigenkapital die Finanzierung auf die Beine gestellt, um das Grundstück, das einer internationalen Investorenfamilie gehörte, zu kaufen. Da war die Sparkasse schnell und flexibel.“ Eine Halle und mehrere Etagen des Gebäudes wurden seitdem entkernt. Teilflächen des 7.500 Quadratmeter großen Areals sind an ein Sanitär-Unternehmen und einen Wasser- und Brandschadensanierer vermietet. Ein dritter Mieter wird gesucht.

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Bild: Bernhardt Link – Farbtonwerk

Rohr-, Kanal-, und Industrieservice: Berufsfeld bekannter machen

Die Firma wächst, zum Fuhrpark gehören 25 Spezialfahrzeuge zur Kanalreinigung und TV-Inspektion. Fürs neue Lehrjahr sind zwei Azubis unter Vertrag, ein dritter in Aussicht – ein Erfolg. „Wir haben das Problem, ein hochtechnischer Beruf mit einem schlechten Image und geringer Wahrnehmung zu sein“, erklärt Fietkau. Seine Mission: Er will den Beruf (Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice) bekannter machen.

Vorwiegend Kunden aus der Geschäftswelt

Die Schlagzahl des Unternehmens mit einem Jahresumsatz von knapp drei Millionen Euro ist hoch. Zu rund 1.000 Verstopfungen pro Monat rücken die Monteure aus. Bedient werden vorwiegend institutionelle Auftraggeber: Bundesbauämter, Wohnungsbauunternehmen wie die degewo, Abwasser-Zweckverbände, Hotels (Adlon, Estrel), dazu Großkunden wie Siemens, die Deutsche Bahn oder McDonald’s. Privatkunden sind die Ausnahme. „Wenn nach zehn Jahren wieder die Toilette verstopft ist, rufen die Leute den Klempner an, der es schon immer gemacht hat“, sagt Fietkau. Einen Rat hat er trotzdem: „Vieles kann man klassisch mit einem Pümpel lösen – und auf keinen Fall sollte man chemischen Rohrreiniger verwenden. Meist verklumpt der hinterher.“

Mit Wirkstoffnebel gegen Schimmel und Keime

Mehr Sensibilität bei Mietern und Eigentümern will auch Martin Urbanek (43) erreichen. Der Geschäftsführer der 2009 gegründeten Vallovapor GmbH, die auf Schimmel- und Geruchsbeseitigung spezialisiert ist, sieht einen positiven Trend: „Die Mieter nehmen das Thema Gesundheitsschutz immer ernster. Und die Hausbesitzer sind bereit, für ihre Wohngesundheit mehr Geld als früher auszugeben.“

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Hygiene für Immobilien: Die gut geschützten Fachleute von Vallovapor rücken an, damit Schimmel, Geruch und Keime verschwinden. Damit sorgen Sie für ein gesundes Raumklima in rund 600.000 Wohnungen in ganz Deutschland. Bild: Christoph Schieder

In den Wohneinheiten, die Vallovapor per 3D-Kaltvernebelung behandelt, gibt es laut Urbanek sehr geringe Schimmel-Rückfallquoten von zwei bis drei Prozent: „Das spricht für uns – und die Mieter.“

Vom KNAX-Konto zum Firmenkonto

Ein als ungefährlich eingestuftes Biozid wird mithilfe eines Vernebelungsgerätes in feinsten Tröpfchen in die Raumluft eingebracht.

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Bild: Vallovapor

Dabei entsteht ein Wirkstoffnebel, der für ein bis zwei Stunden im Raum stehen bleibt. „Wir bewegen uns in einer Nische – aber die Nische ist groß genug, um weiter zu wachsen“, sagt Urbanek, der schon als Schüler ein KNAX-Konto bei der Berliner Sparkasse unterhielt und ihr auch als Unternehmer treu blieb: „Wir haben nur diese Bankverbindung. Das zeigt, wie zufrieden wir sind.“

Mehr als 20 Beschäftigte

Vallovapor hat mehr als 20 Beschäftigte, betreut bundesweit etwa 600.000 Wohneinheiten, dazu öffentliche Einrichtungen (Schulen, Museen, Behörden) und hat neben 15 Partnerunternehmen in Deutschland, die Wirkstoffe und Verfahren nutzen, auch Länderpartner in Polen, Spanien, Finnland und Großbritannien. Der Schwerpunkt: Schimmelsanierung und Instandhaltung in Mieterwohnungen, Leerwohnungs- und Fassadensanierung sowie Industriebeschichtungen.

Hygiene für ganz Deutschland – und auch mal für Mexiko

In Berlin arbeitet das Unternehmen für mehr als 40 Immobilien-Verwaltungen, darunter Grand City, Capera und Neues Berlin. Der Clou ist die dezentrale Struktur. Die Vallovapor-Verwaltung zog innerhalb Niedersachsens, wo es in Salzgitter und Wolfsburg einst die ersten Großaufträge gab, gerade von Alfhausen nach Bramsche.

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Bild: Vallovapor

Urbanek und sein Betriebsleiter sitzen in Berlin. Die Mitarbeiter touren – projektbezogen – durch Deutschland und wurden auch schon zu einem Blitz-Einsatz nach Mexiko beordert. Dass Vallovapor nicht nur Schimmel entfernt, sondern auch malert und alles dokumentiert, ist für Urbanek der Schlüssel: „Wir bieten den Verwaltern die Lösung aus einer Hand.“ Auch in der Industrie sind die Referenzen mit Partnern wie EON, Liebherr, Rheinmetall und Krauss-Maffei beachtlich.

Eigenes Start up gegründet

Mit seinem 2018 ausgegründeten Start-up, der openHandwerk GmbH, besetzt der frühere Investmentbanker eine weitere Nische: „Wir brauchten mit Vallovapor eine Lösung, um unser Angebots- und Rechnungswesen zu digitalisieren, und fanden nichts. Also haben wir eine cloudbasierte Software entwickelt.“ Mitarbeiter-Terminierung, Zeiterfassung, Auftragsannahme und -abwicklung, Rechnungsstellung, Dokumentation – alles läuft digital. Inzwischen nutzen bundesweit mehr als 850 Handwerksbetriebe die Software. Urbanek sieht „großes Potenzial“ und nennt den Grund: „Wir lösen die beiden größten Probleme des Handwerks – zu viele Aufträge bei zu wenig Fachpersonal.“

Lesen Sie hier unser Interview mit Sven Holbe, Bausachverständiger von »Bauexperts«, über Schäden, Schimmel und den Trend zum Experten >>

Text: Steffen Rohr

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