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Titel Start-up Dearemployee
Bild: Shutterstock
Start-up des Monats

DearEmployee: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz stärken

Das Start-up DearEmployee bietet Unternehmen an, durch anonyme Befragungen die Belastung ihrer Mitarbeiter zu messen und vermittelt über die eigene Plattform passende Personal- und Gesundheitsmaßnahmen.

„Wir unterstützen Arbeitgeber, gesunde und motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen“, sagt DearEmployee-Gründerin Dr. Amelie Wiedemann. Oft sind es nicht unbequeme Stühle und veraltete Bildschirme, die den Kollegen die Freude am Arbeiten vereiteln, sondern psychische Faktoren. Hohe Arbeitsintensität, Überstunden, fehlende Wertschätzung – das gehört zum Arbeitsalltag vieler Deutscher. „Da schicken wir lieber einen jungen Kollegen hin, der fit ist in Social Media“, sagt der Chef beispielsweise zu dem 61-jährigen Kollegen, wenn es um einen Termin bei einem Start-up geht. „Schaffen Sie das Projekt wirklich mit den Kindern?“, fragt der Vorsitzende eine Alleinerziehende … die Liste der Beispiele ist lang.

Einfach Maßnahmen planen und evaluieren

Etwa 25 Prozent der Arbeitnehmer haben Diskriminierung erfahren, sagt die promovierte Psychologin Wiedemann. Sie hat an der Freien Universität Berlin und der Charité-Universitätsklinik Berlin zur Wirksamkeit von Gesundheitsprogrammen geforscht, bevor sie 2017 mit Daniel Fodor und Henning Jakob DearEmployee gründete.

Amelie Wiedemann
Dr. Amelie Wiedemann. Bild: DearEmployee

Bei DearEmployee handelt es sich um eine „Corporate Health & Mental Wellbeing“ Plattform. Das Gründerteam hat sich damit das Ziel gesetzt, Unternehmen darin zu unterstützen, psychische Krankheiten am Arbeitsplatz langfristig zu reduzieren.

Betriebliches Gesundheitsmanagement verpflichtend

Das Arbeitsschutzgesetz stuft den Schutz der psychischen und physischen Gesundheit am Arbeitsplatz gleichwertig ein und verpflichtet den Arbeitgeber zu einem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Seit 2013 müssen Unternehmen eine „Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung“ für ihr Unternehmen erstellen. Eben diese Gefährdungsbeurteilung bietet DearEmployee an. Dazu werden alle Mitarbeiter eines Unternehmens online und anonym mittels einer wissenschaftlich geprüften Befragungsmethodik, zu ihrer gesundheitlichen Situation im Betrieb befragt und die Ergebnisse analysiert. Dabei identifiziert DearEmployee Probleme und empfiehlt Workshops oder Beratungen bei zertifizierten Anbietern. „Schließlich evaluieren wir über die Plattform, ob eine Maßnahme wirksam war“, sagt Amelie Wiedemann. Sie ergänzt: „Der Schritt, von Daten zu Taten zu kommen, ist oft problematisch.

Passende Gesundheitsmaßnahmen statt Obstkorb

Der Markt ist sehr heterogen. Die Unternehmen sind häufig überfordert.“ Arbeitgeber stellten gerne den Obstkorb auf, wenn sie das Gefühl hätten, die Stimmung müsse gehoben werden.

Obstkorb
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Aber damit sei es nicht getan. Das „gute Matching“, also die passgenaue Zusammenführung von Arbeitgeber und Gesundheitsmaßnahme sei eine Stärke des DearEmployee-Konzeptes, sagt Wiedemann. „Der Markt an Angeboten ist unüberschaubar und für den Arbeitgeber ist es schwer, die Maßnahmen zu finden, die genau den Bedürfnissen seiner Mitarbeiter und hohen Qualitätsstandards entsprechen“, sagt Wiedemann.

Von der Hochschule direkt in die freie Wirtschaft

Das in diesem Bereich Handlungsbedarf bestehe, mit dieser Einschätzung konnte das Gründer-Trio gleich mehrere Geldgeber überzeugen. DearEmployee wurde unter anderem gefördert durch das Berliner Startup Stipendium wie auch durch Mittel der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Auch vom „Profund Innovation“ Inkubator-Programm der Freien Universität (FU) Berlin konnte das junge Unternehmen profitieren. Wiedemann und ihr Team gewannen den Wettbewerb Research2Market der Charité und erhielten eine Investition in siebenstelliger Höhe vom Business Angel-Netzwerk IMPACT51. Schon während ihrer Zeit an der FU lernte Wiedemann ihren Berater von der Berliner Sparkasse kennen. „Schnell eindeutig überzeugt“ war sie von den guten Konditionen, die die Berliner Sparkasse Start-ups bietet.

Schnelle Reaktion auf die Corona-Krise

Auf die Corona-Pandemie hat DearEmployee mit dem Corona-Care Survey schnell reagiert. Die Umfrage erfasst psychische Gefährdungen von Mitarbeitern im Zusammenhang mit der Krise. Passend dazu gibt es Trainings, unter anderem zur Organisation des Home Office oder Beratung in den Bereichen Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin, zum Beispiel zur Umsetzung der Hygienestandards. Ein Ergebnis der Umfragen war, dass Beschäftigten das informelle Gespräch mit Kollegen und Chefs fehlte. „Der Plausch an der Kaffeemaschine ist keinesfalls Zeitverschwendung, sondern für die psychische Hygiene wichtig“, betont Wiedemann. Was nun können Vorgesetzte tun, damit es ihren Mitarbeitern im Homeoffice gut geht? Wichtig seien klare Strukturen, sagt die Psychologin. „Ich muss als Mitarbeiter wissen, wann meine digitale Anwesenheit gefordert ist und über welche Kanäle mit dem Büro kommuniziert werden wird“, sagt sie. Das sei entscheidend, damit Beschäftigte zu einer bestimmten Zeit eine Grenze ziehen und in den Feierabend gehen können.
Die durch das Corona-Virus verursachten Umwälzungen im Arbeitsalltag haben die Nachfrage nach der Dienstleistung von DeartEmployee gesteigert: Durch das Homeoffice sei die Nachfrage nach den Befragungen extrem gestiegen, berichtet Wiedemann. Aktuell ist DearEmployee in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv und hat rund 170 Kunden – von Start-ups bis hin zu Dax Konzernen. Zwölf feste und drei freie Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen mittlerweile. Eine Mission eint das Team: „Wir wollen auch 2021 Beschäftigten helfen, gesund zu arbeiten“, sagt Wiedemann.

www.dearemployee.de

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Weitere Informationen zum Thema Gründung finden Sie auf: www.berliner-sparkasse.de/gruendung mit der Berliner Sparkasse

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