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Titel Gesundheit
Bild: Barbara Dietl
"Health Capital"

Eine gesunde Branche

Mehr als 21.400 Unternehmen arbeiten in der Gesundheitswirtschaft des Clusters Berlin-Brandenburg. Die Hauptstadt gilt als „HealthCapital“ und die Gesundheitsbranche als wichtiger Jobmotor. „Berliner Akzente“ hat mit zwei Unternehmerinnen gesprochen, die Arbeitsplätze geschaffen haben – und in eine gesunde Zukunft schauen. Auch mit Unterstützung der Berliner Sparkasse.

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erlin-Friedrichstraße nahe Friedrichstadt-Palast. Draußen schlängelt sich der Berufsverkehr zur Arbeit – drinnen führt Katharina Marquard (39) durch die Behandlungsräume vom Hypnoseinstitut Hypnos. Ein Raum mit einem langen Steg erinnert an ein See-Ufer, ein anderer mit rotem Samtsofa an eine Bibliothek und ein dritter mit einem Sessel-Kreis und Holzteilen, die sich schalenförmig öffnen, an einen Schutz-Kokon. Er dient zum Sprachenlernen.

Sind wir schon hypnotisiert worden?

Damit ist unsere schmissige Einstiegsfrage, ob wir schon hypnotisiert worden seien, obsolet. Zumindest bringt sie Katharina Marquard zum Lächeln. Für die Räume hat sie extra Kulissenbauer vom Film engagiert. Das Ziel: die Klienten von der Außenwelt zu „dissoziieren“ und so auf die Veränderungsarbeit in der Hypnose-Therapie einzustimmen.

„Gesundheit ist die erste Pflicht im Leben.“ Oscar Wilde

Diese hat übrigens nichts mit der Hypnose in Fernsehshows zu tun, wo Menschen aus dem Publikum plötzlich zu Brettern erstarren. Eher mit einer tiefen Fokussierung bei vollem Bewusstsein, erklärt die gebürtige Berlinerin. Vermutlich der Grund, warum die Bundesbürger einer Statista-Umfrage zufolge nahezu zu gleichen Teilen aufgeschlossen wie skeptisch sind. „Zu uns kommen Klienten, die schon vieles ausprobiert haben und nicht mehr weiterwissen“, erklärt Marquard, die mit ihrem Ex-Mann Nikolai Hanf-Dressler die Praxis 2003 gegründet hat.

  • 1 Statistik Patienten

    Berlin und seine Medizin

  • 2 Statistik Aerzte

    Berlin und seine Medizin

  • 3 Statistik Krankenhaeuser

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  • 4 Statistik Hubschrauber

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  • 5 Statistik Apotheken

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  • 6 Statistik Unis

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  • 7 Statistik Blutspender 1

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  • 7 Statistik Blutspender 2

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  • 8 Statistik Foerderung

    Berlin und seine Medizin

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Mittlerweile kümmert sich allein in Berlin ein achtköpfiges Team um die Sorgen von Menschen, die Gewicht verlieren, das Rauchen aufgeben, die Flugangst überwinden, eine Prüfung schaffen oder einfach besser Sprachen lernen wollen. Sogar Sportler will das Team zu besseren Leistungen bringen. Weitere Praxen sind in Frankfurt, Hamburg und Bayern.

„Zu uns kommen Klienten, die schon vieles ausprobiert haben und nicht mehr weiterwissen.“ Katharina Marquard, Hypnos

Die Mischung aus Hypnose, energetischen Techniken und Psychotherapie ist das Alleinstellungsmerkmal. Schon mit drei bis vier Sitzungen können Klienten Ängste oder Blockaden lösen, erklärt Marquard. Für sie ein ausschlaggebender Grund, warum Hypnose mehr und mehr angenommen wird. „Es ist die Zeiteffizienz dieser Behandlungsform.“

Mehr als 40 Prozent der Klienten kommen von außerhalb extra an die Friedrichstraße. Doch der Markt wird voller: Psychotherapeuten, Psychiater, Lebensberater, Life-Coaches – sie alle wollen etwas vom Kuchen der boomenden Gesundheitsbranche abhaben. „Der Markt hat sich innerhalb der 15 Jahre sehr verändert: Da muss man investieren“, sagt Marquard, die von Beginn an auf die Berliner Sparkasse setzte.

Die Sparkasse sieht den Menschen im Mittelpunkt

„Die Sparkasse hat uns immer als Menschen unterstützt – unabhängig von den Zahlen.“ Sie sei da gewesen, als man von zwei auf elf Mitarbeiter und von einem Standort auf vier gewachsen ist. Katharina Marquard rät, dies auch in den neuen digitalen Zeiten nie aus den Augen zu verlieren. Für sie war es der Pluspunkt gegenüber anderen Banken.

Die Berliner Sparkasse hat die Familie ebenfalls beim Hausbau unterstützt. Jetzt ist Kind Nummer zwei auf der Welt. Auch bei der Geburt sei ihr die Hypnose zugute gekommen, erinnert sich Marquard. 20 Hebammen habe sie an dem Tag im Krankenhaus kennengelernt; da die innere Ruhe zu bewahren – dabei habe ihr die Hypnose geholfen.

Hebamme Karla Wolff
Bild: Barbara Dietl

Eine dieser 20 Hebammen hätte theoretisch auch Karla Wolff sein können. Sie ist die erste Vorsitzende des Zentralen Hebammenrufes Berlin e. V. Der ehrenamtliche Verein kümmert sich um die Vermittlung von Hebammen an schwangere Frauen und Wöchnerinnen. „Wir stehen Frauen während der gesamten Schwangerschaft und danach zur Seite“, erklärt Wolff. Die häufigsten Anfragen erreichen den Telefondienst vor allem zur Wochenbettbetreuung oder Geburtsbegleitung.

Gegründet wurde der Hebammenruf bereits 1993. „Damals war es das Ziel, Hebammen mit Frauen zusammenzubringen, denn damals gab es deutlich mehr Hebammen.“ Dies hat sich längst umgekehrt – werdende Mütter suchen heute oft lange und vergeblich nach einer Hebamme. „Wir haben im Monat etwa 500 bis 600 Anfragen und können etwa 100 bis 150 der Frauen vermitteln“, sagt Karla Wolff. Eine prekäre Situation. Nicht nur für die Frauen, auch für den Verein, der sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert.

Pro Monat unterstützt die Hebamme zwölf Frauen

„Immer weniger Hebammen kommen zu uns in den Verein, denn sie finden auch ohne uns als Netzwerk genügend Frauen, die sie betreuen können.“ Die 42-Jährige spricht aus Erfahrung: Als Vor- und Nachsorgehebamme betreut sie vor allem Frauen im Westen von Berlin und im brandenburgischen Speckgürtel. Pro Monat unterstützt sie rund zwölf Frauen mit ihren Hausbesuchen. Für den Hebammenruf wünscht sie sich weiterhin viele Kolleginnen, die sich im Verein organisieren wollen. „In der ganzen Stadt suchen wir Hebammen, besonders aber in den Ostbezirken.“ Damit es wieder mehr Hebammen gibt – nicht nur in Berlin – müsse aus ihrer Sicht die Situation der Berufsgruppe deutlich verbessert werden. „Freiberufliche Hebammen, die Geburten begleiten, müssen eine besonders teure Berufshaftpflichtversicherung finanzieren und diejenigen, die angestellt sind, werden oft nicht gut bezahlt.“

„Ich bekomme so viele positive Gefühle von den Frauen und Familien mit. Ich bin ihre verlässliche Ansprechpartnerin.“ Hebamme Karla Wolff

Der Beruf der Hebamme geht nicht nur mit viel Arbeit und großer Verantwortung einher, für Karla Wolff ist es auch der schönste Beruf, den sie sich vorstellen kann. „Ich bekomme so viele positive Gefühle von den Frauen und Familien mit. Ich bin ihre verlässliche Ansprechpartnerin und werde immer wieder in dem Gefühl bestärkt, dass das, was ich tue, wertvoll ist.“

Seit Gründung des Vereins ist die Berliner Sparkasse die sichere Bank für alle Geldgeschäfte. „Der Kontakt ist immer unkompliziert und ohne große Bürokratie möglich.“ Außerdem funktioniert der Zugang zum Vereinskonto – wie bei Privatpersonen auch – bequem im Online-Banking.

Adressen zu den Gesprächspartnern:

Mit Hypnose neue Potenziale entfalten:
Katharina Marquard kann mit ihrem Team bei der Überwindung von Ängsten, Süchten oder Übergewicht helfen.
Hypnos, Tel.: 030/4000 97 80
www.hypnose-zentrum.com

Der schönste Beruf der Welt:
Hebamme Karla Wolff freut sich täglich über Sinn und positive Gefühle. Ihr ehrenamtlicher Hebammenruf bringt Mütter und Hebammen zusammen.
Tel.: 030/214 27 71
www.hebammenruf-berlin.de

Interview: „In Gesundheit muss investiert werden“

Wie gesund ist die Gesundheitsbranche in der Hauptstadtregion? Eine Diagnose von Dr. Kai Uwe Bindseil, Experte von der Berlin Partner GmbH für die Gesundheitswirtschaft.

Kai Uwe Bindseil
Bild: Thomas Hedrich

Herr Bindseil, welches Zeugnis stellen Sie der Berliner Gesundheitswirtschaft aus?
Als Schulnote eine glatte Zwei. Berlin kann eine Versorgung für alle Krankheitsbilder und in allen Stadtteilen auf höchstem Niveau anbieten. Das lebt insbesondere von einer aktiven Zusammenarbeit von starken Wissenschaftsstandorten, innovativen Start-ups und gut ausgebauten Kliniken, sodass Patienten hier in den Genuss der neuesten Verfahren kommen.

Warum nicht die Note „sehr gut“?
Perspektivisch erwartet uns auch in Berlin ein Fachkräftemangel. Das wird einiger Anstrengungen bedürfen, diese gute Versorgung aufrechtzuerhalten. Hier geht es vor allem um die Pflegewirtschaft; um die Arbeitsplätze, die noch immer nicht so gut bezahlt werden. Immer mehr Menschen werden älter und die geburtenschwachen Jahrgänge rücken auf den Arbeitsmarkt. Deshalb brauchen wir Fachkräfte aus dem Ausland und damit Zuwanderung!

Inwiefern behindern fehlende Gewerbeflächen derzeit die Gründung von innovativen Gesundheits-Start-ups?
Das ist nicht ganz so gravierend in der Gesundheitswirtschaft: Wir haben sehr viele Unternehmen, die auf den Campussen der Kliniken und in den Technologieparks unterkommen.

Ihr Geschäftsführer Stefan Franzke nennt die Situation am Immobilienmarkt sogar „dramatisch“.
Für die Gesundheitswirtschaft gibt es noch viele Reserven: Berlin-Buch ist ein vorbildlicher Standort, der sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt hat. Hier und am Fubic in Dahlem werden mithilfe der Senatsverwaltung zusätzlich Zehntausende Quadratmeter geschaffen.

Kann die verschuldete Stadt die nötigen Strukturen stemmen?
Wichtig für Berlin ist, dass investiert wird. Gerade für den Gesundheitsbereich muss investiert werden. Da hat der Senat die richtigen Beschlüsse gefasst, um Charité, Vivantes und andere Standorte zu ertüchtigen.

Blicken wir in die Zukunft: Werden uns in fünf Jahren Roboter pflegen?
Das Thema Künstliche Intelligenz ist im Gesundheitsbereich enorm wichtig. Wir erleben bereits, dass manche Diagnosen auf Basis einer computergestützten Auswertung besser getroffen werden als durch den Arzt. Sogar bestimmte Operationen sind mit dem Roboter, der von einem Mensch gesteuert wird, präziser. Wir haben auch schon erste Pflege-Assistenz-Systeme, die Menschen in der Reha helfen, wieder laufen zu lernen. Das wird also definitiv zunehmen. Trotzdem dürfen Pflege und Behandlung niemals unmenschlich werden. Menschliche Nähe ist für die vollständige Erholung essenziell.

Cluster der Gesundheitswirtschaft:
www.healthcapital.de

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