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Titel Bestatter
Experte für den letzten Abschied: Vor über 35 jahren hat sich Hans-Jürgen Nowaczyk als Bestatter selbstständig gemacht, inzwischen hat er elf Berliner Standorte und bietet alle wichtigen Dienstleistungen für den letzten Weg aus einer Hand. Bild: Christoph Schieder
Branchenportrait

Ein Leben für den Tod

Früher haben Bestatter Särge verkauft und Tote überführt. Heute bieten sie umfangreiche Dienstleistungen an. So wie Hans-Jürgen Nowaczyk, der mit seinem Team seit 35 Jahren Berliner auf ihrem letzten Weg begleitet.

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ein Schwarz. Hans-Jürgen Nowaczyk begrüßt gut gelaunt und adrett im dunkelblauen Anzug. Schwarz hätte man erwartet, denn der 74-Jährige ist Chef von elf Berliner Bestattungshäusern. Eines davon, das Traditionsunternehmen Wieschhoff Bestattungen, das Nowaczyk vor rund 20 Jahren übernommen hat, ist heute Stammhaus und Zentrale seines kleinen Familienimperiums, das Berliner auf dem letzten Weg begleitet.

Dienstleistungen aus einer Hand

Wieschhoff Bestattungen Altes Bild

In die denkmalgeschützte und verwinkelte Firmenzentrale, in der sich 1865 Sargbauer Wieschhoff als Bestatter selbstständig machte, passen viele der Dienstleistungen, die bei einem Bestatter dazugehören – und die Nowaczyk aus einer Hand anbieten kann. „Das bringt kurze Wege und Sicherheit, weil alles reibungslos ineinandergreift“, erläutert der Unternehmer, der sein Leben dem Tod gewidmet hat, ein wenig stolz. Andere Bestatter müssten für viele Dienstleistungen auf teure Subunternehmen zurückgreifen.

Individualität soweit es geht

Hinter dem Empfang liegen die Räume, in denen mal das vorausschauende Beratungsgespräch zur Vorsorge, mal der sensible Erstkontakt mit den trauernden Hinterbliebenen stattfindet. Im Stockwerk darüber residiert der Chef – und hier berichten Hans-Jürgen Nowaczyk und seine beiden engsten Mitarbeiter Andrea Kneib und Thomas Heritz von ihrem Unternehmen und ihrer Branche. „Im Berliner Bestattungsgesetz ist geregelt, dass jeder Tote innerhalb von 36 Stunden in eine Leichenhalle überführt werden muss“, erzählt Nowaczyk. Deshalb gibt es an der Rückseite des Geländes auf 4 Grad gekühlten Platz für rund 90 Verstorbene. Wie lange sie dort bleiben, liegt auch an der Bestattungsart: Beerdigungen im Sarg finden meist acht bis zehn Tage nach dem Todesfall statt, Urnen werden oft erst nach mehreren Wochen beigesetzt. „Für Einäscherungen fahren wir zu einem hochmodernen Krematorium in Brandenburg“, erklärt Thomas Heritz, der schon seit über 20 Jahren im Unternehmen ist. „Und die Angehörigen können auf Wunsch auch mitkommen.“ Zuvor wählen sie in der Urnen- und Sargausstellung im Seitenflügel ein passendes Modell aus verschiedenen Preisklassen aus.

82 Prozent der Beerdigungen sind Einäscherungen

Angehörige, die eine individuell ausgerichtete Bestattung möchten, richten sich oft nach dem Hobby des Verstorbenen. Deshalb gibt es beispielsweise auch eine Urne in Fußballform.

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Schlicht oder ausgefallen: Urnen gibt es für jeden Geschmack. Beigesetzt werden müssen sie nach deutschem Bestattungsgesetz immer. Bild: Christoph Schieder

Fragt man, was bei Beerdigungen aktuell gefragt ist, fällt Bestatter Thomas Heritz sofort das Wort „pflegeleicht“ ein. Die schon seit Jahren immer populärere Einäscherung hat in Berlin inzwischen einen Anteil von über 82 Prozent, immer öfter wird die Urne im anonymen Urnenfeld, in einem von der Friedhofsverwaltung gepflegten Memoriam-Garten oder auch im Friedwald unter einem Baum beigesetzt. Unter die Erde oder in die See muss sie in Deutschland aber auf jeden Fall, auch das ist im Bestattungsgesetz geregelt.

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Individuell und ohne Zeitdruck: Im kleinen Saal können Angehörige Trauerfeiern abhalten oder am offenen Sarg Abschied nehmen. Bild: Christoph Schieder

Im Erdgeschoss unter der Sargausstellung liegt ein Saal für den privaten Abschied ohne Zeitdruck. „In den Trauerhallen der Friedhöfe sind die Beerdigungen meist dicht getaktet, da bleibt bei Abschiednahmen wenig Zeit“, so Mitarbeiterin Andrea Kneib. „Hier haben wir einen Ort, an dem immer wieder bewegende und oft kreative Abschiede stattfinden.“
Egal wie der Abschied gestaltet wird, der Verlust muss immer verarbeitet werden. Wieschhoff Bestattungen unterstützt hier mit einer langjährigen Tradition: Alle Kunden, die im vergangenen Jahr einen geliebten Menschen verloren haben, werden am Totensonntag zum ökumenischen Gottesdienst eingeladen. Hier werden dann auch die Namen der Verstorbenen verlesen. „Für viele ist es tröstend, dabei auf Menschen zu treffen, die gerade das Gleiche durchmachen“, erzählt Thomas Heritz.

Azubis Mangelware: Bestatter ist ein Beruf für Quereinsteiger

„Wir haben schon einen sehr speziellen Job“, schmunzelt Andrea Kneib, die erst vor einem Jahr als Quereinsteigerin in die Geschäftsführung des Unternehmens kam. Naturgemäß gibt es kaum junge Leute, die diesen Ausbildungsberuf wählen. Dass der Beruf Bestatter nicht geschützt ist, sei deshalb ein zweischneidiges Schwert: „Auf der einen Seite bringen schwarze Schafe unsere Branche in Verruf, auf der anderen Seite können wir so talentierte Quereinsteiger für uns gewinnen.“ Diese würden dann in internen Schulungen gründlich auf ihre vielfältigen Aufgaben vorbereitet.

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Vertrautes Terrain: Bestatter Hans-Jürgen Nowaczyk mit seinen engsten Mitarbeitern Andrea Kneib und Thomas Heritz auf dem Zehlendorfer Friedhof neben ihrem Stammhaus. Bild: Christoph Schieder

Auch Hans-Jürgen Nowaczyk war so ein Quereinsteiger. Obwohl er aus einer Bestatterfamilie kommt, entschied er sich zunächst für eine Beamtenlaufbahn und wagte schließlich 1984 den Schritt, Begleiter für den letzten Weg zu werden. Er gründete das Bestattungsinstitut Nowaczyk und übernahm im Lauf der Jahre immer wieder alteingesessene Familienunternehmen, wo oft der Generationenwechsel nicht funktionierte. Immer an seiner Seite bei dieser schrittweisen Expansion: die Berliner Sparkasse als Hausbank. „In 30 Jahren hatten wir insgesamt drei Firmenkundenberater, die das Unternehmenswachstum nach Kräften unterstützt haben. Diese Konstanz ist einfach phänomenal“, so Nowaczyk, der pietätvoller Bestatter, rastloser Unternehmer und pfiffiger Marketingmann in Personalunion ist.

Der erste Bestatter mit einer Discountmarke

Die finanziellen Möglichkeiten und Vorstellungen der Kunden bei einer Bestattung sind natürlich sehr unterschiedlich. Darauf stellt sich Hans-Jürgen Nowaczyk nicht erst seit dem Wegfall des Sterbegeldes mit maßgeschneiderten Angeboten ein. 2006 gründete er schließlich als erster Bestatter eine Discountmarke. Dieser separate Geschäftszweig bietet als der-billigbestatter.de günstige Paketpreise, wobei auch hier Seriosität, Transparenz und Qualität höchsten Stellenwert haben. Nicht zuletzt deshalb, weil alle Dienstleistungen aus einem Hause kommen.
Auf die Professionalität eines traditionsreichen Familienunternehmens können sich die Kunden bei allen Niederlassungen von Wieschhoff Bestattungen verlassen. Alleine Hans-Jürgen Nowaczyk und Thomas Heritz blicken zusammen auf über 65 Jahre Berufserfahrung zurück. Auch die Mitgliedschaften in der Bestatter-Innung und im Bestatter-Verband von Berlin und Brandenburg unterstreichen diese Seriosität.
Auf dem Monitor im Büro sieht man währenddessen, wie ein Leichenwagen langsam durch die enge Hofeinfahrt rollt. Noch ist nicht abzusehen, welche Aufgaben hier auf die Bestatter zukommen. Im bunten Berlin gleiche keine Beisetzung der anderen. Kürzlich richtete man eine lebensfrohe Ghettoblaster-Trauerfeier für eine Sinti-und-Roma-Familie aus oder auch eine indonesische Trauerfeier, bei der traditionelle Lieder gesungen wurden und sich die Trauergäste vom Verstorbenen verabschiedeten, indem sie ihn ein letztes Mal berührten. Es versteht sich von selbst, dass der Bestattungsprofi für sich selbst schon längst geplant hat. Im Sarg aus Eichenholz wird er in einem historischen Mausoleum, das er nach der Wende gekauft hatte, auf dem seiner Meinung nach „schönsten Friedhof Berlins“ den ewigen Schlaf genießen. Die Mutter liegt schon dort.

Wieschhoff Bestattungen
Telefon: 030/811 44 21 (24 Stunden)
www.wieschhoff-bestattungen.de

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