Titel Barrierefreiheit
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Barrierefreie Stadt

Berlin für alle

Physisch, mental, digital – die Barrieren in unserem Umfeld sind vielfältig. Und nicht jeder kann sie überwinden. Doch Stadt und Unternehmen engagieren sich für ein inklusives Berlin.

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orgens zu Fuß die frischen Brötchen vom Bäcker holen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren und in der Mittagspause noch schnell den Kurztrip fürs nächste Wochenende im Internet buchen – für viele von uns ist das selbstverständlich. Sich frei zu bewegen gehört für die meisten Menschen zum Alltag – und ist auch ohne größere Einschränkungen möglich. Gleichzeitig sind viele Menschen in ihrem Alltag von barrierefreien Angeboten abhängig. Eltern mit Kinderwagen zum Beispiel. Menschen, die aufgrund von Verletzungen oder wegen ihres Alters körperlich eingeschränkt sind. Und natürlich Menschen mit Behinderung.

Der Bedarf ist groß

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) leben allein in Berlin 615.821 Menschen mit einer Behinderung. Bei einer Einwohnerzahl von insgesamt 3,67 Millionen ist also beinahe jeder sechste Berliner betroffen – die oben genannten Personengruppen, die nur temporär eingeschränkt sind, nicht einmal mitgerechnet.

Statistik Behinderung Berlin
Bild: Berliner Sparkasse

Erhebungen gehen davon aus, dass 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung barrierefreie Angebote benötigen, mindestens 10 Prozent sind zur Bewältigung ihres Alltags zwingend darauf angewiesen. Darum engagieren sich die Stadt und auch immer mehr Unternehmen für ein inklusives Berlin. Und das mit Erfolg: Bereits vor vier Jahren setzte sich Berlin gegen 99 europäische Mitbewerber durch und wurde von der EU-Kommission zur “Barrierefreien Stadt 2013” gekürt. Ein besonderes Lob galt damals dem öffentlichen Nahverkehr sowie barrierefreien Neubauten.

Diese werden nach wie vor dringend benötigt, damit Menschen mit Behinderung selbstbestimmt ihren Wohnort wählen können: Bis 2025 wird der deutschlandweite Bedarf an barrierefreien Wohnungen bei 2,5 Millionen liegen – derzeit gibt es nur etwa 500.000. Doch Barrierefreiheit bedeutet mehr als nur die Möglichkeit, physische Hindernisse zu überwinden.

Welche Bereiche sind eigentlich betroffen?
Um ein barrierefreies Umfeld zu schaffen müssen alle Aspekte unseres Lebens so gestaltet sein, dass sie auch von allen Menschen genutzt werden können. Das gilt für öffentliche Gebäude, medizinische Einrichtungen und Verkehrsmittel sowie für Informations- und Kommunikationsmedien. Gebärdensprachendolmetscher bei Reden und Vorträgen, Filme mit Untertiteln oder Audio-Deskription oder technische Hilfsmittel für Computer und Smartphones gehören also genauso dazu wie behindertengerechte Toiletten und stufenlose Zugänge zu Gebäuden. Formulare oder Internetseiten in leichter Sprache bedeuten nicht nur für Lernbehinderte, sondern auch für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen einen wertvollen Zugang zu Informationen.

Chancengleichheit auf allen Ebenen

Auch die Sparkasse hat unter www.sparkasse.de zahlreiche PDFs in leichter Sprache zum Download bereitgestellt, die dem Nutzer beispielsweise das Leitbild der Sparkasse, ihre Leistungen oder spezielle Begriffe wie Kredit, Geldautomat oder Sparbuch in einfachen Worten erklären. In der Hauptstadt stehen den Kunden der Berliner Sparkasse noch weitere barrierefreie Services zur Verfügung, etwa Filialen mit weitgehend rollstuhlgerechtem Zugang, barrierefreies Onlinebanking und sogar Kundenberatung in Gebärdensprache.

Gehörlosenberatung

Sie liest Kunden im wahrsten Sinne des Wortes die Wünsche von den Lippen ab: Ilka Piecyk ist die einzige gehörlose Kundenbetreuerin der Berliner Sparkasse. Sie kann die Gebärdensprache, Lippen „lesen“ und auch selbst sprechen. Ein einzigartiger Service, für den Kunden aus ganz Berlin zu ihr in die Beratung kommen.

Mehr über Ilka Piecyk und ihre besondere Gehörlosen-Beratung lesen Sie in unserem Artikel „Wenn die Augen hören

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