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Titel Gruender
Bild: Christoph Schieder
Gründerzeit

Stadt der Ideen

Die Berliner Sparkasse unterstützt junge Unternehmen und digitalen Fortschritt. Im Co-Working-Space „The Place” arbeitet sie eng mit innovativen Start-ups zusammen, an der Freien Universität fördert sie Gründerpreis und Digitalprofessur.

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ine Handbewegung genügt, um auf Zeitreise entlang der Berliner Mauer zu gehen. Wer die Virtual-Reality-Brille aufsetzt, gelangt dorthin, wo kaum jemand länger gestanden hat: zwischen der äußeren und der inneren Mauer des Grenzstreifens, der Berlin bis 1989 durchzog.

Stalin-Teppich mit eigenen Augen sehen

Mit eigenen Augen sehen Nutzer, wie die Grenze immer gefährlicher geworden ist: von der grünen Wiese in den 1960ern zwischen zwei Mauern zur Sandfläche mit Stacheldraht in den 1970ern bis hin zum „Stalin-Teppich” in den 1980ern, der jeden Sprung über die Ostmauer brutal beendete. Gänsehaut löst die Erfindung aus, deren Software das Start-up „TimeRiftTours” unter CEO Steven Boylan aus Nordirland konzipiert hat und nun Stadt-Touren-Anbietern offeriert. Touristen können so direkt an der Mauer mit der Brille auch die Vergangenheit mit eigenen Augen sehen.

Steven Boylan
Bild: Christoph Schieder

Boylan sitzt im Co-Working-Space „The Place” als eines von neun Start-ups, deren Plätze die Berliner Sparkasse finanziert. Ein ehemaliges Druckereigebäude auf der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg mit 120 Schreibtischen, im Keller eine Dusche, im vorderen Bereich ein Café und eine Tischtennisplatte. „Diese Arbeitsplätze ermöglichen uns wertvolle Kontakte und Tipps für unsere Gründung”, sagt der 38-Jährige. Vier Monate lang bekommen die Unternehmer hier eine Starthilfe, die in Berlin ihresgleichen sucht: Räumlichkeiten, Beratung, Coaching, Networking, Infoveranstaltungen. „Eine Investition in gute Ideen und in Arbeit”, nennt das Till Willebrand von der Berliner Sparkasse. Dazu sitzen er und seine Kollegin Oleksandra Ambach mit den Gründern Seite an Seite. In einer Ecke des großen Raumes hat er seinen Arbeitsplatz eingerichtet, „damit niemand einen zufälligen Blick auf sensible Kontodaten werfen kann”, erklärt er, lacht und nippt an einer schnell geöffneten Cola. Er kommt gerade von einem Kundentermin.

„Wir wollen ja nahbar sein und den Gründern auf Augenhöhe begegnen.” Till Willebrand, Berliner Sparkasse
Tim Willebrand Berliner Sparkasse Start up Experte
Bild: Elke A. Jung-Wolff

Till Willebrand trägt ein Hemd – Sakko und Krawatte hat er abgelegt, seitdem er eng mit Start-ups zusammenarbeitet. Förmliche Accessoires passen nicht zur Atmosphäre. „Wir wollen ja nahbar sein und den Gründern auf Augenhöhe begegnen.” Mit dem Engagement gebe die Berliner Sparkasse der Stadt etwas zurück: Schließlich sei die Start-up-Branche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Gleichzeitig profitieren wir auch als Bank vom Innovationsdrang der Gründer”.

Seit Jahren ist Berlin die Gründerhauptstadt Deutschlands. In den vergangenen 17 Jahren hat das FirmenCenter Gründung und Nachfolge der Berliner Sparkasse mehr als 3.600 Gründungen begleitet. Seit Anfang 2016 gibt es hier drei Spezialisten für die Beratung von Start-ups in der Digitalwirtschaft. Da lag es nahe, den nächsten Schritt zu gehen und dort Präsenz zu zeigen, wo diese Start-ups tatsächlich sitzen und (net-)worken.

Erfahren Sie mehr zum Coworking Space “The Place” in unserem Artikel Kostenlos ins Coworking Space.

Einstein-Center macht Digitalisierung erlebbar

Doch die Unterstützung beginnt bereits viel früher. In enger Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin fördert die Berliner Sparkasse vielversprechende Ideen – und seit 2017 eine eigens eingerichtete Digitalprofessur. Dazu fahren wir ins Einstein Center Digital Future gegenüber des Regierungsviertels in der Wilhelmstraße. Hier begrüßt uns Daniel Fürstenau, erster Juniorprofessor für Digitale Transformation und IT-Infrastruktur.

Daniel Fuerstenau 4
Bild: Christoph Schieder

Es sei nicht weniger als „eine Revolution”, was mit der Digitalisierung auf die Menschen zukommt. Daniel Fürstenau nennt es „die Umwandlung von manuellen Arbeitsschritten zu digitalen Plattformen und Prozessen”. Digitalisierung und Start-up-Welt gehen für den 35-Jährigen, der in Berlin seinen Doktor gemacht hat, Hand in Hand. Er sieht sich als „En-abler”, der den Nutzen der Digitalisierung erforscht – und den Menschen erklärt. Zum Beispiel, wie im Gesundheitssektor Behandlungen mit einer besseren Datenlage noch besser werden können.

Ein ausführliches Interview mit Daniel Fürstenau finden Sie hier: „Berlin ist ganz vorn mit dabei“

Innovative Futtermittel für Milchkühe

Gründungen sind nicht nur digital und Männersache. Jedes dritte Berliner Unternehmen wird von einer Frau gegründet. Die Veterinärmedizinerin Dr. Julia Rosendahl hat aus ihrem Studium an der FU Berlin 2015 „PerformaNat” aufgebaut, eine Wortkombination aus „performance” (Leistung) und „natural” (natürlich). Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Vermarktung von innovativen Futtermittelzusätzen spezialisiert, wobei die Tiergesundheit im Fokus steht. Wo früher die Kuh ihr Gras auf der Weide fraß und 8 Liter Milch pro Tag gab, stehen heute im Schnitt 100 Hochleistungstiere im Stall, die bis zu 60 Liter Milch produzieren und Spezialfuttermittel benötigen.

Performanat
Bild: Promo

Für ihre wichtige Forschung, die Futtermittel zu verbessern, hat Dr. Julia Rosendahl gemeinsam mit ihren Mitgründerinnen Katharina Schrapers und Hannah-Sophie Braun 2015 den Gründerpreis der Berliner Sparkasse bekommen. Nicht nur die 4.000 Euro Preisgeld waren eine gute Hilfe, „überrascht hat uns die viele Presse, die wir mit dem Preis bekommen haben”, erinnert sich Julia Rosendahl. „Sogar im Ausland wurde über uns berichtet.” Würde sie es noch mal wagen, direkt vom Studium in die Selbstständigkeit zu wechseln? „Man muss im Leben einfach mal was riskieren”, sagt sie und schiebt hinterher: „Aber wenn die Förderung nicht gewesen wäre, würde es PerformaNat heute wahrscheinlich so nicht geben.”

Erfahren Sie mehr zum Gründerpreis der Berliner Sparkasse und PerformaNat in unserem Beitrag: Erst gewonnen, dann gewachsen

Businessplan-Wettbewerb Berlin Brandenburg startet in die neue Runde

Alljährlich sind Gründer und solche, die es werden wollen, dazu aufgerufen, ihr Konzept beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) einzureichen. Der Startschuss für den Businessplan-Wettbewerb 2020 erfolgt am 18. Oktober 2019 auf der deGUT in der ARENA Berlin. Mitmachen lohnt sich, denn den überzeugendsten Ideen winken wieder Preisgelder im Gesamtwert von 50.000 Euro.

Mehr dazu in unserem Artikel Von der Idee zum Umsatz

www.b-p-w.de

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