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Titel Fake Shops
Bild: Shutterstock
Sicher einkaufen

Achtung Abzocke!

Ob Handtaschen, Designer-Kleidung oder Hightech-Produkte: über das Internet ist vieles mittlerweile bequem zu kaufen. Besonders jetzt als Geschenke fürs Weihnachtsfest. Doch immer öfter verbergen sich hinter Online-Shops Betrüger, warnen Verbraucherschützer – und verraten, wie man gefälschte Internet-Verkaufsplattformen von seriösen unterscheidet.

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eulich auf der Party trug ein guter Freund diesen modischen Marken-Pullover: blaues Sweatshirt, orange farbiger Tiger drauf. Ein Pariser Label, das ihm hervorragend stand. Flux zu Hause im Internet nachgeschaut: hui, 250 Euro – ganz schön teuer! Aber hier in diesem Online-Shop war er für nur 40 Euro zu haben. Ein Schnäppchen! Doch irgendwie sieht der Shop verdächtig aus. Und dieser unschlagbar günstige Preis, der kann kein Original bedeuten…

Schon 4,4 Millionen Deutsche sind Opfer der Abzocke mit Online-Fake-Shops geworden.

Willkommen in der Abzocker-Falle von falschen Online-Shops. Nicht jeder Verbraucher kann sich in diesem Moment noch zurückhalten – so mancher klickt doch angesichts des vermeintlichen „Super-Schnäppchens“ auf den Kaufen-Button. Solche gefälschten Online-Shops werden immer mehr, berichtet Georg Tryba, Sprecher der Verbraucherzentrale NRW. Zahlen kann er nicht nennen, doch die Zunahme hat die Verbraucherschützer dazu veranlasst, auf der eigenen Internetseite zu erklären, wie Online-Kunden gefälschte Shops erkennen. Eine Seite die vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz gefördert wird. Ein Recherche-Team der ARD hat recherchiert, dass bereits 4,4 Millionen Menschen in Deutschland auf eine der Maschen der Online-Betrüger hereingefallen sind.

Diese sind für Kunden sehr perfide:

  • Ein Lockmittel ist meist der unschlagbar günstige Preis des gesuchten Produkts. Nach der Bezahlung wird dann am Ende ein nicht selten minderwertiger Artikel zugeschickt. Eine klare Fälschung.
  • Mitunter werde der Artikel auch gar nicht geliefert, berichtet Georg Tryba. Nicht selten überlegen sich die Händler dann kuriose Geschichten, wie zum Beispiel „Lieferschwierigkeiten“ und halten die Betroffenen monatelang hin. „Achten Sie deshalb auf eine sichere Bezahlweise. Das ist die wichtigste Regel.“ Wie diese aussieht, dazu später mehr.
  • Die dritte Masche ist für Laien besonders schwer zu durchschauen: Zuweilen werden real existierende große Shops mit echten Produktbildern und bekannten Schriftzügen perfekt nachgebaut, sodass sich Kunden auf der richtigen Seite wähnen und munter auf Einkaufstour gehen.
Die wichtigste Regel aus Sicht der Verbraucherschützer: Nie unsicher zahlen! Wählen Sie eine sichere Bezahlweise, bei der Sie Ihr Geld im Zweifelsfall wieder zurückbekommen.

Doch wie erkenne ich nun solche Fake-Shops? Dazu haben die Verbraucherzentralen auf ihrer Internetseite eine ausführliche Grafik veröffentlicht, die wesentliche Elemente eines sicheren Online-Shops erklärt. Die wichtigste Regel aus Sicht der Verbraucherschützer: „Nie unsicher zahlen!“ Wählen Sie eine sichere Bezahlweise, bei der Sie Ihr Geld im Zweifelsfall wieder zurückbekommen. Das ermögliche ein Kauf auf Rechnung oder Lastschrift, erklärt Georg Tryba. Auch PayPal unter bestimmten Bedingungen, die die Verbraucherzentrale hier erklärt.

Paydirekt als Bezahl-Alternative der Sparkassen

Übrigens: Noch besser ist es, wenn der Bezahldienst von der eigenen Bank kommt. Deshalb bietet die Berliner Sparkasse ihren Kundinnen und Kunden paydirekt. Das Bezahlverfahren, unterstützt von nahezu allen deutschen Sparkassen und Banken, ist als Alternative zum bisherigen Marktführer Paypal gedacht. „Für unsere Kunden ist paydirekt sicher und einfach, dem Händler wird die Zahlung garantiert und er profitiert von geringen Kosten”, betont Wolfgang Daniel, Online-Experte bei der Berliner Sparkasse.

Der Unterschied zu Paypal: Bei paydirekt wird der Zahlungsablauf ohne Zwischenstation direkt zwischen der Bank und dem Händler abgewickelt. Nach einmaliger Registrierung wird beim Einkaufen im Internet sofort mit dem eigenen Girokonto bezahlt. Legitimiert wird durch einfache Eingabe von Benutzername und Passwort, die Kontodaten bleiben ausschließlich bei der Berliner Sparkasse. Über 1.700 Händler akzeptieren inzwischen dieses Verfahren „made in Germany”, für das selbstverständlich das deutsche Bankgeheimnis und der deutsche Datenschutz gelten. Mehr dazu in unserem Artikel Bezahlen Sie doch einfach mit Ihrer Sparkasse.

Mit Kreditkarte lieber bei bereits bekannten Shops zahlen

Wer hingegen mit der Kreditkarte zahlt oder sogar Vorkasse leistet, sieht bei einem Fake-Shop sein Geld leider nicht wieder. Daher sollte man beide Varianten eher bei Shops machen, bei denen man bereits gute Erfahrungen gemacht hat. Manche Fake-Shops verlocken ihre Kunden mit Prozentnachlässen zu unsicheren Bezahlweisen. „Gehen Sie darauf nicht ein“, warnt Georg Tryba.

Die weiteren fünf Tipps, woran Sie einen sicheren Online-Shop erkennen:

Fake Shop
Bild: Verbraucherzentrale NRW e.V.
Fake Shop Url

1. Die Internetadresse: Sieht diese bereits seltsam lang und kompliziert aus – dann ist Skepsis angesagt. Die Abkürzung „.de“ für Deutschland ist hingegen leider kein Garant dafür, dass der Verkäufer auch in Deutschland sitzt, warnen Verbraucherschützer. Die Endung kann sich jeder weltweit kaufen. Ein guter Schutz ist hingegen die Vorsilbe „https://“ plus Abbildung eines Vorhängeschlosses am Anfang der Adresszeile. Beides steht in der Regel für eine gesicherte Verbindung.

Fake Shop Preis

2. Die Preise: Vergleichen Sie die Preise mit Produkten auf anderen Internetseiten. Ein extrem niedriger Preis sollte immer misstrauisch stimmen. „In Fake-Shops gibt es Sachen, die bei anderen Shops viel teurer sind“, warnen die Verbraucherschützer in ihrer Infografik. „Oder die es dort gar nicht mehr gibt. Oder nur nach langer Lieferzeit wieder. Zum Beispiel die neuesten Smartphones.“

Fake Shop Siegel

3. Falsche Siegel: Häufig benutzen falsche Online-Shops Phantasie-Siegel, die eine Seriosität vorgaukeln. Auf http://internet-guetesiegel.de/ finden Sie vertrauenswürdige Siegel. Achtung: Das schützt Sie jedoch nicht vor einer missbräuchlichen Verwendung und darf daher nie alleiniges Seriositäts-Kriterium sein. Im Zweifelsfall lieber einmal die Internetadresse des Online-Shops kopieren und googeln, zum Beispiel mit dem Suchbegriff „Erfahrungsbericht“. Hagelt es hier Beschwerden – sofort die Seite schließen.

Fake Shop Bewertungen

5. Nur begeisterte Kundenbewertungen: Diese sind immer ein schlechtes Zeichen, denn nur lobende Kunden und Fünf-von-fünf-Sterne-Bewertungen sind illusorisch. Besser: auch hier mal den Online-Shop googlen und nachlesen, was ehemalige Kunden in sozialen Medien und Internet-Foren berichten.

Fake Shop Impressung

6. Das fehlende Impressum: Jede Internetseite in Deutschland muss ein Impressum haben, in dem der Besitzer der Seite steht, sowie eine Adresse mit Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort zu finden ist. Wenn diese fehlt, dann Finger weg! Gleiches gilt, wenn weitere Kontaktmöglichkeiten wie eine E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer fehlen.

Bleibt eine Frage noch offen: Wie erkenne ich denn nun, dass ein real existierender Shop nachgebaut wurde? Auch hierzu noch die Tipps:

  1. Die Internetadresse zweimal anschauen: Steht hinter dem gewohnten „.de“ zum Beispiel noch ein „.com“?
  2. Ungewohntes Layout: Sieht die Seite verdächtig aus? Ist das Layout plötzlich anders? Dann hier keinesfalls die Login-Daten eingeben.
  3. Achtung Amazon-Marketplace: Hier haben Verbraucherschützer und Polizei vergangenes Jahr von Betrügern berichtet, die die seriöse Marke des Online-Einkaufshauses für ihre Betrugsabsichten missbraucht haben. Hier mehr.
  4. Achtung, Phishing-Mails: Auch eine beliebte Masche von Betrügern: falsche Mails von Amazon oder ebay, in denen Kunden aufgefordert werden, ihre Daten einzugeben oder zu überprüfen.

Wer dann doch Opfer eines Fake-Online-Shops geworden ist, kann noch innerhalb von ein paar Stunden seine Bank bitten, das Geld zurück zu buchen. Ein Lastschriftverfahren kann innerhalb von acht Wochen noch rückgängig gemacht werden. Bewahren Sie zudem alle Belege auf (Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und ein Screenshot des Angebots). Rechtlich handelt es sich um einen Betrug, und den können Sie in Berlin auch online zur Anzeige bringen . Die Verbraucherzentrale Berlin berät ebenfalls: https://www.verbraucherzentrale-berlin.de/

FAZIT:

Damit es dazu erst gar nicht kommt, hilft am meisten: gesunde Skepsis bei der Einkaufstour im Netz. „Da die Täter aus dem Ausland agieren, ist das Löschen solcher Fake-Shops oft umständlich und langwierig“, informiert die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes auf ihrer hierfür eingerichteten Seite. So können die Betrüger leider über viele Wochen hinweg ahnungslose Online-Einkäufer um ihr Geld bringen. Auch über Weihnachten hinaus.

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