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Bild: iStock
Erbengemeinschaften

Die Scherben der Erben

Kommt es bei einem Erbstreit zum Prozess, helfen Güterichter beim Finden einer einvernehmlichen Lösung: Mediation statt Urteil.

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or langer Zeit hatte einer von zwei Brüdern sein Berliner Elternhaus verlassen, um in Australien sein Glück zu suchen. Der andere Bruder war sesshafter, blieb bei den Eltern und kümmerte sich über Jahre um den pflegebedürftigen Vater. Dafür erbte er nach dessen Tod das bescheidene Elternhaus.

Erbenstreit: Wiedersehen am Landgericht

Doch der Abenteurer, inzwischen mittellos in seine Heimatstadt zurückgekehrt, bestand auf seinem Pflichtteil. Der Haupterbe hätte das Elternhaus, sein Zuhause, verkaufen müssen, um den Bruder auszuzahlen.
Güterichterin Anne-Ruth Moltmann-Willisch war dabei, als sich die beiden Männer nach über 20 Jahren am Landgericht wiedertrafen. „Ich bekomme immer wieder eine Gänsehaut, wenn ich von solch intensiven Fällen erzähle.“ Die beiden hatten sich im Rahmen ihres Prozesses auf eine Mediation eingelassen, um wenigstens zu versuchen, gemeinsam eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die Berliner Justiz gehört zu den Vorreitern in der gerichtlichen Streitschlichtung. Seit 2006 erprobte sie die Mediation zunächst in einem Pilotprojekt, diese Ergebnisse flossen in ein Bundesgesetz ein, das seit 2013 die Mediation als Option in allen Verfahren an Zivilgerichten vorsieht. Moltmann-Willisch und ihre Kollegen begleiten pro Jahr rund 700 solcher Güterichterverfahren, zwei Drittel kommen in den speziellen Mediationsräumen am runden Tisch vor dem Flipchart zu einer Einigung.

Ziel ist nicht ein Kompromiss, sondern das Verstehen der Gegenseite

„Etwa jeder zehnte unserer Fälle ist eine Erbsache. Diese sind besonders schwierig, weil die Parteien eine komplexe Familiengeschichte teilen, oft voller Kränkungen aus ferner Vergangenheit“, erzählt die 62-jährige Richterin. Viele wollten mit der Klage eine Kontaktaufnahme erzwingen. Doch die Mediation sei keine Therapie, „im Fokus stehen die Streitpunkte, nicht die Familiengeschichte“, so die Güterichterin. Auch ihr schwierigster Fall war so eine Erbsache voller Verletzungen. „Das war ein jahrzehntelanger, über zwei Generationen reichender Streit unter Geschwistern aus den USA, Kanada und Israel um ein Millionenvermögen. Nach vier achtstündigen Sitzungen in englischer Sprache fand dieser schließlich ein Ende“, berichtet Moltmann-Willisch ein wenig stolz.
„Mediation heißt nicht, einen Kompromiss zu suchen“, so die Streitexpertin. Vielmehr gehe es darum, erst die eigenen Beweggründe zu verstehen – und dann die des Gegenübers. Oft käme man durch diesen Perspektivenwechsel in einer Mediation innerhalb weniger Stunden zu einer Lösung, während man auf den Prozess schon mal ein Jahr warte. Auch die beiden Brüder hätten so schließlich einen Weg gefunden, mit dem beide leben konnten.

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